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Der Israelit · 1893-06-12 · Heft 47 (12.6.1893) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 47 (12.6.1893)
Date
1893-06-12
Page
– (sequence 10)
Language
German
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898 Wird auch in Bezug auf Nichtisraeliten ausdrücklich als eine unredliche Handlung bezeichnet. 4) Unter Zugrundelegung des Bibelverses: „Du sollst den Edomiten nicht verabscheuen, denn dein Bruder ist er; du sollst den Mizri nicht verabscheuen, denn ein Fremdling warst du in seinem Lande", wird die humane Satzung ausgesprochen, daß die Pflicht der Dankbarkeit auch einem Nichtjuden gegenüber selbst dann noch bindend sei, wenn derselbe auch anderseitig wieder als Feind gegen uns gehandelt hätte. 5) Der große Gesetzeslehrer Abaji wandte oft den Spruch an: Dem Israeliten geziemt die Tugend der Gottesfurcht in vernünftiger Weise zu üben; er sei sanftmüthig, nachgiebig, freundlich und entgegenkommend gegen Jedermann, auch gegen Nicht-Israeliten. Ebenso werden uns zahlreiche Erzählungen humaner Friedensliebe im schriftlichen wie mündlichen Gesetz vorgeführt. Abraham, unser Stammvater, war es, der ohne Eigennützigkeit und Lohnsucht den König von Sodom rettete, für die Stadt betete und unbekannten Fremdlingen Aufnahme und Gastfreundschaft gewährte. Dem gefeierten Rabbi Jochanan ben Sakai wird nachgerühmt, daß ihm niemals der niedrigste Mensch mit seinem Gruß zuvorgekommen. Aus dieser Beweisführung erhellt, daß die Bibel, wie der Talmud hinsichtlich derjenigen Pflichten, welche im Humanttätsprinzip wurzeln, keinen Unterschied zwischen Glaubensbrüdern und andern Mitmenschen kennt. Ein anderer Vorwurf, womit der Talmud belästigt wird, lautet: Der Talmud erlaube den Juden nicht, Bürger eines nichtjüdischen Staates zu werden. Auf diese Beschuldigung, der ebenfalls jede Begründung und jeder Schein der Wahrheit mangelt, erwiedere ich, daß es hauptsächlich der Talmud ist, der, auf Grundlage des Bibelverses: Forschet nach dem Wohle der Stadt, wohin ich euch habe vertreiben lassen und betet für sie zum Herrn, denn ihr Wohl wird auch euer Wohl sein", uns auffordert, unser Vaterland zu lieben und dessen Wohl und Gedeihen nach besten Kräften zu fördern. Nach den Aussprüchen des Talmud find die Staatsoberhäupter, Fürsten, Könige und Kaiser die von Gott eingesetzten Herrscher, die unter besonderem göttlichen Schutze stehen, denen wir Ehrerbietung, Gehorsam, Treue und Anhänglichkeit schuldig und für die wir zu beten verpflichtet sind. Dem Juden war daher auch der bekannte Satz des großen Rechtslehrers Dina demalchusa dina alle Gesetze des Staates gewissenhaft zu erfüllen, zu allen Zeiten heilig. Hat er sich doch den drückendsten und schmähligsten Judengesetzen gefügt. Freilich, wenn man von ihm verlangte, sein Gottesgesetz zu verleugnen, dann zeigte, daß auch diese Unterwürfigkeit eine Grenze hat. Lieber ging der glaubenstreue und vaterlandsliebende Jude in den Tod, als daß er Verrath übte an seinem heiligen Glauben. Ich könnte noch manche Talmudstelle citiren, wie z. B. „Bete für das Wohl der Regierung, denn wäre nicht die Furcht von ihr, so würde einer den andern lebendig verschlingen" jedoch dürfte das Gesagte genügen, um auch die zweite Behauptung zu entkräften. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspoudeuzeu. Deutschland. Mainz, 4. Juni. Ein evangelischer Pastor Gustav Habermann, Pfarrer in Swinge im Harz hat eine Studie „Christenthum und Staat" veröffentlicht, in der der Antisemitismus der konservativen Partei einer scharfen Kritik unterzogen wird. Obgleich Pastor Habermann durch .'und durch conservativ ist, ist er mit der Wandlung, welche die Partei seit dem Tivolitage 1892 genommen hat, wenig zufrieden. Er meint: „Das Bild, das sich die Conservativen vom christlichen Staate machen, steht im graden Gegensätze zum Chriftenthum." (S. 24.) Er beklagt es, daß der Parteitag nicht solchen Fragen wie die der Prostitution näher getreten ist. Sonderbarerweise hat der Vorsitzende auf dem conservativen Parteitage die eingehende Erörterung dieser Frage mit der Begründung abgeschnitten, daß sie zu wenig mit dem Parteiprogramm zusammenhängt. Ja, was^soll denn der christliche Staat noch? Da scheint es doch bald, als ob das ganze Christenthum im Antisemitismus bestände." (S. 30.) So freien Geist die Broschüre des Pastors Habermann zeigt, so engherzig zeigt sie sich in der Behandlung der Judenfrage. Er wiederholt die alten Vorwürfe gegen den jüdischen Kapitalismus, gegen den jüdischen Güterschlächter und Wucherer, gegen die jüdische Presse u. s. f. Wie er aus dem Christenthum der Liebe, das er so bewegt zu predigen weiß, für den Antisemitismus „ein christliches Recht" ableiten will, ist uns nicht klar geworden. Berlin. (Eine Erinnerung aus dem Jahre 1840.) Ein vor vielen Jahren erschienenes Buch, „So sprach der König" betitelt, enthält die Reden, Proclamattonen, Toaste des Königs Friedrich Wilhelm IV. Unter den vielen Deputationen, welche der König nach seiner Thronbesteigung empfing, erschien auch am 17. Juli 1840 eine Deputation des Vorstandes der jüdischenffGemeinde von Berlin. Auf deren Ansprache erwiederte der König: „Mit Vergnügen habe Ich die schönen Worte

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