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Der Israelit · 1893-06-19 · Heft 49 (19.6.1893) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 49 (19.6.1893)
Date
1893-06-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
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926 über gar zu freche, jüdische Herausforderungen sich wehrten," eifert die „Germania" weiter. So dankbar wir es auch anerkennen, uns unter die ersten zu rangiren, welche „die Schmach Deutschlands" mit aller Entschiedenheit bekämpfen, so würden wir gerne die Gelegenheiten und Veranlassungen kennen lernen, bet welchen wir uns unsere Lorbeeren und die Ungnade der „Germania" verdient haben. Damit uns die Germania nicht mißversteht, so verlangen wir ausdrücklich die Namhaftmachung einer frechen jüdischen Herausforderung und die Nummer und den Wortlaut des „Israelit" , in welcher die Abwehr einer solchen Herausforderung von uns als Judenhctze bezeichnet wurde. — Wenn sie diesen Beweis der Wahrheit nicht erbringen kann, so gehört sie an den Pranger, an dem alle Verleumder und Ehrabschneider stehen und wir haben dann weiter kein Wort über sie und ihre Lamentos zu verlieren. Da es lange dauern kann, bis sie eine solche Stelle im „Israelit" gefunden hat, so wollen wir sie aber bis dahin nicht über unseren Haß gegen das Christenthum im Unklaren lassen. Er existirt nicht. Selbst wenn — wovor Gott sei — die Lehren des Christenthums und die der Germania identisch wären, wenn es statt das Evangelium der Liebe zu predigen, dem Religions und Menschenhaß das Wort redete, wie es die Germania thut, so wüßten wir uns doch von jeder Spur eines Hasses gegen das Christenthum frei. Wir würden uns gegen die Grundprinzipien des orthodoxen Judenthums schwer versündigen, wenn selbst Gehässigkeiten, die Bekenner des Chrtstenthums gegen uns üben, eine Regung des Hasses bet uns entfachen würde. Wir wissen, daß das Christenthum die Menschenliebe und nicht den Menschenhaß vorschreibt, und wissen, daß, wenn fanatische Christen gegen uns in der Presse das Wort führen, daß wir nicht das Recht hätten, von einer christlichen Prcßfrechheit zu reden, da sie es nicht thun, weil, sondern obwohl sie Christen sind. Wir sind deßhalb sicher, daß der „Israelit" niemals eine Zeile enthalten hat, welche die verlogenste Kniffigkeit als Haß gegen das Christenthum deuten könnte, und wissen, daß dasfilbe auch bei allen jüdischen Zeitschriften der Fall ist, welcher religiöser Parteirichtnng sie auch angehören mögen. Das weiß übrigens die Germania und sie würde nicht unsere Aufforderung abgewartet haben, wenn sie eine einzige solche Aeußerung namhaft machen könnte. Uns ist das Christenthum die Tochterreligion des Judenthums. Warum sollte die Mutter mit Haß aus die Tochter blicken? Das Judenthum hat seinen Bekennern niemals als alleinseligmachende Religion gegolten. Seine Bibel lehrt die Menschen — nicht die Juden — als Ebenbild Gottes, und Gott als Vater aller Menschen begreifen, und diese Thatsache macht uns alle zu Brüdern. Wie könnten wir also gehässig und treulos gegen das Christenthum und seine Bekennerhandeln, ohne den Boden zu verleugnen, auf dem wir stehen? Wollten wir aber allen diese Erwägungen zum Trotz, weil uns im Laufe der Jahrtausende von einzelnen verblendeten Bekennern des Christenthums Gehässiges erwiesen wurde, dem Christenthume thörichter Weise deßhalb einen Haß auch nur im verborgensten Winkel unseres Herzens nachtragen und diesem Haß die Spalten unseres Blattes öffnen, so hätten wir uns damit bei dem großen Kreise unserer Leser geradezu unmöglich gemacht. Wir müßten einen solchen Haß ganz sorgfältig für uns behalten, denn im jüdischen Kreise hätte dasür Niemand ein Vcrständniß. Nicht erst die Germania, unsere eigenen, nächsten Gesinnungsgenossen würden mit Fingern auf uns und auf den klaffenden Zwiespalt mit dem orthodoxen Judenthum zeigen, den eine solche Denkweise bedeuten würde. Wir stehen auf dem Boden des Talmud, wir sind Talmud-Juden, und daher stolz auf die verfehmte Moral des Talmud, die wir so glücklich sind, die unsere zu nennen, wie könnten wir selbst Haß mit Haß erwiedern oder gar das Chriftenthuni hassen, ohne uns gegen unsere Talmud-Moral zu versündigen? „Alle Frommen der Völker der Welt, haben Antheil an der künftigen Welt." „Die sich beleidigen lassen, ohne wieder zu beleidigen, die ihre Beschämungen hören, ohne sie zu erwiedern, alles aus Liebe thun und mit den Schmerzen sich freuen, sind Freunde Gottes, so wie die Sonne, wenn sie aufgeht in ihrer Macht." „Man ernährt nichtjüdische Arme mit den jüdischen, man besucht nichtjüdische Kranke wie jüdische, man begräbt nichtjüdische Verstorbene gleich den jüdischen, um die Wege des Friedens zu wandeln." Wie könnte mit diesen und zahllosen anderen Sätzen der Talmudmoral, welche die Norm unseres Lebens bilden, sich Haß gegen das Christenthum und seine Bekenner vertragen? Wir sind daher auf den Nachweis unseres Hasses gegen das Christenthum sehr gespannt. — Einstweilen haben wir nur den innigen Wunsch, die „Germania" und ihre Gesinnungsgenossen mögen nicht mehr Judenhaß besitzen und bethätigen, als wir Christenhaß. — Dann ist Friede über Israel!

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