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Der Israelit · 1893-06-12 · Heft 47 (12.6.1893) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 47 (12.6.1893)
Date
1893-06-12
Page
– (sequence 11)
Language
German
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899 vernommen, die Sie, meine Herren, eben an mich gerichtet. Sie sollen bei mir gut aufgehoben sein. Bei dem Patriotismus, den die jüdischen Gemeinden Meines Staates und besonders die Berliner zeigen, läßt sich schon weiterbauen, und es soll, verlassen Sie sich darauf, weiter gebaut werden. Wenn der selige König das Werk, das er begonnen, nicht vollendete, wenn in einzelnen Provinzen die bürgerlichen Verhältnisse der jüdischen Unterthanen, wie z. B. in Posen, noch zurückstehen, so lag dies in Umständen, die man, ohne ungerecht zu sein, nicht beseitigen konnte. Doch freut es mich, daß, wie Ich höre, auch dort die Juden sich immer mehr der bürgerlichen Gleichstellung würdig machen. Meine Herren: Ich bin, glauben Sie es Mir, kein Anhänger der blinden Vorurtheile früherer Jahrhunderte!" Oe st er.-Ungar. Monarchie. Wien, 7. Juni. (Zur Angelegenheit Paulus Meyer.) Wie die „N. Fr. Pr." vernimmt, ist die wider Paulus Meyer und den Pfarrer D e ck e r t bei dem hiesigen Landesgertchte erhobene Ehrenbeleidigungs-Klage auch gegen den verantwortlichen Redacteur des „Vaterland" gerichtet, in welchem die Zuschrift Meyer's abgedruckt war. Die Klage beantragt zunächst die Einleitung einer Voruntersuchung, damit die Beschuldigten in der Lage seien, einen eventuellen Wahrheitsbeweis anzutreten. Ferner enthält die Eingabe den Vorbehalt der Kläger, noch andere Personen, deren Mitschuld an der Beleidigung sich etwa ergeben sollte, in die Anklage einzubeztehen. Bielitz (Oesterr. Schlesien). Anläßlich eines Besuches Seiner Eminenz Fürst Erzbischhof Cardinal Kopp aus Breslau in Bielitz machte demselben eine Deputation des hiesigen Cultusvorstandes unter Führung Sr. Ehrwürden des Herrn Dr. Horowitz seine Aufwartung, bei welcher Gelegenheit letzterer an den Cardinal eine Ansprache hielt, darauf der Herr Cardinal Folgendes erwtederte: „Sie haben mir zu viel Lobes gesagt, ich verdiene das nicht in solchem Maße. Ich danke Ihnen herzlichst für Ihre freundliche, mich sehr ehrende Begrüßung. Wir bauen ja auf demselben Boden und sind in gleicher Weise berufen, die Religiosität und Sittlichkeit unter den Menschen zu fördern. Ich freue mich ungemein, zu hören, daß hier Friede und Eintracht unter allen Confessionen herrscht, mein Bestreben wird es immer sein, für Frieden und Eintracht zu wirken." Weiter erkundigte sich Se. Eminenz, ob Rabbiner Dr. Horowitz noch Beziehungen zu Breslau habe, ob er den dortigen Prediger Dr. Gutmann kenne, und als Dr. Horowitz dies bejahte, bemerkte Se. Eminenz: „Das ist ein ausgezeichneter Mann, ich kenne ihn schon lange, denn wir sind beide aus Hildesheim." Mit den nochmaligen Versicherungen seines Dankes für die ihm zu Theil gewordene Begrüßung entließ sodann Se. Eminenz huldvollst die Deputation. Prag, 6. Juni. Die medizinische Fakultät der czechtschen Universität gab über Aufforderung des Kuttenberger Kreisgerichtes ein Gutachten ab, daß die Dienstmagd Havlin, deren Leiche die bekannten Koliner Juden-Exceffe hervorrief, den Tod durch Ertrinken gefunden hat und daß keine Spur einer gewaltthätigen Einwirkung von fremder Hand zu konstatiren war, so daß die Frage eines Ritual - mordes a limine abgewiesen werden mußte. England. London. Man ist hier gegenwärtig mit der Bildung eines Vereins beschäftigt, der daS Ziel verfolgt, einen Plan des berühmten Rabbi I i s r o e l Salanter s. A. auszuführen, welchen dieser große Mann am Ende seiner irdischen Laufbahn mit seinen Schülern besprochen und welchen er, selbst in das Werk zu setzen, nur durch sein Hinschetden verhindert wurde. Die provisorischen Schriftführer dieses Vereins, unter denen sich ein großer Rabbiner aus Rußland befindet, werden in kurzer Zeit von London aus einen Aufruf an die bedeutendsten Rabbiner und Talmudisten der Gegenwart ergehen lasten, damit sich diejenigen zur Mitarbeit melden, welche einen kleinen Theil des Talmnd, dessen Wahl sie selbst bestimmen, etwa 30 Folioblätter so in hebräischer Sprache commentiren wollen, daß mit Hilfe deS Commentares auch Anfänger durch Selbststudium ohne Hilfe eines Lehrers sich zum gründlichen Verständniß des Talmud befähigt machen können. Es wird diese Arbeit auch für alle Gelehrten des Talmud von großem Nutzen sein, denn es wird vorausgesetzt, daß die Herren dieses kleine Gebiet von ca. 30 Folioblättern mit einer Gründlichkeit und Tiefe sich zu eigen machen, die es ermöglicht, daß sie für dies Pensum eine ausnahmsweise Autorität beanspruchen und die Resultate dieses Studiums in klarster Weise ganz Israel zur Verfügung stellen können. Vor dem Drucke wird jeder dieser Beiträge den größten der jetzt lebenden Autoritäten und anerkannten Rabbinen zur Revision und Begutachttmg vorgelegt werden. Die Kosten des Honorars für die ca. hundert Mitarbeiter, sowie die Kosten der Fertigstellung dieses collossalen Werks werden beträchtlich sein und rechnet man auf die Opefrwilligkeit der Glaubensgenossen aller Länder. Die obigen Verein betreffenden Einzelheiten werden demnächst veröffentlicht werden. > Vermischtes. Brün«, 28. Mai. Die Brünner Tagesblätter brachten anfangs dieses Monates eine Begebenheit, bei welcher ein Glaubensgenosse mit Hintansetzung seines eigenen Levens einen Christen vom sicheren Tode gerettet hatte: Am 3. d. befanden sich in der Station Pausra« zahl-

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