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Der Israelit · 1893-06-22 · Heft 50 (22.6.1893) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 50 (22.6.1893)
Date
1893-06-22
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Aus Reichenau wird berichtet: Im Laufe des heutigen Tages fand eine Commission zur Begutachtung der Eignung des vom Baron Nathaniel Rothschild dem Vereine zur Errichtung einer Heilanstalt für Brustkranke gespendeten Schlosses Hinterleithen statt. Von ärztlicher Seite wurden Bedenken gegen die geplante Verwendung des Schlosses erhoben. Der Beztrksarzt machte geltend, daß wohl die Bedingungen für die Errichtung eines Tuberculosen-Heims geben seien, daß aber die Activirung einer solchen Anstalt dem Curorte Reichenau in sanitärer Beziehung Schaden zufügen würde. Der Bürgermeister gab namens der Gemeindevertretung einen Protest gegen die Etablirung einer derartigen Krankenanstalt in der unmittelbaren Nähe Reichenaus zu Protocoll. Sämmtliche an dieser Frage betheiligten Interessenten schlossen sich dieser Verwahrung an. Nach einer Aeußerung des Obmanns Professors Dr. v. Schrötter soll das Curatorium beabsichtigen, seine Eingabe um die behördliche Bewilligung, das Rothschild'sche Schloß in eine Heilanstalt umzuwandeln, zurückzuziehen. (Inzwischen hat, wie bereits berichtet, Baron Rothschild seine Schenkung zurückgenommen.) Oester.-Ung ar. Monarchie. Budapest, 12. Juni. Die hauptstädtische Finanzkommission bewilligte einstimmig der israelitischen Gemeinde ein Terrain im Werthe von 600,000 Gulden zum Bau eines Tempels. Die durchwegs christlichen Redner betonten, daß für die katholische Kirche schon riesige Summen geopfert worden seien, für die Israeliten noch nichts. Für den Bau des Tempels sind 3'/z Mill. Gulden bestimmt. Budapest. Der ungarisch-israelitische Handwerks- und Ackerbauverein in Budapest hielt jüngst seine 50. ordentliche Generalversammlung ab. Dem Jahresberichte für das Jahr 1892 sind folgende Daten zu entnehmen: Die Zahl der Vereinsmitglieder hat sich auf 1216 erhöht, welche 5119 fl. 50 kr. an Jahresbeiträgen entrichteten. Das Vermögen des Vereines hat die Höhe von 59,586 fl. 90 kr. erreicht. Mit der materiellen Zunahme des Vereines erhöhte sich auch dessen Thätigkeit, so daß im abgelaufenen Jahre 377 Handwerkszöglinge und 20 Stipendisten an der Staats-Gewerbemittelschule und an der Ackerbauschule, somit zusammen 397 Knaben der Wohlthaten des Vereines theilhaftig wurden. Im abgelaufcnen Jahre wurden 66 Lehrlinge freigesprochen. Aus dem Vermächtnisse Moritz Wahrmann's sind dem Vereine 5000 fl. als Stipendienstiftung zu Gunsten solcher Zöglinge, welche die Staats-Gewerbemittelschule besuchen, zugekommen. Aus der Reihe der ehemaligen Zöglinge des Vereines erhielten drei angehende Meister (ein Tischler, ein Kunstdrechsler und ein Bildhauer) i behufs ihrer Etablirung Stipendien von 300 bis 500 fl. 20 Handwerkszöglinge wurden freigesprochen. 37 Zöglinge, darunter vier Taubstumme, wurden prämiirt. Der anwesende königliche Rath Carl Hegedüs erklärte am Schluffe der Versammlung, er wisse wohl zu würdigen, was dieser Verein leistet, und es bereite ihm stets eine aufrichtige Freude, inmitten dieses Vereines erscheinen und Augenzeuge seines segensreichen Wirkens sein zu können. Offen bekenne er, daß es keinen Privatverein in Ungarn gebe, welcher zur Entwicklung der vaterländischen Industrie in solch intensiver Weise beiträgt, als eben dieser. Er wünschte nichts sehnlicher, als daß bet allen Consessionen ähnliche Vereine entstehen sollten, auf daß sich der Wettstreit der Consessionen bloß auf das Gebiet des Wissens und der Arbeit beschränken möge! Holland. Rotterdam, 16. Juni. Die Zahl der russischen Juden, welche auf der Reise nach Amerika in unserer Stadt eintreffen, nimmt mit jedem Tage zu, allein vielen fehlt das Geld, um sich während der wenigen Tage, da sie sich hier aufhalten müssen, Nahrung und Wohnung zu verschaffen. Ein Thetl dieser Russen findet Nachts ein Obdach im „Toevluchtshuis" der „Heilsarmee", jedoch diese Wohlthätigkeits-Anstalt ist nur geöffnet von Abends 8 Uhr bis Morgens 8 Uhr, sodaß der ganze Haufen sich über Tags in den Straßen aufhält. Am liebsten kamvtren sie in der, der Anstalt der Heilsarmee naheliegenden Bagynenhofstraat, welche in eine Art Bivouac umgeschaffen ist. Säuglinge, Kinder, Weiber und Männer, alles wimmelt da durcheinander, viele barfüßig, alle in zerlumptem schmutzigem Zustande. Aehnliches findet man auch in anderen Stadttheilen, denn die Auswanderer-Wirthshäuser sind alle überfüllt, und obgleich wöchentlich Hunderte mit den Dampfern der „Niederl.- Amerik.- Dampfschifffahrtsges." abreisen, so nimmt ihre Zahl doch noch immer zu, namentlich seitdem Hamburg seine Thore für diese Ausgetriebenen geschlossen hat. Die Rotterdamer sind damit durchaus nicht zufrieden; sie bestehen, mit Rücksicht auf die Choleragefahr, bei der Stadtbehörde dringend darauf, daß Maßregeln getroffen werden, um diesen Leuten einen außerhalb der Stadt liegenden Aufenthaltsort zu verschaffen. > vermischtes. Mainz, 21. Juni. Gestern verstarb in Marburg nach einer schmerzvollen Operation Herr Simon Simon von hier im 74. Lebensjahre. Derselbe war ein angesehenes Mitglied der isr. Religionsgesellschaft, deren Ausschuß er eine Reihe von Jahren angehörte. Mitbegründer der Firma Simon u. Heister, hat er dieselbe aus^kleinen Anfängen derartig in die Höhe zu drin-

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