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Der Israelit · 1893-06-22 · Heft 50 (22.6.1893) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 50 (22.6.1893)
Date
1893-06-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXIV. ^iahrgürtg. " J^o ^0* Der Israelit. Ein Genlrak-Hrgan für das orlhodore IudenIHum. Begründet von Dr. Lehma«» in Mainz. Donnerstag, den SS Juni 5653 (1893). Da mit dem I.Juli 1893 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. In der $öft; zeitungsliste pro 1893 eingetragen unter Nr. 3SS4. Leitender Artikel. Sprüche der Wüter. Viertes Buch. LXXVII. Mainz, 21. Juni. j’N’xid ni33m muri.ii nwpn iviu ispn iiy>n '3i .□$>iyn p cnun riu Rabbi Eleasar Hak app a r sagt: „Der Neid, die Begierde und die Ehrsucht bringen den Menschen aus der Welt." Die Mahnung nicht auf den Krug sondern auf den Inhalt zu achten wird nirgends mehr verkannt und deren Nichtbeachtung rächt sich nirgends schwerer, als bei neidischen, lüsternen und ehrgeizigen Menschen. Neid ist das Mißvergnügen über die Wohlfahrt und Vorzüge anderer. Der Neid ist die Verschwisterung mehrer Untugenden zu einem Hauptlaster. Er setzt sich aus der Abscheulichkeit der ungenügsamen Habsucht, des Stolzes und der Menschenfeindlichkeit zusammen. Er lechzet nicht nur nach der Zerstörung fremden Glücks, er verwüstet auch die Lebensruhe dessen, in dessen Brust er sich eingenistet hat. Seine Kinder sind die Schadenfreude, die Ungerechtigkeit, die Heuchelei und der Haß. Neid ist Unzufriedenheit über Begünstigung und Vorzüge, die man nicht hat, und die man oft nicht einmal haben möchte; ein Streben sie dem zu rauben, der sie besitzt, um sie entweder sich selbst zuzueignen, oder auch nur sie an anderen zu zerstören, wenn man zu ihrem Besitz nicht gelangen kann. Es sind in der Regel aber nicht die edlen, höheren menschlichen Anliegen, welche den Gegenstand des Neides bilden. Diese höchsten Güter liegen nicht an der Oberfläche, sie ruhen tief im Herzen, wohin der neidische Blick nicht dringt, wofür er kein Verständniß und daher auch kein Verlangen hat. Der Neid hält sich an den Krug, nicht an den Inhalt. Wenn dieses maßlose Verlangen sich nicht auf Kosten anderer geltend macht, wenn es nur unersättlich strebt, zu besitz:n und zu genießen, \o ist es die Begierde, die den Menschen beherrscht, und den von ihr Beherrschten, der Wirklichkeit entrückt. Und selbst wer sein Verlangen nicht auf grobsinnliche GegrNstaudc richtet, u)a um die öffentliche Anerkennung buhlt, wer nach Ehre geizt, dem entzieht die Ehrsucht den Boden unter seinen Füßen und stößt ihn von der Welt, die er sich durch den Besitz und Genuß von Ehre dienstbar machen wollte. Die Geschichte und speziell unsere Geschichte ist reich an Belegen dafür, daß Neid, Genußsucht und Ehrsucht den Menschen um seine Welt bringen. Die Thora spricht diese Wahrheit gleich auf ihren ersten Blättern aus. Die erste Sünde, welche den ersten Menschen den Tod brachte, war Genußsucht. Genußsucht war es, welche das Geschlecht der Sündflnth so tief entartete, daß es das Dasein verwirkt hatte und die Entarteten von der Welt hinwegraffte. Der rrste Mord entsprang aus Neid und hatte das Ausstößen des Brudermörders aus Gottes Welt zur Folge. Ehrsucht war es endlich, welche die einheitlich verbundene Menschheit unter der Devise: uw i^ ntyyj wir wollen uns einen Namen machen, zu Himmelsstürmern machte und in ihre bis dahin ungetrübte Einheit einen Riß brachte, unter dem heute noch alle Völker und Staaten leiden und dessen vollständige Heilung erst für das Ende aller Zeiten verheißen ist. Unsere Weisen lehren im Talmudtraktat Sotah Fol. 9.:

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