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Der Israelit · 1893-06-22 · Heft 50 (22.6.1893) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 50 (22.6.1893)
Date
1893-06-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
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942 yjntt no 'bv ww non vo'y )nun uon 1T3» HOI „Wer seine Blicke richtet aus das, was ihm nicht zukommt, dem wird das, was er erstrebt, niemals gewährt, und das was er bereits besitzt, wird ihm genommen." So finden wir es bei der Schlange, welche die erste Sünde vermittelte, und ebenso bei Kajin, Korach, Bileam, Doög, Achitofel, Gechasi, Absalom, Adonijah, Usiahu, Haman, sie alle richteten ihre Blicke auf Dinge, die ihnen nicht zukamen, ohne sie zu erlangen, und das was sie bereits hatten, wurde ihnen genommen. Unsere Weisen zählen noch eine Reihe anderer Dinge auf, die geeignet sind den Menschen aus der Welt zu bringen. In den Sprüchen der Väter wurde schon die Mißgunst, die Leidenschaft, der Menschenhaß als solche bezeichnet. Ebenso Trägheit und Müßiggang, der Morgenschlaf, der Wein am Mittag, Stolz, Zorn und andere Laster. Neid, Lüsternheit und Ehrsucht, welche R. Eleasar Hakappar hier besonders hervorhebt, vereinigen jedoch alle sonst genannten Laster in sich, und unterscheiden sich auch in ihren verhängnißvollen Folgen wesentlich von allem, was sonst geeignet ist, den Untergang desjenigen herbeizuführen, der von ihnen beherrscht wird. Alle anderen Laster beherrschen den Menschen nicht unaufhörlich, sondern nur zeitweise, sobald sich die geeignete Veranlassung dazu bietet. Aber wer den drei hier aufgeführten Lastern verfallen ist, der ist kein Augenblick von ihnen frei. Der Stolze, der sich hochmüthtg aufbläht, mag sich wohl durch sein herausforderndes Wesen Feinde zuziehen, die ihm das Leben verleiden und ihn zu Fall bringen können. So lange es aber nicht dazu kommt, lebt er in selbstgefälligem Dünkel, ohne daß er ihn das Leben kostet. — Der Zornige steht nur zu gewissen Zeiten unter dem verderblichen Einfluß des Zornes. Sind diese vorüber, so sind es auch seine schlimmen Folgen. Es kann wohl Jemand im Zorne Dinge sprechen und Handlungen begehen, die nachhaltige, verhängnißvolle Folgen haben, aber so lange sich die Gelegenheit dazu nicht bietet, werden auch diese Folgen nicht eintreten. — Aehnlich verhält es sich bei allen anderen Leidenschaften mit Ausnahme der drei hier aufgezählten. Sie haben den zeitlichen Untergang und den ewigen zur Folge, sie mögen zur verhängnißvollen That führen oder brütend im Geist und Gemüth des von ihnen Besessenen walten- — Der Neid verzehrt den Körper und verkürzt das Leben. „Knochenfraß ist der Neid" (Spr. Sal. Cap. 14, V. 30.) „Den Thoren tödtet der Neid" (Hiob Cap. 8, V. 2.) Ebenso zehrt die Begierde nach allemjwas sich unter der Sonne alles erstreben läßt, an Mark und Bein. Die ewige Sehnsucht, das unbefriedigte Verlangen reibt Körper und Seele auf. „Ein Verlangen, dessen Befriedigung sich hinzieht, erzeugt Siechthum des Herzens, aber ein Baum des Lebens ist ein Wunsch, der sich erfüllt." (Spr. Sal. Cap. 13, V. 12.) Gleicht der erfüllte Wunsch einem Baum, der Leben spendet, so ist das unerfüllbare Begehren der Baum des Todes. Dasselbe ist bei dem Ehrsüchtigen der Fall. Wer nach Ehre hastet, von allen geehrt sein möchte, lebt beständig in Aufregung und Verdruß, wenn er sich nicht nach Wunsch geehrt sieht. In der geringfügigsten Sache findet er eine Ehrenkränkuug. Er geht fortwährend verbittert und gekränkt umher, weil er sich nicht im genügenden Besitze der materiellen Güter und der geistigen Vorzüge wähnt, die ihm die ersehnte Ehre sichern sollen. Es ließe sich das alles sogar bei Jemand denken, der ein Gelehrter der Thora ist, und sonst alle ihre Pflichten erfüllt. Sobald er durch Beseitigung dieser drei Todeskeime nicht Geist und Gemüth vervollkomment hat, so schützen ihn nicht Wissen, nicht Thoragelehrsamkeit und nicht sonstige gute Handlungen vor deren verhängnißschweren Consequenzen. Werden solche Gesinnungen aber gar zur That, verfolgt der Neidische das Opfer seines Neides, führt die lüsterne Begierde gar zur Uebertretung des von Gott Verbotenen, wird Jemand aus Ehrsucht zum Schmeichler und Heuchler, so ist er ausgemacht schlecht, und seine Schlechtigkeit muß naturgemäß dem Untergang zutreiben, dem alles Schlechte verfallen ist. Aber selbst wenn diese unglückseligen Impulse nur das Herz zerwühlen, in welchem sie sich etngenistet, ohne zur verantwortungsschweren That zu werden, so hat jede einzelne von ihnen die unheilvolle Kraft das Leben zu verkürzen und ein Hinsiechen des Herzens zu bewirken, das mit dem Tode enden muß. Diese drei Seelenkrankheiten haben ferner die Eigenthümlichkeit, daß es keine Heilung für sie giebt, — wie könnte auch der gelbe Neid eines scheelsüchtigen Menschen je befriedigt werden? Soll er den Himmel stürmen, um sich dort die Weisheit und die Vorzüge desjenigen zu holen, den er beneidet? Wenn die Körperkraft, die Ehre, das Glück eines anderen den Neid rege macht, wie könnte er seiner ledig werden? Und der begehrliche Lüsterne? Stirbt schon kein gewöhnlicher Mensch ohne auch nur die Hälfte seiner Wünsche verwirklicht zu sehen, wie sollte es dem gelingen, der seine Begierden aufstachelt und sie ins Maßlose steigert? Welches Mittel hätte auch der Ehrgeiziges in Händen, die Menschen zu der Ehre zu zwingen, die^sie ihm wer-

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