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Der Israelit · 1893-06-26 · Heft 51 (26.6.1893) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 51 (26.6.1893)
Date
1893-06-26
Page
– (sequence 10)
Language
German
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9?4 auf. Aber dafür trat unsichtbar und doch fühlbar Gottes schützende Allgegenwart ein. n^i du» r-6 run -idw Ein Völkchen, zerstreut über den weiten Erdkreis, gehaßt von Fürsten und Völkern, wie ein Schäfchen unter Wölfen, dem jeder Nahrungszweig abgeschnitten, jede Lebensfreude verkümmert -und es erhält sich doch, nährt sich doch, läßt sich doch die Freude am Dasein nicht rauben, bewahrt sich doch den Menschenadel, hält hoch seine Menschenehre, widmet sich doch der Beschäftigung mit allen Gütern des Geistes und des Gemüthes, verlernt nicht die Würdigung aller idealen Bestrebungen und verliert nicht seine angestammte geistige Begabung — und das alles einzig und allein nur durch seine Lehre. Und diese Lehre ist in dieser zweiten Periode der Weltgeschichte der Menschheit nicht mehr fremd. Alle cultivirten Völker bekennen sich zu ihren Grundsätzen, alle Gesittung und Bildung beruht auf ihr, oder doch größtenthetls auf ihr, Fürsten und Völker, Gelehrte und Schüler beschäftigen sich mit ihr, die Kinder in der Schule kennen Israels Stammväter besser als ihre eigenen Ahnen, wissen von Israels Königen und Gottesmännern mehr zu erzählen, als von ihren früheren Herrschern, man betet Davids Lieder, führt Salomo's Sprüche an, predigt über Jesajas oder Hiob's Sätze — und Israel selbst wird dieser Lehre untreu, Israel verläßt seinen Gott, der es erhalten, verleugnet seine Lehre, die ihm Alles, Alles ersetzte, der es Alles verdankt, und welche von den andern Völkern angenommen, anerkannt und bewundert wird! Ist das nicht das größte Wunder? Müssen darob sich nicht die Berge entsetzen, die Hügel schaudern? und Din nyssn nw dw wo ^yv nna »oyi . . . 'di »u Tonn. Können die Stammväter, diese hochragenden Berge, und die Stammmütter, diese lieblichen Hügel, das von ihren Kindern begreifen, sie rechtfertigen? Und noch dazu hat für beide Perioden der Weltgeschichte Gott im Voraus die Vorbilder gegeben und sie gewissermaßen als prophetische Wahrzeichen ausgestellt für alle Zeiten. Die erste Periode, die Zeit der Wunder bei Israel, der Propheten, der Priester, der Gottesmänner, dagegen des Götzenthums und völliger Unkenntniß Gottes bei der übrigen Menschheit, sie tritt am schärfsten hervor bei der Erlösung aus Egypten. Hier steht Moses mit Aaron und Mirjam, d o r t das hochgebildete Egypten, das trotzdem so tief in Götzendienst verfallen ist, daß sein König spricht 'i dn ^nyT xb ", »d. „Mein Volk", so wirft der Prophet seinem Zeitalter vor, „diese Periode und sein Ur- und Vorbild hast Du nicht begriffen . . . o'irrv px» *j»n»^yn d □noi jnns* ntpc nK Es kömmt die 2. Periode. Sic ist vorbildlich dargestellt in Balak und Bileam. Balak ist König des Brudervolkes, dem Israel nichts zu Leide thun darf, mit welchem zu kämpfen ihm untersagt ist, in dessen Nähe cs friedlich leben, freundnachbarltch verkehren soll. Bileam weiß von Gott, kennt genau Israels Lehre, Vergangenheit und Gegenwart; aber trotz seiner salbungsvollen Worte, seines zur Schau getragenen Gehorsams und Fügens in Gottes Willen, vereinigen sich seine schlechten Eigenschaften, seine Geldgier, sein Hochmuth, feine Ruhm und Ehrsucht, sein Haß gegen Israel, sein Neid gegen dasselbe und dessen große Männer, in ihm zu solcher antisemitischen Leidenschaft, daß er unfähig wird den Gotteswillen ganz zu erfasfeu und zu erfüllen, daß er von der ihm gewordenen göttlichen Antwort das Wichtigste verschweigt, daß er. der wiederholten natürlichen und wunderbaren Warnungen ungeachtet sein Gott mißfälliges Ziel unbeirrt verfolgt, und nach dreimaligem vergeblichen Versuch es nochmals unternimmt das Volk zu verfluchen, weil er dieses Volk unmöglich als für immer von Gott gesegnet halten kann, weil er immer und immer wieder Gott umftimmen zu können und Israel doch etwas versetzen zu können glaubt. Und nachdem Alles fehlgeschlagen, auch da wandelt sich sein Haß nicht in Liebe, und er scheidet nicht, ohne Balak den teuflichen Rath zur Verführung des Volkes zu geben. Ist das nicht das ganze Vorbild der Antisemiten, die so haßverblendet sind, daß sie trotz aller mißlungenen Versuche, trotz hundertfacher Gegenbeweise immer wieder, mit verdoppelter Wuth, ihr teufliches Werk unter salbungsvollen, gerechten, frommen Worten und Redensarten beginnen? Und war dort nicht, ganz wie heute, das Wunder unsichtbar? Israel lagert in seinen Zelten und hat keine Ahnung von dem, was dort sich auf jenen Bergen sich abspielt, weiß nichts von den Altären, die Balak und Bileam, unheilsinnend, errichten und erfährt erst später von dem Kampfe, welchen sein nie schlummernder Hüter im Herzen und auf der Zunge Bileams für es kämpft. Die beabsichtigten Flüche wandeln sich in: Segnungen, aber selbst in den Segnungen sind die Flüche erkennbar, zwischen den Zeilen lugt der Fluch heraus (rnD-po 'Di *du ycsn iniN bv), seine Reden schließen alle unschön D'^n du — -in« i'iiini — nm« ny iniD3 »nnn« »nro — nnr* (kurz er will fluchen, muß aber segnen. Begreifen wir nun, daß, wenn uns prophetisch unsere jetzige Lage Jahrtausende''.früher vorgeftellt werden sollte, Gott rru seinen Geist und sein Wort auf Bileam legen mußte? Um so mehr vergrößert sich das Wunder, daß wir trotzdem nicht hören und einsehen und heute noch den Vorwurf verdienen

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