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Der Israelit · 1893-06-15 · Heft 48 (15.6.1893) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 48 (15.6.1893)
Date
1893-06-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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SIS „So eine Schlechtigkeit ist mir noch nicht vorgekommen! Was meinst Du, was der fromme Herr Ktrchenrechner soeben von mir wollte?" „Nun? ich kann schlecht rathen!" „Er wollte mir Wechsel verkaufen." „Vielleicht gar die gestohlenen?" „Nein, das wäre nicht so schlimm; aber falsche und gefälschte Wechsel wollte er mir aufhängen." „Nun, Du hast sie ja nicht gekauft; warum erregst Du Dich so?" „Weil es eine ganz bodenlose Gemeinheit und Niederträchtigkeit ist, mir so etwas zuzumuthen. Die Sache liegt anders. Du weißt, daß sich vor sechs Wochen der junge Müllerpeter nach einem Streit mit seinem Vater umgebracht hat. Der Alte ist sehr reich, aber ebenso geizig. Nun will der fromme Herr Rechner zwei Wechsel fabriziren, jeden im Betrag von achttausend Mark, fällig nach drei Wochen. Der Alte muß als Erbe seines Sohnes die Wechsel honoriren. Daß die Unterschrift gefälscht ist, kann Niemand beweisen, da der, deffen Unterschrift es ist, längst modert. Die Sache ist also soweit ganz ungefährlich und er hat mir die Hälfte des Wechselbetrags versprochen, wenn ich ihm die Unterschrift des Verstorbenen verschaffe. Er selbst will dafür sorgen, daß sie so wortgetreu unter dem Wechsel stehe, als ob der Peter es selbst geschrieben habe. Für mich wäre also keine Gefahr dabei, meint der Rechner und auf so leichte Weise seien achttausend Mark so rasch nicht wieder zu verdienen." „Nun, Du hast ihm doch die richtige Antwort gegeben?" „Nein, das habe ich nicht gethan. Vielleicht hat Gott mir ihn geschickt, um mir eine Waffe gegen meine Feinde in die Hand zu geben. Ich habe scheinbar eingewilligt." Rahel erschrack. „O, Vater," rief sie aus, „warum hast Du das gethan? Wcr sich in Gefahr begibt, geht dabei zu Grunde. Du weißt ja, daß man nur darauf wartet, etwas Unrechtes von Dir beweisen zu können, um Deinen Namen zu —" „Set beruhigt, meine Tochter; während der langen Zeit meines Lebens bin ich wissentlich noch nicht vom Pfade des strengen Rechts abgewichen; auch jetzt weiß ich, was ich zu thun habe." „Bleib' davon, Vater", flehte Rahel. „Laß' Deinen Namen nicht mit dem eines Fälschers zusammen genannt werden; verzichte auf eine Waffe, die das Unrecht schmiedet." „Ueberlasse Deinem Vater zu beurthetlen, was ihm frommt und was nicht." „Fern sei es von mir, Dir, lieber Vater, irgend welchen Rath geben zu wollen. Aber Du selbst hast schon oft gesagt, Frauen sähen in manchen Dingen schärfer als Männer und in dieser Sache ahnt mir Böses. Nicht wahr, Väterchen, Du bleibst davon? Mir zu Liebe, Deiner Rahel zu Liebe." Rahel war an den Vater herangetreten und hatte ihren Arm um seine Schulter gelegt. Bittend sah sie dem Vater in's Auge und diesem Blick konnte er nicht widerstehen. „Es ist der Blick der Mutter", dachte er erschauernd und sagte: „Ich will Deine Bitte erfüllen und davon bleiben; obschon ich mir eine gute Waffe dadurch entgehen lasse." „Dank, vielen Dank, mein Vater, Du gibst mir meine Ruhe wieder." (Fortsetzung folgt.) Die dritte Lieferung der Erzählung „Zur rechten Zeit" wird nächsten Montag beigelegt werden. Der ,J»raelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montag- und Donnerstag», jedermal in mindesten» zwei Bogen. Dreide» Jahrgang» für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'» Lurlaud 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganz- Ahrtg, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel M befiele» bei L. $■ Ktetnncker, Leipzig, Dohplatz 1». — Inserate 2b Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Rau«. — Oesterreichische Banknoten laut Cour». — Direete Franeozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland nnd Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 st. österr-, für'» Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco ein-ufenden. Ci« Rücksendung von an die Redactto« eingesandteu Manuskripte» findet nicht statt, «an bittet de-hald sich von allen Einsendungen eine Kopie znrückzndehalte«. Inhalt (Hanptbiatt): Leitender Artikel: Sprüche der Väter. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Gießen. AuS Westpreußen. Ratibor. Metz. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Preßburg. Munkacz. — England: London. — Rumänien: Bukarest. — Rußland. — Vermischtes. — Feuilleton: Die drei Kronen. Von H. Berger (Fortsetzung). Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Tragische Momente. Eine kurze Betrachtung zu mp 'ö. Von S. Andorn- Crefeld. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Friedberg. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — England: London. — Egypten: Alexandrien. Inhalt der Belletr. Beilage: Dr. Adolf Fischhof. — Aus Deutschlands großen Tagen. Von S. Steinberg. Inhalt der Extra Beilagen: Prospect des Bankhauses Max Schlesinger in Mainz, die Weimar-Lotterie betreffend. — Spenden-Verzeichnisse. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition deS »Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wtrth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschast in Mainz. Hierzu vier Beilage«.

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