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Der Israelit · 1893-06-22 · Heft 50 (22.6.1893) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 50 (22.6.1893)
Date
1893-06-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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94B meintlich oder thatsächlich versagen? Die Ehre flieht ja jeden, der ihr nachjagt! Deshalb siechen alle Diejenigen unrettbar hin, welche diesen drei Leidenschaften verfallen sind. Alle anderen Leidenschaften gewähren eine gewisse, wenn auch rasch vorübergehende Befriedigung. Der Stolze ist bei seinem Stolz glücklich. Treten ihm andere entgegen und lassen ihn seine Armseligkeit fühlen, so lächelt er überlegen, hält die anderen für beschränkt und sich für den Ausbund aller Weisheit. Der von Menschenhaß Erfüllte, freut sich des Hasses, den er seine Umgebung fühlen lassen kann. Der Zornige findet in dem Augenblicke, in dem er seinen Zorn entladen kann, eine Befriedigung. Aber die Opfer der drei hier aufgeführten Leidenschaften ringen erfolglos, nachdem was sie mit Einsatz ihres ganzen Lebens anstreben. Dabei giebt es nichts, was diesen Leidenschaften nicht jeden Augenblick eine Nahrung zuführt. Was der Neidische auch sehen mag, alles facht seinen Neid aufs Neue an. Dun Begehrlichen und Lüsternen weckt jeder Blick auf das, was ihn umgiebt, neue Reize und neues Verlangen nach ihnen. Der Ehrgeizige verlangt auf Schritt und Tritt von jedem, der ihm begegnet, seine Ehre. Wird sie gewährt, so verlangt er mehr, wird sie ihm versagt, so grollt er, weil sein Anspruch nicht befriedigt wird. Wie soll das enden? Wie anders als mit dem endlichen Untergang desjenigen, den diese Furien beherrschen, wie anders als mit der immer wiederkehrenden Bestätigung der alten Wahrheit: Neid, Begierde und Ehrsucht sch affen den Menschen aus der Welt! (Fortsetzung folgt.) Wahlen nnd Klilyniühlkn non Aullsmileu. Bautzen. Gräfe (Antis.) gewählt. Berlin, 20. Juni. Ahlwardt hat das Mandat von Arnswalde-Friedeberg abgelehnt, weil er sicher glaubt, in der Stichwahl in Neuestettin gewählt zu werden. In Arnswalde soll an seiner Stelle Hertwig aufgestellt werden. Zeitungsnachrichten nnd Korrespondenzen. Deutschland. Berlin, 19. Juni. Jener Druckschriftenhändler, welcher, wegen Beleidigung zweier die Friedrichstraße passirenden Herren, die er für Juden gehalten, zu drei Monaten Gefängniß verurtheilt worden war, stand dieser Tage vor der sechsten Strafkammer des hiesigen Landgerichts I. Pünschke, so heißt der Berurtheilte, hatte Berufung eingelegt und hoffte auf Milderung der ihm zudiktirten gerechten Strafe. Nach Wiederholung der Beweisaufnahme sah der Gerichtshof sich nicht in der Lage dem Wunsche des Angeklagten zu entsprechen, und so wurde die von diesem eingelegte Berufung verworfen. Hoffentlich dient diese Verurteilung auch andern antisemitischen Fanatikern zur Warnung. Berlin, 27. Juni. Bor der heutigen Gerichts- Verhandlung gegen den Antisemiten Paasch wegen Beleidigung des Gesandten Brandt sowie eines höheren Beamten des auswärtigen Amts, versuchte Paasch im Untersuchungsgefängniß im Zustande der Exaltation sich die Pulsadern zu öffnen. Die Verhandlung wurde auf 2 Stunden vertagt und der Gerichtsphysikus mit der Untersuchung des Paasch beauftragt. — Gerichtspyhstker Mittzweig erklärt, aus den Gesprächen mit Paasch den Eindruck empfangen zu haben, daß dieser vollständig vom Verfolgungswahn befangen sei und beantragt, Paasch zur Beobachtung auf sechs Wochen der Charite zu überweisen. Der Vertheidiger und der Staatsanwalt stimmen zu, der Vertheidiger verwahrt jedoch den Angeklagten gegen die Insinuation, als sei er geisteskrank oder in seinem Denken bezüglich der Judenfrage nicht normal. Der Gerichtshof beschließt, die Verhandlung zu vertagen und den Angeklagten sechs Wochen in der Charite beobachten zu lassen. Aus dem Bezirk Bühl, (Baden.) Am 11. Juni d. I. versammelten sich die Lehrer des Rabbinatsbezirks Bühl unter dem Vorsitzenden ihres hochgeehrten Herrn Bezirks-Rabbiner Dr. Mayer in der schönen Bäderstadt Baden-Baden zur diesjährigen Konferenz. Nach einer Begrüßungsansprache des Herrn Hofmann- Baden, und einigen geschäftlichen Bemerkungen des Herrn Vorsitzenden erhielt elfterer das Wort zu seinem Vortrage über „Vorschläge zur Erweckung des religiösen Gefühls bei der isr. Jugend." In schöner, schwungvoller Sprache schilderte der Vortragende die religiöse Gleichgültigkeit unserer Zeit g<.nz besonders unter der studierenden Jugend und sprach den Wunsch aus, daß die isr. Schüler der Mittelschulen und Gymnasien nicht nur im volksschulpflichtigen Alter, sondern auch analog den andern Konfessionen bis zu ihrer Entlassung Religionsunterricht erhalten sollten. (Ist zwar in Baden teilweise durchgeführt.) Ferner verlangt Referent, daß vom 12. Lebensjahr ab der Religionsunterricht sich hauptsächlich auf nachbiblische Geschichte und Sittenlehre beschränken solle. Dieser Antrag stieß aber bei der dem Vortrag folgenden Diskussion auf Widerspruch. Herr Dr. Mayer betonte hierbei ganz besonders, daß der Unterricht in der hebräischen Sprache, Uebersetzen der Gebote und des Pentateuchs, nicht nur nicht

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