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Der Israelit · 1893-06-08 · Heft 46 (8.6.1893) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 46 (8.6.1893)
Date
1893-06-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
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ung unserer jüdischen Mitbürger zu unternehmen begonnen hat." Was wird Herr Stroh, der Kandidat der „bethörten Partei", jetzt thun? pStr glauben, für ihn werden die Thoren in dem Lager sein, das einem Konservativen in der sicheren Annahme, er werde gegen den Antisemitismus Front machen, seine Stimme zuwendet. Berlin. Es war bisher schon allgemein angenommen und eigentlich nach den Traditionen unserer Verwaltung auch selbstverständlich, daß z. B. für die Anstellung von Gerichtsassessoren zur größern Bequemlichkeit der maßgebenden Personen eine Lifte der jüdischen Anstellungsberechtigten neben der christlichen Liste angefertigt war. Das, wie gesagt, wäre nicht auffälig. Aber nun hört man, daß daneben noch eine dritte Liste existirt und zwar derer, die im Judenthum geboren und später zum Christenthum übergetreten sind. Das ist jedenfalls ein Symptom unserer Zeit. Posen, 4. Juni. Ein für die hiesige jüdische Gemeinde denkwürdiger Akt ist am 31. v. M. vom Vorstande derselben in Gegenwart der Gemeinde- Vertreter und etwa 80 eingeladenen Mitgliedern der Gemeinde vollzogen worden und zwar die Feier der Grundsteinlegung zum Bau des von dem gleichfalls anwesenden Herrn Moritz Rohr aus Berlin vermittelst einer Dotation von 600,000 Mark begründeten Jüdischen Kranken- und Siechenhauses Abraham und Henriette Rohr'sche Stiftung. In einer parkartigen Umgebung, in unmittelbarer Nähe der Stadt — vor dem Königsthor — soll ein stattlicher Gebäude-Komplex als Kranken- und Siechenhaus sicherheben und zumOctober 1894 fertiggeftellt sein mit allen Einrichtungen, welche die moderne Technik und die Fortschritte der Hygiene sowohl, als auch die strenge Rücksichtnahme auf die religionsgesetzlichen Bestimmungen fordern. Das Bauprojekt ist von dem in der Errichtung von Krankenanstalten als hervorragend befähigt anerkannten Herrn Baurath Schmieden zu Berlin entworfen worden und gewährleistet größte Zweckmäßigkeit, sowie formschöne Gestaltung. Die Feier wurde mit der Weiherede des Gemeinde-Rabbiners Herrn Dr. F e i l ch e n s e l d eröffnet. Der Genannte führte in vortrefflicher und tiefempfundener Weise aus, daß die Menschenliebe ihre echte und rechte Wirkung nur erlange durch Gottesfurcht. Indem die Eltern die Herzen der Kinder mit Gottesfurcht erfüllen, rufen sie in ihnen jene Empfindungen wach, welche zu den Wegen des Guten und Idealen führen. Gottesfurcht bilde den Grundstein zu der in der Errichtung begriffenen Anstalt, welche von dem hochherzigen Stifter ausdrücklich im Andenken an seine verewigten Eltern, Abraham und Henriette Rohr begründet worden ist. — Hierauf hielt der Vorsitzende bc§2^BorftanbcS der Synagogen-Gemeinde, Herr S a m u e l^S chönlank, eine Ansprache, in welcher derselbe dem edlen Stifter Herrn Moritz Rohr den tiefgefühlten Dank der Gemeinde für die Stiftung und deren reiche Dotirung darbrachte und hiermit einen Bericht über die finanzielle Lage der Stiftung, sowie einen Rückblick auf die Geschichte^derselben bis zum heutigen Tage verband. Auch feierte Herr Schönlank die im Andenken an verstorbene Angehörige geübte Pietät, welche so häufig den Anlaß zur Errichtung milder Stiftungen bietet, als den Ausgangspunkt auch dieser Stlstung und zollte Worte größter Anerkennung dem zur Errichtung des Kranken- und Siechenhauses eingesetzten Comits, dessen Vorsitzender Herr Rechtsanwalt Salz ist, sowie der bauleitenden Kommission, deren Vorsitzender der Fabrikbesitzer und Stadtverordnete Herr Moritz Victor ist. — Demnächst nahm Herr Dr. med. Ludwig Friedländer, Vorsitzender der Repräsentanten- Versammlnng, das Wort, indem derselbe auf das mosaische Gebot der Wohlthätigkeit als Pflicht der Begüterten Behufs möglichsten Ausgleichs der Besitzunterschiede, sowie auf die Bedeutung htnwies, welche eine Krankenanstalt für die hiesige jüdische Gemeinde habe. — Alsdann folgte eine Ansprache des in Vertretung des Herrn Baurath Schmieden mit der Leitung des Baues betrauten Herrn Regierungsbaumeister L a u b e r hier, welcher für sich, sowie für den mit der Bauausführung beauftragten Maurer- und Zimmermeister Herrn Moegeltn hier die Versicherung abgab, ihrerseits in technischer Beziehung das Möglichste zu leisten, damit der Bau tadellos hergestellt werde. — Hierauf wurden die nachstehend aufgeführten Urkunden rc. 2c. 1) eine Abschrift der Schenkungsurkunde des Herrn Moritz Rohr nebst den dazu gehörigen landesherrlichen Genehmigungen, 2) Verzeichniß der Mitglieder der Verwaltungsbehörden und der Fachkommissionen, 3) Abrechnung über den Veretnsbestand des Jüdischen Kranken- und Siechenhauses und Verzeichniß der Zusatz-Stiftungen, 4) Statut der Synagogengemeinde, Geschäftsordnung der Repräsentanten-Versammlung und Statuten einzelner hiesiger jüd. Vereine, 5) Abschrift der Verträge mit den Herren Moegelin und Lauber, 6) die für die Bauausführung festgestellten allgemeinen und losen Bedingungen, die Kostenanschläge und 5 Blatt Bauzeichnungen, 7) die für die bauleitende Kommission festgestellte Jnstruttion,

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