Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 45 (5.6.1893)
- Date
- 1893-06-05
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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858 Kreis gerichtet, aber mit der Bestimmung Erbtheil der ganzen Menschheit zu werden. Das Judenthum als solches sollte keine Weltreligion werden, aber es sollte die Saat für die Erkenntniß Gottes und für die Pflege des allgemeinen Menschenthums in die Welt streuen. So ist aus dem Judenthum heraus das Christenthum geboren, um mit den jüdischen Gesetzen der Humanität die Welt zu erobern, ohne daß das Judenthum mit seinen Einzelbesttmmungen für den kleinen Kreis seiner Bekenner seine Geltung verloren hätte. Im übrigen sei die schön geschriebene, aus warmem Herzen kommende Schrift jedem Gebildeten empfohlen. — Einem wirklichen Bedürfniß nach einem guten Schinrim-Werke genügt das Unternehmen des Rabb. Dr. I. Gold.sckmidt, welcher unter dem Titel „Morijah" eine Sammlung für Schiurim geeignete Vorträge herausgibt (Frankfurt a. M. Kauffmann.) Schiurim, Vorträge für Sabbat und Feiertage, wie sie in Vereinen oder kleinen Gemeinden üblich sind, müssen besonders anziehend und belehrend sein, und da ist der Verf. auf die glückliche Idee gekommen, für derartige Vorträge die Schrifterklärungen des R. Jacob aus Dubno, der unter der Bezeichnung des „Dubnoer Maggtd" weltberühmt ist, zeitgemäß mit Auswahl uud in kleinen Abschnitten zu bearbeiten, und zwar zu dem verwandten hebräischen Text die Uebersetzung zu geben. Kenner der hebräi- Literatur stimmen ja überein in dem Lob der Erklärungen jenes großen Mannes, seiner scharfsinnigen Versdeutungen und besonders seiner herzerfreuenden, von Witz und Geistesschärfe erfüllten Gleichnisse, die er zur Verlebendigung seiner Erklärungen, zur Lösung von Schwierigkeiten und scheinbaren Widersprüchen in erstaunenswerther Menge erdichtet hat. Das vorliegende Heft behandelt die Feste NOS und nyor und die Abschnitte von -idm bis 12122. Die Auswahl ist eine recht glückliche, die einzelnen Vorträge sind nicht überladen und leiden nicht an ermüdender Länge, die Uebersetzung ist klar und ansprechend. Das Werk wird in Vierteljahrsheften ausgegeben und bildet so eine erfreuliche Vermehrung der periodischen Literatur. Diesem Vierteljahrsheft sind bereits einige Wochenblätter, die in oben mitgetheilter Weise den Wochenabschnitt behandelten, gleichsam als Versuchsballons vorangegangen, die gute Aufnahme, welche dieselben, namentlich in Lehrerkreisen, fanden, haben den Verf. bewogen der Vterteljahrschrift, die mit der Zeit wohl auch andere Erklärer und jüdische Prediger, wie z. B. R. Esaria Figo, der für die früheren Einzelblätter bereits Material geliefert hat, berücksichtigen wird. Das Unternehmen sei hiermit warm empfohlen. Zeitnngsnachrichteu uud Correspoudeuzcu. Deutschland. Wetzlar, im Mai. Bei dem vor Kurzem hier stattgehabten Konzert des „Musikalischen Vereins,, zum Besten der Hörbacher Abgebrannten wirkte u. a. auch der hiesige israelitische Cantor, Herr Regensbur ge r , mit. Der geschulte angenehme Bariton erzielte bei dem größstenteils christlichen Publikum geradezu stürmischen Beifall, der besonders auch in der hiesigen Lokalpresse zum Ausdruck gelangte. D. K. Königsberg, 30. Mai. Als der Kaiser am Donnerstag Abend zur Jagd fuhr, bemerkte er den Spediteur A. Behrend aus Christburg, der sich unweit des Schlosses aufgestellt hatte, und sprach mit ihm. B. hat, als unser Kaiser noch Compagniechef des 1. Garderegiments zu Fuß war, bei dessen Compagnie als Flügelmann gestanden und ist bet den Jagdausflügen des Kaisers nach Prötelwitz schon mehrfach durch Ansprachen ausgezeichnet worden. Auch diesmal fragte der Kaiser den B., wie es ihm gehe, und als derselbe erwähnte, es sei sein großer Wunsch, die Spedition bei der neu zu eröffnenden Eisenbahnlinie Marienburg-Chrlftburg zu erhalten, trug der Kaiser seinem Adjutanten auf, sich das zu notiren, er werde das Weitere veranlassen. Cassel, im Siwan. Sehr geehrter Herr Redacteur! Wenn es mir auch bekannt ist, daß, wie jüngst eine reichsgerichtliche Entscheidung ergangen, der Verlag eines Blattes gezwungen werden kann, Inseraten, für die er triftige Gründe der Abweisung nicht Nachweisen kann, Aufnahme zu gewähren, und daß es daher gar nicht in Ihrer Macht liegt, Anzeigen, die falsche Deutungen zulassen, den Abdruck zu versagen. *) so dürfte es doch wenigstens am Platze sein, in Ihrem redaktionellen Theile in speziellen Fällen auf solche dubiöse Bekanntmachungen hinzuweisen. Und ein solch' spezieller Fall liegt heute vor. In Ihrem geschätzten Blatte tnseriren die nichtjüdischen Inhaber zweier hiesiger Hotels, dieselben sprechen in ihren Annoncen zwar nur von Logis und besonderer Küche für Israeliten rc., verschweigen aber wohlweislich ihre christliche Küche und christlichen Table d’hötes, so daß sie gegen die Tendenz Ihres Blattes nicht verstoßen und sich hierdurch Aufnahme eventuell erzwingen können. Trotzdem kommt es häufig vor, daß Israeliten durch derartige Anzeigen getäuscht werden, indem sie annehmen, sie seien in *) Wir schützen uns vor jeder Verantwortlichkeit durch die stets wiederholte Bemerkung an der Spitze des Jnseratentheils. Eine Untersuchung der einzelnen Fälle unsererseits ist, wie wohl Jeder einsehen wird, ganz undenkbar. Red.) (Schluß folgt.)