Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 46 (8.6.1893)
- Date
- 1893-06-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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869 8) der Etat der Synagogengemeinde für die Verwaltungsjahre 1893/96, 9) ein Plan der Stadt Posen und das Adreßbuch der Stadt Posen, 10) der Vcrwaltungsbericht der Stadtgemeinde Posen für 1891/92, 11) je ein Exemplar der hier erscheinenden 3 deutschen Zeitungen: Pos. Ztg., Pos. Tageblatt und Pos. Morgen-Zeitung und der polnischen Zeitung Driennik Posnanski vom 31. Mat 1893, 12) 1 Exemplar der in Deutschland erscheinenden 5 jüdischen Zeitschriften : „Allg. Zeitung des Judenthums", „Israelit", „Jüdische Presse", „Israelitische Wochenschrift", „Jeschurun", und endlich je ein Stück sämmtlicher gangbaren Münzen des deutschen Reiches, zusammen 14 Stück, in den zur Einfügung in den Grundstein bestimmten kupfernen Behälter gelegt und der letztere verlöthet, worauf die hierzu berufenen Herren Moritz Rohr, Dr. Feilchenfeld, Dr. Bloch, Justizrath Orgler, Stadtverordneten-Vorsteher, Samuel Schoenlauk, Dr. Ludwig Friedländer, Rechtsanwalt Salz, Länder, Moeglin und Architekt Kindler unter Verlautbarung sinnvoller Sprüche die üblichen Hammerschläge abgaben. — Die Schlußwciherede hielt der Rabbiner der israel. Brüder-Gemeinde Herr Dr. Bloch. Derselbe hob die denkwürdige Thatsache hervor, daß genau vor 900 Jahren — im Jahre 1593 — gleichfalls der Grundstein zum Bau eines jüdischen Hospitals gelegt wurde, welches im Jahre 1803 abdrannte, und führte ferner in vortrefflicher Weise aus, wie die von Herrn Moritz Rohr im Andenken an seine verewigten Eltern begründete Stiftung des Krankenhauses das Wort des Propheten Maleachi erfülle. Ein Gebet des Herrn Dr. Bloch für den Landesherrn, sowie für das Gedeihen des Baues schloß die wahrhaft erhebende Feier. Magdeburg, 29. Mai. Bei der heutigen Einweihung der städtischen Schlacht- und Viehofsanlagen — die beiläufig gesagt 4 Millionen Mk. kosten —, zu der die Spitzen der städtischen und königl. Behörden von Magdeburg geladen waren, an der auch der Oberprästdent der Provinz Sachsen, der Regierungspräsident, Landgerichtsdirektor, Polizeipräsident, Magistrat und Stadtverordnete in corpore anwohnten, fand nach der Eröffnungsrede des Bürgermeisters und der Besichtigung der großartigen Anlagen auch ein Probeschlachten von Groß- und Kleinvieh statt. Nachdem drei Rinder nach vorangegangener Betäubung mit der Bouterole getödtet waren, lud Herr Rabbiner Dr. Rahmer die illustre Versammlung ein, dem Schächtakt nach jüdischen Ritus, vom Schächter Gelbart ausgeführt, beizuwohnen. Obwohl die Gesellen mit den neuen Vorrichtungen des Nkederlegens des Rindes, welches durch breite, an einer Winde befestigte Bauchgürtel, mit welchem es in die Höhe gezogen und aus die Seite gelegt wird, noch nicht eingeübt waren, so ergab doch ein Vergleich des Zeitaufwandes, daß, während bei den betäubten Thieren 8—10 Minuten vergingen, bis der Tod eintrat, beim rituel geschlachteten vom Halsschnttt bis zur vollständigen Vlutentleerung und damit eingetretenen Tod kaum 5 Minuten vergangen waren. — Auf die Erfindung einer noch praktischeren Methode des Niederwerfens müßte von den jüdischen Gemeinden ein Preis ausgeschrieben werden. (Jsr. Wochenschrift.) Dresden, 1. Juni. Ein großes Vermächtnitz im Gesammtbetrage von fast einer Million Mark ist kürzlich der hiesigen jüdischen Gemeinde durch das Testament der unlängst verstorbenen Wittwe Schie zugesallen. Von der Erbschaft sollen 600,000 Mk. zu wohlthätigen Zwecken und 240,000 Mk. zum Neubau einer Synagoge verwendet werden. Die vor reichlich 50 Jahren errichtete alte Synagoge, ein Werk Semper's, genügte schon lange nicht mehr den Zwecken der jüdischen Gemeinde. Leipzig, 1. Juni. In der antisemitischen „N. Deutschen Ztg." erläßt Dr. Erwin Bauer an leitender Stelle eine geharnischte Erklärung gegen Ahlwardt, welcher vor Kurzem behauptet hatte, Bauer habe Gelder, welche für den Ahlwardtfonds, sowie für die antisemitische Wahlagitation bestimmt gewesen, dieser ihrer Bestimmung vorenthalten. Bauer erklärt die Behauptung Ahlwardts für „ebenso unwahr als unehrlich". Er führt aus, daß von den für die Familie Ahlwardt gesammelten Geldern eine erste Rate von 150 Mark an Frau Ahlwardt abgesandt worden sei. Die weiteren Sendungen seien auf Verlangen von hierzu berechtigt erscheinenden Persönlichkeiten so lange aufgeschoben, bis Ahlwardt wieder frei sei. Ahlwardt ist aber doch bereits seit länger als drei Monaten frei. Seltsam, in der That. sehr seltsam! Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Der vom Wetnhauser Pfarrer Deckert im „Vaterland" veröffentlichte Brief des Convertiten Paulus Meyer begann die Schilderung eines „Ritualmordes", dem Letzterer betgewohnt haben wollte, mit den Worten: „Es war im Jahre 1875, als ich nach Ostrowo, Gouvernement Lublin (Ruffisch- Polen), gebracht wurde zu dem chasstdischen Rabbi (Zaddick, Wunderrabbi) Jehoschua. Sohn des Rabbi Schlome Lch in Lentschna." Es gibt im Gouvernement Lublin kein Ostrowo, wohl aber gehörte früher zu demselben das jetzt in das Gouvernement Siedlec etnverleibte Städtchen Ostrow. Dort lebte auch vor Jahren der Rabbi Jehoschua, Sohn des