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Der Israelit · 1893-06-12 · Heft 47 (12.6.1893) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 47 (12.6.1893)
Date
1893-06-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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893 nach jeder Seite hin üben, soll die Aufgabe dieses Centralorgans sein! Nach dem Vorschlag einzelner Interessenten sollte eine täglich erscheinende Zeitung begründet werden. Da aber diesem Project gewisse Schwierigkeiten entgegen stehen, so wird vorerst, die über alle confessionelle Parteien stehende „Neue Standarte" diese Aufgabe zu erfüllen suchen. Aus Württemberg. (Wegen Raummangel verspätet.) Wie herrlich die Keime der württembergischen Reformen auf relig. Gebet hervorsprießen, zeigt nachstehender Akt, der einzig in den Annalen des Judenthums zu finden sein dürfte und der zugleich die Gründer und Vertreter dieser Richtung um ein Beträchtliches ihres Einkommens schmälert — aber was man säet, muß man auch ernten. In dem bekannten Orte Buttenhausen wurde am mjn» my na», also am 20. Mai, eine — jüdische Hochzeit gefeiert und zwar in einem jüdischen Gasthof ohne religiöse Trauung. Durch derartige Dinge wird das Ansehen des Judenthums nur immer mehr geschmälert und die Zahl der Feinde desselben immer größer. Denn jeder denkende Andersgläubige muß sich die Frage aufwerfen: Was suspendirt denn diese Klasse von Leuten von den Geboten der Bibel, während Andere mit einem wahren Eifer den Geboten ihres Gottes Folge leisten? Es ist nur zu bedauern, daß wenn, wie dies in jüngster Zeit geschehen, die Antisemiten den Reformjuden auf den Leib rücken, der Schuldige mit dem Unschuldigen büßen muß und das echte und wahre Judenthum auch darunter leidet. Nürnberg. Der hiesige Thierschutz-Verein hat kürzlich seinen Rechenschaftsbericht für das laufende Jahr veröffentlicht, der viele, interessante Daten und Notizen enthält. Besonders wohlthuend berührt der Umstand, daß unsere Glaubensgenossen ein sehr ansehnliches Contingent zur Mitgliederzahl des Vereins stellen und sich auch durch Legat und für den Verein auszeichnen. Zu den Ausschußmitgliedern des Vorstandes zählt auch unser Herr Rabbiner. Ueber die Stellung des Vereins zum Schächten enthält der Bericht folgenden Passus: Aus Anregung eines Mitglieds wurde vom geschäftsleitenden Ausschuß neuerlich die Frage in Berathung genommen, ob in Sachen des Schächtens von Seiten des Vereins etwas gethan werden soll. Unleugbar ist, daß bei den Vorbereitungen zum Schächten da und dort Thierquälerei mit unterläuft, die füglich unterbleiben sollte und könnte; anderseits darf nicht unbeachtet bleiben, daß die Tödtungsart des Schächtens, von der religiösen Seite ganz abgesehen, seitens der berufenen Sachverständigen als eine keineswegs qualvolle, vielmehr leicht, erklärt wird, und daß durch zweckentsprechende Einrichtungen in den Schlachthäusern Quälereien vermieden werden können. Es find zumal in dem hiesigen neuen Schlachthause wesentlich verbefferte mechanische Vorrichtungen zum sogenannten Werfen der Thiere geschaffen worden und stehen noch weitere Verbesserungen in Aussicht, deren Kosten die israelitische Kultusgemeinde zu übernehmen sich bereit erklärt hat. Auch fehlt es nicht an stetiger Aufsicht bei der Vornahme von Schlachtungen. Der geschäftsleitende Ausschuß hält bei dieser Sachlage es für gerechtfertigt, auf seinem früher schon präzisirten Standpunkt zu verbleiben, wonach der Thierschutzverein nicht berufen sei, eine prinzipielle Stellung gegen das Schächten als solches zu nehmen, daß es jedoch stets eine Aufgabe bleibt, ernstlich darüber zu wachen, daß bei diesem Tödtungsakt nicht rücksichtslos und in quälerischer Weise vorgegangen werden, und daß er im Falle erwiesener Vergehungen mit Strafanzeigen gegen die Schuldigen einschreite. Es ist ja erklärlich, daß bei dem Wiederstand des Schlachtthteres manches nicht umgangen werden kann, was das Auge und Gefühl eines empfindsamen Menschen unlieb berührt, aber man darf deßwegen noch nicht gleich von Thierquälerei reden. Uebrigens ist es unter allen Umständen nur mit Freude zu begrüßen, wenn vielleicht durch einen Spezial-Apparat mit entsprechendem Mechanismus noch etwas zweckmäßigeres geschaffen werden könnte. Das Modell eines derartigen Apparats hat Herr Distrikts-Thierarzt I. Schmid in Lauf hergestellt und der Thierschutzverein verfolgt mit Interesse die Ausführung des Apparates in der nöthigen Größe und praktische Erprobung im Schlachthof. Wenn letztere geschehen und von den Sachverständigen befürwortend beurtheilt sein wird, will der Verein der Sache näher treten und nach Möglichkeit für die Benützung dieser Vorrichtung bei allen Schlachtungen seinen Einfluß geltend machen. Nordhausen, 6. Juni. In der neulichen Wahlversammlung, in der die konservative Partei nebst den Agrariern unseres Wahlkreises der antisemitischen Kandidatur des Rittergutsbesitzers Rittmeister a. D. Kruse beitraten, hatte der hiesige Gymnasial-Professor Dr. Anz im Namen der hiesigen nationalltberalen Partei gleichfalls Beitritt zu der Kandidatur Kruse erklärt. Jetzt erläßt Herr Anz in dem Amtsblatt eine Erklärung, worin er sagt, die Nationalliberalen seien blos deshalb für die Kandidatur Kruse etngetreten, weil sie es für ihre Pflicht hielten, auf diese Weife die Regierung in Sachen der Militärvorlage zu unterstützen. Im Uebrigen werde von ihnen das pöbelhafte Auftreten des hiesigen antisemitischen Organs gegen das Judenthum und dessen Ausnutzung zum Stimmenfänge nach wie vor auf das Tiefste beklagt. Die

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