Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 51 (26.6.1893)
- Date
- 1893-06-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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969 > vermischtes. < Pforzheim. Kaum ist unsere neue Synagoge eingeweiht, so raubt uns der Tod ganz plötzlich den Mann, der berufen war, dort „vor Gott zu dienen." Cantor Elias Bloch ist ganz plötzlich gestorben. Er war ein hervorragender Cantor mit außerordentlichen Stimmmitteln begabt, ein sehr tüchtiger Religionslehrer. Da er auch das Reallehrer Examen bestanden hatte, wurde er gleichzeitig von der Oberschulbehörde als Reallehrer am hiesigen Realgymnasium angestellt. Berufswahl der jüdischen Abiturienten. Ueber die Berufswahl der Ostern 1891 abgegangenen preußischen Gymnasialabiturienten veröffentlichte Prof. Dr. Gcmß in der „Deutschen Schul-Post" (März 1892) einen Aufsatz, der sich auf die Angaben der Schulprogramme stützt. Die Zahl der daselbst angeführten Abiturienten betrug 3619, wovon 2458 (672/3 pCt) evangelischer, 907 (251/6 PCI.) katholischer, 269 (71/2 PCt.) jüdischer Confession und 5 Dissidenten waren. Nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1890 lebten in Preußen 64,4 pCt. Evangelische, 34.4 pCt. Katholiken und 1.2 PCt. Juden, mithin stellten die Evangelischen 3,3 PCI. mehr, die Katholiken 9,2 pCt. weniger und die Juden 6,3 pCt. mehr Abiturienten als ihnen der Bevölkerungsziffer nach zukommen müßte. Diese Abiturienten haben sich folgenden Berufszweigen zugewandt: I. Berufszweige, die den Juden offen sind: Evangelische Katholiken Juden Theologie 475 353 4 Medicin 487 162 120 Jura und Cameralia 492 167 74 Baufach 66 20 7 Klassische Philologie 69 16 4 Kaufmannsstand 49 8 S Ingenieur- und Technikerfach 42 7 9 Bankfach 45 6 5 Berg- und Hüttenfach 28 10 2 Naturwissenschaften 21 4 7 Maschinenbaufach 21 7 1 Chemie 23 2 3 Geschichte 17 3 3 Electrotechnik 9 6 5 Mathematik 11 4 3 Neuere Sprache to 1 1 Germanistik 8 0 1 Nationalökonomie 8 0 3 Landwirthschaft 30 7 0 Sa. 1911 Sa. 778 Sa 261 II. Berufszweige, die den Juden verschlossen sind: Theologie und Philologie 19 9 0 Militär und Marine 234 29 0 Postfach 157 39 0 Steuerfach 25 11 0 Beamtenlaufbahn 14 13 0 Forstfach 19 7 0 Sa. 468 Sa. 108 Sa. 0 Die jüdischen Abiturienten bilden 71/2 PCt. aller Abiturienten. Da ihnen nun die oben angegebenen 6 Berufszweige verschlossen sind, so ergreift die Zahl, die, der Statistik nach, in diesen Zweigen Unterkunft finden müßte, also 71/* PCI. von 468+108 d. h. 43 Juden, die übrigen Berufe. Auch dieser Grund muß berücksichtigt werden, wenn man sich über die hohen Ziffern wundert, welche die Juden z. B. bei Jura und Medicin aufweisen. Karlsruhe. Ein stattlicher Leichenzug geleitete die irdischenUeberreste der Hofgoldsticker in FräuleinHannchen Heim erd in ge r zur letzten Ruhestätte. In der Verstorbenen verliert Karlsruhe eine edle, mit Tugenden des Geistes und des Herzens aufs reichste begabte Mitbürgerin, die Armen eine stets hilfsbereite Fürsorgerin. Aber auch die Kunst beklagt in ihr den Verlust einer Genossin, die auf ihrem Gebiete das Höchste leistete und sich dadurch nicht nur in ihrer Vaterstadt, sondern sogar weit über die Grenzen unseres engen Vaterlandes hinaus einen geachteten und ehrenvollen Namen erwarb. Den jüdischen Gemeinden war sie besonders bekannt, durch Anfertigen von kunstvollen f n 7 W, ronsi Decken und Mäntelchen. Odessa, 4. Juni. ’JJJD Hin’ nn^ Nach einem soeben veröffentlichen Ausweise haben im vergangenen Jahre im russischen Reiche 175,000, sage hundertfunfundsiebzigtausend Juden, zum Wanderstabe greifen und für sich und die Ihrigen eine neue Heimath zum größten Theil jenseits des atlantischen Oceans suchen müssen. Wieviel Millionen Thränen diese Hunderttausende von Auswanderern beim Verlassen ihrer alten Heimath, wo ihre Väter und Großväter begraben liegen, vergoffeu haben, darüber fehlen leider die statistischen Ausweise. In dem soeben abgelaufenen Drittel (Januar—April) des heurigen Jahres haben nach demselben Ausweise wieder 44,000 russische Juden den Wanderstab ergriffen, um in die weite Welt hinauszuziehen und nach amtlichen Erwartungen werden in den noch kommenden acht Monaten des Jahres etwa 160,000 Nachfolgen. Nur der geringste Theil dieser Auswanderer schifft sich hier in unserer Stadt ein, da die meisten von ihnen den Weg über die Ost- und Nordsee vorziehen, um sich dann in Hamburg Antwerpen, London oder Liverpool nach der Neuen Welt einschiffen zu können. In Xanten starb in diesen Tagen der aus dem Prozeß Buschhoff, sowie aus den sich anschließenden Prozessen Oberwinder, Bauer-Schroot, ten Winkel rc. bekannte Hauptzeuge, Stadtverordnete Kaufmann Küppers, der Eigenthümer der Scheune, in der Joanchen Hegmann aufgefunden wurde. Wien, 30. Mar. Das Präsidium der hiesigen Spaniolen-Gemeinde überreichte heute Mittag dem türkischen Botschafter Zia Bey eine ebenso kostbare als kunstvoll ausgeführte Dank-Adresse. Die türkisch-israelitische Gemeinde fühlt sich nämlich dem Botschafter zu besonderem Danke verpflichtet, da sie es seiner Intervention zuzuschreiben hat, daß sie gelegentlich der Vereinigung aller in Wien und den ehemaligen Vororten bestehenden israelitischen Cultusgemeinden ihre Autonomie nicht verlor und die Mitglieder im Besitze ihrer besonderen Privilegien als türkischeUnterthanen blieben. Die Adresse, in Form einer Mappe gehalten, ist in ihrem äußeren Theile aus Gold gefertigt. Das Deckblatt aus Elfenbein zeigt das türkische Wappen. Zu beiden Seiten desselben steht man allegorische Gestalten, die Dankbarkeit und die Ergebenheit darstellend. Das Bild wurde von Th. Zasche gemalt. Auf dem zweiten Blatte liest man die Widmung: „PresentS ave-: un profond respect par la presidence et tous les membres de la communaut6 Turco-Israelite ä Vienne ä Son Excellence G. Zia Bey leur noble protecteur.“ Die Adresse ist vom Präsidenten M. Ruffo, dessen Stellvertreter Licco Adutt, den Beiräthen G. Adutt und S. Asriel und R. Mazliach, sowie sämmtlichen 215 Gemeindemitgliedern unterzeichnet. Sr. Excellenz dankte in herzlichen Worten der Deputation des Vorstandes für die Ueberreichung der schönen Adresse und versprach, Sr. Majestät dem Sultan von der loyalen, treuen Gesinnung seiner in Wien domicilirenden jüdischen Unterthanen getreu zu berichten und sich de+Jnteressen der fephardischen Gemeinde jederzeit annehmen zu wollen. Rom, 24. Mai. Am 9. d. M. wurde unser Glaubensgenosse Herr F. Consolo von Ihrer Majestät der Königin Margherita in Privataudienz empfangen, um höchstderselben ein Exemplar seines Werkes „Die Gesänge Israels" zu über-