Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 51 (26.6.1893)
- Date
- 1893-06-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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970 reichen. Ihre Majestät bekundete für die eifrigen und geistvollen Studien des Verfassers das wärmste Interesse, welches darin seinen Ausdruck fand, daß sie um den Vortrag einiger Gesänge bat und den Wunsch äußerte, den Schofar zu hören. Se. Majestät der König Humbert gewährte an demselben Tage Herrn Rabbiner Angelo Fornari eine Audienz, um eine prachtvoll ausgestartete, auf Pergament ausgeführte Abschrift jener Hymne entzegenzunehmen, welche am 22. April d. I. zur Feier der silbernen Hochzeit unseres Königspaares im hiesigen Tempel zum Vortrag gelangt war. Der König sprach seinen innigen Dank für das Geschenk aus und zeigte durch huldvolle Worte, wie sehr er für die zu Ehren seiner Silberhochzeit seitens der Juden erwiesenen Aufmerksamkeiten empfänglich gewesen sei. Benedig, 18. Mai. Am 15. d. verstarb hier Herr David Luzzatti, der an den Kämpfen seines Vaterlandes zur Herstellung seiner Einheit thätigen Antheil nahm und zwar diente er 1848 und 1849 als Lieutenant und 1866 wieder als Hauptmann in der Nationalgarde seiner Vaterstadt. Aber außer an seine patriotischen Pflichten dachte er auch an seine religiösen Pflichten und erfüllte dieselben sogar im Felde. Als Geschäftsmann war er die Ehrlichkeit selbst und auch der Armen vergaß er nie. Sein Leichenbegängniß gestaltete sich zu einer großen Sympathiekundgebung. An demselben nahmen die Veteranen mit ihrer Fahne, die Vertreter unserer Cultusgemeinde, dann vier Vertreter der Levantiner Synagoge, deren Mitglied der der Verstorbene.,war, mit brennenden Fackeln, und auch die Insassen unseres Armenhauses gleichfalls mit brennenden Fackeln, Theil. Zahlreiche Gondeln mit Trauergästen folgten der Leichenbarke bis zum jüdischen Friedhofe. n"Ds:n Acqui, im Mai. 'ui min ira an annD ratnitr. Mit den genannten drei Kronen, der der Thora, des Priesterthums und des Reichthums, ist unser verehrter Rabbiner Bonajut Ottolenghi geschmückt, denn derselbe versieht sein heiliges Amt, seine großen Reichthümer erlauben ihm eine solche Thätigkeit, ganz umsonst und ist er dabei auch noch einer der ersten Steuerträger unserer Gemeinde. Dabei ist ist er sehr herablassend, freundlich und entgegenkommend gegen seine DTD »7J7D (gleichsam als wäre er von ihnen abhängig.) Unsere Gemeinde hat sich daher jetzt entschlossen, Herrn Ottolenghi zum Rabbiner für lebenslänglich zu ernennen und ihm zugleich den Titel uno (unser Führer) zu verleihen. Am folgenden Sabbat wurde dann Rabbiner Ottolenghi zur Thora gerufen, wobei er den verschiedenen Vereinen und den Armen reichliche Spenden zukommen ließ. *p 3iBi -pEW. Krakau, 20. Juni. Heute wurde hier einer der pflichtgetreuesten isr. Religionslehrer, der auch 23 Jahre beeideter Gerichtstranslator und Censor für die hebräische Sprache war, Herr Menase Metallmann zu Grabe getragen. Der Verewigte, der im 66. Lebensjahre stand, war einer derjenigen wenigen, die es verstehen nöDni min, profanes Wissen mit religiösem Lebenswandel zu vereinigen, einer derjenigen Religionslehrer, die ihr Möglichstes aufbieten, die heiligen Pflichten ihres Berufes zu erfüllen, die ihnen anvertraute Jugend njiöN~l mm.n »Dm yy zu erziehen, was ihm auch die allgemeine Achtung und Beliebtheit einbrachte. Der Bahre folgten sämmtliche isr. sowie mehrere christl. Lehrer unserer Stadt, die Schuljugend und auch die Mitglieder des hebräischen Literatur-Vereines „nDN HDty", dessen Mitglied der Verewigte war. Am Grabe widmete dem Verblichenen im Namen des erwähnten Vereines, der Präsident desselben, Herr I. S. Fuchs (Redacteur der hebräischen Zeitung „Hamagid", (einen Nachruf in hebräischer Sprache, in welchem er, anknüpfend an den Ausspruch! unserer Weisen nba minn bj )nnn nattf man »jdd nntt (.i"p nDEO, beim Hinscheiden eines Mitgliedes trauert der ganze Verein) besonders die vorzüglichen Eigenschaften des Verstorbenen, seine Bescheidenheit, Anspruchslosigkeit, seine Uneigennützigkeit im Umgänge, seine warmes Interesse für die hebräische Literatur u. s. w. hervorhob, von dem man mit Recht sagen kann, daß er nvnDD mn mpC? nu war. Durch das Hinscheiden dieses rechtschaffenen Mannes erlitt unsere Gemeinde einen schweren Verlust, inniJiD '»nn HDD Max Jnfeld. In Paris ist am 26. v. M. der Buchhändler Armand Durlacher, der Einzige, der auch einen jüdischen Verlag in Frankreich hatte, gestorben. Rogasen, 14. Juni. Binnen Kurzem verläßt Herr Moritz Zadek'"l von hier unsere Stadt, um nach New-Iork zu seinen Söhnen überzusiedeln. Wir bedauern den Wegzug dieses Herrn von hier. Derselbe fungirt bereits 46 Jahre hier unentgeldlich als joip;yD und ist sein Vortrag nach allen Seiten hin ein vorzüglich guter. In einer Zeit wo die Zahl der naßa sich immer mehr lichtet sieht man ungern einen pDP aus der Stadt ziehen. Herr Z. hat bei Pru ‘“«iE' mit Erfolg gelernt und ist sogar von nE>2 n"iD lyTWNn p"p"t vdn mysjyD mit der umn ra'QO beehrt worden. Wir wünschen, daß Herr Zadek den Abend seines Lebens mit seiner Ehefrau im Kreise seiner Söhne recht glücklich verbringe. Feuilleton. -»> Die drei Kronen. Von H. Berger. (Alle Rechte Vorbehalten.) (Fortsetzung.) XIII. Rahel hatte ihrer Liebe entsagt. Es war ihr freilich schwer geworden den Vernunftgründen ihres Vaters auch in ihrem Herzen Geltung zu verschaffen, aber sie hatte es vollbracht und nun blieb ihr noch eine schwere Pflicht, dem Geliebten die Rothwendigkeit ihres Verzichtes mitzutheilen. Von Tag zu Tag hatte sie zuerst die unangenehme Arbeit verschoben, dann hatte sie versucht, den Absagebrief zu schreiben — vergeblich; die Feder wollte nicht über das Papier, das Wort des Abschieds sollte noch nicht geschrieben werden. Dabei ging sie traurig im Hause einher und kopfschüttelnd blickte ihr Vater ihr nach. War das seine fröhliche Rahel? Wohin waren die Rosen gekommen, die sonst auf ihren Wangen blühten, wohin das sonnige Lächeln, welches sonst ihr Gesicht verklärte? Alles war verschwunden! Wie ein Reif auf die Blumen des Frühlings, so hatte sich die bittere Nothwendigkeit der Entsagung auf die erste Liebe gelegt und das resignirte Lächeln, welches jetzt von Zeit zu Zeit ihre Lippen umspielte, ließ sie nur noch trauriger erscheinen. Sie suchte Ersatz für ihre Liebe und meinte diesen in der Ausübung der Mildthätigkeit zu finden. Von nun an suchte sie das Elend in seinem Schlupfwinkel auf