Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 49 (19.6.1893)
- Date
- 1893-06-19
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXXIV. Jahrgang. Beilage zu M 49 des „Israelit". Leitender Artikel. Sprüche der Wüter. Viertes Buch. LXXVI. Mainz, 16. Juni. Ja nsiSn na'N ’Vaan ->eq w'x nt.t aa »dv »an irua y nrvffi rr.np oo:y ^oixb non wn no^ naopn ro^»a dojv ‘pd'.n? non «in na^> oapTn p na^rn .p» )" nmtfcn Rabbi Jose Sohn Jehuda's aus Kefar Babli sagt: Wer von jungen Leuten lernt, gleicht dem, der unreife Beeren ißt und Wein aus derKelter trinkt, wer von Alten lernt, gleicht dem, der reife Beeren ißt und alten Wein trinkt." So gewiß die Jugend die geeignetste Zeit zum Lernen ist. so gewiß ist das Alter die Zeit des Lehrens. Das ist für jede Lehre und Wissenschaft selbstverständlich, für die Wissenschaft der Thora muß es aber besonders betont werden. Gerade hier hätten wir voraussetzen sollen, falle der Altersunterschied des Lehrers nicht so wesentlich ins Gewicht. Die Thora mit ihren Satzungen sind uns als etwas Gegebenes, Fertiges gereicht worden, die also vom Vater auf den Sohn, vom Lehrer auf den Schüler nur weitergegeben werden soll. Wer sich daher den Inhalt der Thora angeeignet hat, kann ihn weitergeben; hierfür scheint somit das gereifte Alter kaum erforderlich. Würde es sich nur um Aneignung der Thora an und für sich handeln, so würden wir sie von Jedem lernen können. Das Gleichniß unseres Väterspruches veranschaulicht uns jedoch den wesentlichen Unterschied zwischen der Belehrung eines gereiften, erfahrenen und derjenigen eines jugendlichen, unerfahrenen Lehrers. Auch die unreife Traube ist eine Traube, auch der ungegohrene Wein ist Wein. Aber die unreife Traube mundet dem Geschmack nicht und ihr Genuß hat für den Körper Unzuträglichkeiten zur Folge. Der ungegohrene Wein hat dagegen einen süßen Geschmack, aber auch er ist dem Körper nicht zuträglich. Der unreifen Traube fehlt die sie zeitigende Sonne, dem ungegohrenen Wein geht die Klärung und Gährung ab, welche die unlauteren Bestandtheile ausscheidet und den reinen Wein zu Tage fördert. Die Art und Weise der Aneignung des Lehrstoffes hat mit dem Reifeprozeß der Traube und dem Klärungsprozeß des Weines vielfache Aehnlichkeit. Die Erfahrung des Lebens ist die Sonne, welche den unreifen Lernstoff erst zur Reife zeitigt, ihn genießbar und schmackhaft macht. Die unreife Jugend vermag nichts Gereiftes zu bieten. Gibt sie das, was sie zu bieten vermag, so wie es ist und wie sie es ausgenommen hat, so fehlt ihm Reiz und Geschmack, wie der unreifen Traube. Verarbeitet sie aber selbst den Lehrstoff in ihrer Weise, so vermag sie wohl ihm Geschmack zu verleihen, aber der geklärte Wein, der mit seinem Geist und Feuer Gott und Menschen erfreut, ist es nicht. Das, was im Laufe der Zeit naturgemäß zu Boden sinken würde, ist noch mit den edlen Bestandtheilen des Weines vermischt und beeinträchtigt seinen Werth. Erst das Alter, welches die Haare bleicht und den Körper schwächt, zeitigt die geistigen und sittlichen Errungenschaften der Jugend und bewirkt ihre Gährung, der aber dann auch die Klärung folgt, y aya Dyiu nnN y na ya "pn aniv o nan notm1? idid p:pa ittnna wn» p* bz m*?nna larE TatsnV dbid *pa Datt^na nnt? pi rrnn .rman ü'B’ -pwi neun a'w'V'a „Besser sind deine Freundschastsbezeugungen als Wein. (Hohes Lied, Cap. 1, V. 2.) Wie der Wein, den du kostest, zwar schon von vornherein den Geschmack des Weines hat, aber, je länger er im Behälter liegt, endlich um so besser wird, so werden auch die Worte der Thora, je älter sie im Körper werden, schließlich um so werthvoller, denn so ist es ausgesprochen: „Bei den Greisen ist Weis, heit, und die Dauer der Tage bringt Einsicht." (Sifre Ekeb.) 70 D'aan ’TB^n naiN pv ’ana Pyatcr ’an «an norsn D'ty’tpo -iojoip dhu nsD'ira naan pypTa» pr rottfBö p'piaw p* Va psr. nsyi runn a'v' ynsi .Dyai 0’:dn:^ nettf tdd nawff ona neoim „Rabbi Jsmael, der Sohn Rabbi Jose's sagt: Die Thoragelehrten, je älter sie werden, um so mehr nehmen sie an Weisheit zu, denn so ist es gesagt: Bei den Greisen ist Weisheit und die Dauer der Tage bringt Einsicht. Aber bei den Ungebildeten mehrt sich, je älter sie werden, die Thorheit, denn so ist es gesagt: Er entzieht die Sprache den Bewährten und das Verständniß der Alten nimmt er fort." (Talmud Sabbat, fol. 152.) Wie die Sonne am heißesten herniederstrahlt, wenn sie ihren Höhepunkt bereits überschritten hat und sich ihrem Untergang zuneigt, wie der Sommer nicht in der ersten, sondern in der letzten Hälfte den Früchten ihre Reife bringt, so strahlt auch der menschliche Geist am hellsten nicht in der lachenden, vollkräftigen Jugendzeit, sondern wenn die erste Hälfte der ihm beschiedenen siebenzig oder achtzig