Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 50 (22.6.1893)
- Date
- 1893-06-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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945 ^SWWWWWWWDWWAWWW weist auf die Gesundheitsschädlichkeit des Fleisches von Thieren, welche vor ihrem Tode geängstigt werden. Herr Heim weist die Aeußerung des Herrn Wastian zurück, daß die heutige Jugend verroht sei. Herr Wastian erwiedert, daß er nur einen Theil der heutigen Jugend gemeint habe, und er könne diesfalls auf den Bestand des Rettnngshauses des Schutzvereines verweisen. Der Sectionsantrag wird angenommen; von den Anträgen des Herrn Dr. Gödl erhält jener die Mehrheit, welcher weitere Erhebungen in Dresden bezweckt. Budapest, 12 Juni. Magyar Allam" veröffentlicht in der heutigen Abendnummer ein Memorandum der ungarischen Bischöfe an den Papst vom 3. März, welches seither unbekannt war. Dasselbe ist schärfer gehalten, als das Memorandum an den König. Die Bischöfe verwerfen unter Anderm die Judenreception, weil der Uebertritt zum Judenthum dogmatisch unerlaubt sei. Auf die Reception der Juden übergehend, wird im Memorandum darauf verwiesen, daß die Juden seit dem Jahre 1868 die gleichen politischen Rechte mit den Christen besitzen. Nicht so bezüglich der die Religion betreffenden Rechte. Das Memorandum zählt die Rechte, welche die Religion betreffen aus, in welchen die Juden nicht mit der christlichen Religion gleichgestellt sind, und dann heißt es: „Wenn die Juden auch in dieser Beziehung durch die Rcception den Katholiken gleichgestellt werden sollten, so dürfte in erster Reihe ein Christ Jude werden, wodurch die weltliche Macht leugnen würde, daß das Christenthum einen idealen Charakter dem Menschen aufdrücke. Es würde dadurch ausgesprochen, daß zwischen Chrtstenthum und Judenthum gar kein Unterschied bestehe. Daraus gehe hervor, daß man die Reception der Juden in diesem Sinne nicht acceptiren könne." Rußland. Ans Rußland, 12. Juni Die jüdische Auswanderung geht jetzt zumeist über Libau nach Rotterdam. Kürzlich reisten mit einem großen Dampfer fast 3000 Juden ab. In allen Gebieten des Reiches werden die Maßregeln gegen die Juden mit wachsender Strenge durchgesübrt. Petersburg, 10. Juni. (Zur Jndenfrage.) Wie wir hören, verwendet sich das jetzt in St. Petersburg anwesende Stadlhaupt von Libau dafür noch auf zwei Jahre den Juden das Wohnrecht zu gewähren. 6000 Juden müßten jetzt die Stadt verlassen. Rumänien. Bukarest, 4. Juni. Der „Rumänische Lloyd" berichtet: Wie die Ausweisungsbefehle gegen die Juden in den Dörfern, namentlich in der oberen Moldau ausgeführt werden, läßt sich aus folgenden Beispielen deutlich erkennen. Einem Juden aus Borac wurde die ganze Habe auf einen Karren geladen und bis zur Moldaubrücke transportirt; da jedoch die Brücke in Folge der Ueberschwemmung gebrochen und daher die Ucberschrettung des Flusses unmöglich war, wurden die Sachen aufs Feld geworfen, woselbst sie durch drei Tage dem heftigsten Regen ausgesetzt blieben. Einer Frau, welche kein Geld besaß, um den Fuhrmann zu bezahlen, rissen die Unholde ein zweijähriges Kind aus der Wiege und wurde letzteres als Entlohnung den Fuhrleuten übergeben. Eine andere Frau schonte man nicht einmal während der Geburtswehen; die Leute drangen ins Haus und warfen Alles zum Fenster hinaus. Mehrere in der Kommune Draguscheni ansässige Juden, denen der Gemeinderath den Aufenthalt im Dorfe gestattet hatte, wurden in den Nachtstunden vertrieben, ohne daß man ihnen Zeit zur Ordnung ihrer Angelegenheiten gelassen hätte. — Dem Jassyer „Evenimentul" wird ans der Kommune Belceschti, Distrikt Jassy, geschrieben: Sonntag den 14. Mai kam der Primär Chiriac in Begleitung seines Adjunkten mit 25 Soldaten ms Dorf und forderte die jüdischen Einwohner zum sofortigen Verlassen desselben auf. Die Juden protestirten dagegen mit der Behauptung, daß kein diesbezügliches Gesetz existire. Darauf befahl der Primär den Bauern, die Karren zu bringen, die Habe der Juden darauf zu laden und diese selbst gewaltsam zu vertreiben; dem widersetzten sich aber selbst die Bauern. Donnerstag, am Jspas-Feiertage, zeigte der Primär die Ankunft des Subpräfekten an, worauf die Juden ihre Läden schlossen. In der darauffolgenden Nacht wurden sämmtliche Läden, ohne Jemandes Wiffen, ohne vorherige Inventaraufnahme, versiegelt. Der Jude Haber, dessen Frau und Kind wurden von Chiriac arg mißhandelt. Schöne Zustände! Frankreich. Frankreich. Der Antisemitismus ist ein Feuerbrand, der alles um sich her verheert und zerstört. Wohl sind es zunächst die Juden, gegen welche er sich kehrt und die er zu schädigen, zu beunruhigen und zu vernichten sucht. Er verdächtigt, verleumdet, verbreitet die ungeheuerlichsten Lügen und verfolgt. Wer ihn und seine Führer kennt, wird nicht überrascht sein, daß er auch die Protestanten bedroht. Und wo? Auf dem classischen Boden der Religionsfreiheit, in dem Reiche, dessen dreifarbige Fahne die Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit verkündet, in Frankreich! Der berüchtigte Drumont veröffentlicht, nach einer Mittheilung der in Wien erscheinenden „Neu* zeit", der wir diese Notiz entnehmen, in feinem Journale die Zuschrift eines Franzosen, in welcher