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Der Israelit · 1893-06-05 · Heft 45 (5.6.1893) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 45 (5.6.1893)
Date
1893-06-05
Page
– (sequence 11)
Language
German
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859 einem jüdischen Gasthause. Der Eine der beiden Hotelbesitzer legitimirt sich als Nachfolger des jüdischen Restaurateurs Kerngut, der schon lange nicht mehr exiftirt und der Andere behauptet sogar unter Aufsicht des Rabbinats zu stehen. Wie „streng rituell" ein nichtjüdischer Gasthof -sein kann, in welchem der nichtjüdische Chef selbst die jüdischen Hochzeitsessen kocht, das kann man ruhig der Beurtheilung der geehrten Leser dieser Blätter überlassen. Rumänien. Bukarest. Nachdem die Juden von allen Staatsschulen ausgeschlossen wurden, ist nunmehr die Regierung einen Schritt weiter gegangen und beantragte die Ausschließung derselben aus sämmtlichen öffentlichen Spitälern, welche ebenso, wie die Schulen, von den Beiträgen der Juden ebenso wie der Christen erhalten werden. Das neue Sanitätsgesetz, welches bereits den Senat passirt hat, enthält die Bestimmung, daß die Voraussetzung zur Erlangung einer Anstellung im Sanitätsdienste rumänische Staatsbürgerschaft und eine Militär-Charge sei. Dieselbe Qualification ist nothwendig zur Anstellung als Gemeindearzt, Thierarzt, Chemiker und Apotheker in den Spitälern. Art. 82 bestimmt, daß nur rumänische Staatsangehörige das Recht zur Zulassung in Staats-, Landes- und Gemeindespitäler haben. Weiteres wird bestimmt, daß Fremde nur gegen Bezahlung von Gebühren Aufnahme finden können und daß die Maximalzahl derselben auf 10 Prozent des Belegraumes festgesetzt wurde. Der Titel eines Pharmaceuten giebt noch immer nicht das Recht zur Eröffnung einer Apotheke, hierzu bedarf es einer speciellen Conzesston des Ministers des Innern. Durch diese Bestimmungen sind die Juden von sämmtlichen öffentlichen Spitälern ausgeschlossen. Es ist dies um so bemerkenswerther, als in den beiden kleinen Spitälern der beiden jüdischen Gemeinden in Bukarest (Aschkenastm und Sephardim), sowie in dem großem Spitale der jüdischen Gemeinde in Jassi christliche Patienten in liberaler Weise ausgenommen und verpflegt werden. Rußland. Petersburg. 27. Mai. Die Aufhebung der jüdischen Consistorien in den baltischen Provinzen wurde beschlossen. Warschau. Wie der „Germania" von hier gemeldet wird, haben sämmtliche Katholiken und Juden in Congreßpolen den Befehl erhalten, „freiwillige" Beiträge zum Bau einer griechischorthodoxen Kirche in Warschau zu leisten! Amerika. Argentinien. Der engltche Vkce-Consul in Rosario berichtet über die dortigen Hirsch'schen Colonieen Folgendes: Anfang 1891 langte die erste Abtheilung russischer Juden in der hiesigen Provinz an; ihre Zahl betrug 220, Frauen und Kinder einbegriffen. Die Colonie, in welcher dieselben sich niederlassen sollten, ist ungefähr 15 Kilometer von der Palacios-Station entfernt, die an der Buenos Aires- und Rosario-Eisenbahn liegt. Diese Colonie heißt „Moses-Stadt" und enthält 180 Parcellen von je 100 Hectar, die wiederum in Theilparcellen von je 25 Hectar getrennt sind. Dieser Landstrich ist aber nur einer von den vielen Flächen, die von Baron Hirsch für Colonisationszwecke angekauft sind. Von 2850 Juden, welche hauptsächlich aus Rußland im Laufe des Jahres 1891 eintrafen, wurden 462 hier untergebracht. 90 Lehmhütten mit Hausgeräth und Möbeln dienten diesen als Unterkunft. Die Wohnstätten haben einen Abstand von 30 Meter, dehnen sich in halbkreisförmiger Linie aus und werden von vier Administratoren verwaltet. Der Werth einer Bodenparcelle beträgt^etwa 1300 Mk. Dieser Betrag soll in 6 Jahren abgezahlt werden, so daß nach diesem Termin die Parcelle Etgenthum des betreffenden Colonisten wird. Nahrung, Ackergeräthe und alles, was zur Bodenbearbeitung nöthtg war, wurde geliefert, und die Rückzahlung erfolgt, je nachdem die Ernten ausfallen. Die Sprache der hier aufgenommenen Juden ist russisch und deutsch; ihre Tracht haben sie beibeyalten. Im November kam eine zweite Abtheilung in der Höhe von 242 Personen an, für die indessen zur Zeit keine genügenden Vorbereitungen getroffen waren, und die sich in Folge dessen anderweitige Unterkunft suchen mußten. Ungeeignete Personen wurden wieder nach Europa zurückgeschafft. Die Behörden und das Publicum beobachten das Unternehmen mit dem größten Interesse. Ueber den Erfolg desselben sind die Meinungen an Ort und Stelle noch getheilt. Die Hafenbehörden in Argentinien lassen nur vollständig gesunde Personen zum Zweck dieser Colontsation landen; auch müssen die betreffenden Juden sich darüber ausweisen, daß sie irgend ein Handwerk auszuüben vermögen. In „Moses-Stadt" läßt der Baron Hirsch eine Schule und Synagoge erbauen. Briefkasten der Redaction.!3"n. Die betreffende Erzählung findet sich in Menorath Harnaor, sowie in Kesaw Hajaschar. Dieselbe spielte nicht vor 150 Jahren, sondern zur Zeit der Vertreibung der Juden aus Spanien.

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