Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 47 (12.6.1893)
- Date
- 1893-06-12
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2448315-2448360--36519-2484550- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
896 Vergeblich suchte sich Dr. Z. aus den Händen des Taglöhners zu befreien. Es war ein lautloses Ringen. Dr. Z. war ein kräftiger Mann, der sich seines Gegners wohl zu erwehren vermocht hätte, wenn dieser Gegner nicht der wilde Klaus gewesen wäre, dessen Riesenkraft durch die Wuth noch verzehnfacht wurde. „Zerre nur, mein Bürschchen", rief er ihm höhnisch zu; „wenn Dein Arm nicht ausreißt, wirst wohl hier bleiben müssen. Nun, sag' mir, warum hast Du meiner Tochter Dein Wort nicht gehalten?" „Geh' zum Teufel mit Deiner Tochter; ich kenne sie nicht." „Nicht? Nun, so hast Du sie doch gekannt und daß Du an den Vater nicht vergißt, will ich Dir 'nen Denkzettel geben." Bei diesen Worten führte er einen Schlag mit der Faust in das Gesicht seines Gegners, daß diesem das Blut in Strömen aus Mund und Nase rann. Dieser Schlag kam so unverhofft, daß Dr. Z. ihn nicht pariren konnte und nun, da Klaus Blut sah, wurde es dunkel vor seinen Augen. Er sah nicht mehr, wohin er schlug; wie ein eiserner Hammer fuhr die Faust auf den Gegner, der unter der Wucht der Schläge zusammengebrocheu war. Klaus hielt noch immer nicht ein. Als ob er ein Stück Eisen hämmere, so schlug er darauf los, und erst als er Stimmen in der Nähe vernahm, ließ er von seinem bewußtlos daliegenden Opfer ab und entfernte sich eilig. Während dieses sich im Walde zutrug, war es in dem Gasthause immer gemüthlicher geworden. Bald sprachen die Geister des Bieres und des Branntweins aus den Worten der Antisemiten und die Abwesenheit des Hauptführers blieb unbemerkt. Nur dem Müller fiel es auf, daß Dr. Z. sich so bald entfernt habe und als er. da er gar nicht wtederkehrte, besorgt nach diesem fragte, beruhigte man ihn, ja man lächelte über seine Sorge in Anbetracht so manch galanten Abenteuers, welches, wie man wußte, Dr. Z. auf seinen Geschäfts- resp. Agitationsreisen schon bestanden hatte. Das Gelage und die Hetzereien nahmen ihren ungestörten Fortgang. Erst als spät am Abend die Zeit heranrückte, wo man an den Aufbruch denken mußte und Dr. Z. immer noch nicht da war, wollten einige Mitglieder des antisemitischen Generalstabes ihren Führer suchen, aber sie wurden überstimmt und so reiste man ohne Dr. Z. ab. Die antisemitische Versammlung hatte den Erfolg gehabt, daß einige zwanzig Bauern dem „teutschen Bauernverein" beitraten, ihre Beiträge zahlten und sich verbindlich machten, weder etwas von Juden zu kaufen, noch etwas an dieselben zu verkaufen. Daß sie sich damit selbst am meisten schadeten, das sahen sie erst später ein. Vorerst waren und blieben sie eifrige Antisemiten. _(Fortsetzung folgt.)_ Wochen - Kalender. Mittwoch, 14. Juni, 30. Siwan. n"V? 'N Dl’ Donnerstag, 15. Juni, l. Thamus. n"n '3 Dl’ Freitag, 16. Juni, 2. Thamus. Sabbat-Anfang in Mainz 8 Uhr — Min. (M. E. Z.) Samstag, 17. Juni, 3. Thamus. '3 'N 'D ,mp Sabbat-Ausgang in Mainz 9 Uhr 40 Min. (Ll. E. Z.) Der Neumond tritt Mittwoch Vormittag um 11 Uhr 22*/, Min. ein. Bemerkung. Seit der Einführung der M. E. Z. in Deutschland ist 12 Uhr 30 Min. an den meisten Orten nicht mehr der Beginn des für viele religiöse Vorschriften gültigen Nachmittags, daher z. B. das niUD Gebet und das Gebet des pp -PO3 Dl’ auf einen andern Zeitpunkt festzustellen und das Fasten während eines halben Tages je nach der Lage des Orts früher oder später zu beenden ist. In Mainz z. B., wo die Uhr um 27 Min. vorgerückt wurde, darf man erst um 12 Uhr 57 Min. nnJD beten Der .JSraeltt* erscheint wöchentlich zweimal, Montag-und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis der Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 13 Reichs-Mark, für'S Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel 1» btptfttt bei L. $. Ktrinacker, Leipzig, Doßplatz IS. — Inserate 35 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für'S Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine Rücksendung vo« an die Redaetio« eingefandten Manuscripten findet nicht statt, «an bittet deshalb sich vo» allen Einsendungen eine Kopie zurürkznbehalte«. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Sprüche der Väter. — Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Berlin. AuS Württemberg. Nürnberg. Nordhausen. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — England: London. — Vermischtes. — Feuilleton: Die drei Kronen. Von H. Berger (Fortsetzung). Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Einige aufklärende Worte über den Talmud. Von I. Eisenmann, Gailingen. — Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Bielitz. Prag. — England: London. — Vermischtes. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „JSraelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag d?r Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu eine Beilage.