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Der Israelit · 1893-06-05 · Heft 45 (5.6.1893) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 45 (5.6.1893)
Date
1893-06-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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853 Opposition gegen die Militärvorlage stellt, nichts Besonderes. Den Ausnahmegesetzen feindliche Centrums- Klerikale, die mit den Antisemiten paktiren: wem fällt da nicht das Dichterwort ein: Die Unterdrückung Anderer nennt Ihr Freiheit l Aus Sachsen, 30. Mai. Bemerkenswerth ist die scharfe Tonart, welche neuerdings die sächsischen Konservativen gegenüber dem von ihnen erst aufgepäppelten und großgezogenen Antisemitismus anschlagen. Das „Vaterland", das offizielle Organ der sächsischen Konservativen, spricht sich in seiner letzten Nummer offen dahin aus, daß die Antisemiten Leute wären, die „unter dem fadenscheinigen Mäntelchen der Loyalität die „gröbste und radikalste Demagogie betreiben." Nur schade, daß die Konservativen nicht eher zu dieser Erkenntniß gekommen sind. Ob dieselbe wohl bis nach Abschluß der Stichwahlen Vorhalten wird? Wir möchten es bezweifeln. Rumänien. Bukarest, 26. Mai. Die Art und Weise, wie die Austreibung der Juden aus den Dorfgemeinden der Moldau in Szene gesetzt wird, steht im offenen Widerspruch zu den Anschauungen eines modernen Rechtsstaates. Wenn auch ein noch unter nationalliberalem Regimente erlassenes Gesetz den nicht mit Ackerbau sich beschäftigenden Fremden den Aufenthalt in den rumänischen Landgemeinden verbietet, so ist doch dieses in erster Linie gegen die nicht naturalisirten Juden gerichtete Gesetz selbst unter seinen Urhebern nicht in so rücksichtsloser Weise zur Anwendung gebracht worden, als das eben jetzt der Fall ist. Wie es scheint hat entweder Ministerpräsident Catargiu, unter dessen Autorität als Minister des Innern die Judenaustreibnngen vor sich gehen, keine Kenntniß von der bei dieser Gelegenheit von verschiedenen untergeordneten Verwaltungsorganen verübten Härten und Bestechungen — oder es stehen, was noch wahrscheinlicher ist, dem Einflüsse der zu einer humanen Auffassung der Judenfrage geneigten Junimisten im Mtntfterrathe widerstrebende Elemente gegenüber, deren Furcht, durch den Vorwurf der Judenduldung die Popularität gewisser politischer Kreise zu verlieren, über die von P. Cay in der Kammer aufgestellte Behauptung der völligen Unbilligkeit und Nutzlosigkeit aller gegen die heimathberechtigten Juden in Anwendung gebrachten Restriktivmaßregeln davongetragen hat. England. London. Ein schönes Heldenstück vollführte vor einigen Tagen hier ein armer russischer Jude namens Wologinsky und bewies aus diese Weise am deutlichsten, wie Unrecht es ist, die Juden und besonders die armen russischen Juden der Feigheit zu zeihen. In dem Hause, in dem Wologinsky wohnte, brach in der Nacht Feuer aus. Es weckte ihn aus dem Schlafe und angsterfüllt rannte er zum Fenster und schrie um Hilfe. Vergebens! Die in hellen Flammen stehende Treppe konnte nicht mehr bestiegen werden und die Untenstehenden konnten nichts thun, als Decken und Bettzeug ausbreiten und Wologinsky Zeichen geben, daß er hinabspringe. Dieser aber holte zuvor seine Frau, warf sie in die bereit gehaltenen Polster, hernach seine drei Kinder, darauf sein christliches Dienstmädchen und zwei bei ihm wohnende Zimmerherren, die er gleich dem Dienstmädchen erst aus dem Schlafe wecken mußte, und erst als alle herbeigeholt und gerettet waren, dachte er an seine eigene Person, die nun aber auch unten mit Jubelgeschrei und Bravorufen begrüßt wurde. > vermischtes. (Die Juden in Bayern vor 1 860.) Einem amerikanischen Blatte entnehmen wir folgende Betrachtungen über die Verhältnisse der Juden in Bayern vor dem Jahre 1860: Schätzungsweise sind in diesem Jahrhundert nahezu 30,000 bayrische Juden nach Amerika ausgewandert, wo sie fleißige und geachtete Bürger wurden. Viele der älteren jüdischen Geschäfte, nicht nur in New-Iork, sondern im ganzen Lande sind von diesen bayrischen Juden gegründet worden. Als Napoleons i- Einfluß am mächtigsten war, herrschte in Bayern König Maximilian I., der die Sorge für die Staatsangelegenheiten dem Premierminister Graf Montgelas überließ. Der Graf hatte die Gewohnheit, mehr als sein Einkommen auszugeben. Er borgte wiederholt große Geldsummen von wohlhabenden Münchener Juden, Summen, die er nie zurückbezahlte. Die Gläubiger trugen Scheu gegen den allmächtigen Günstling auf Zahlung zu dringen, verhielten sich aber gegen weitere Forderungen ablehnend. Eines Tages versuchte Montgelas vergeblich zehntausend Gulden zu erhalten, weder Versprechungen noch Drohungen hatten jedoch bei den Münchener Juden Erfolg. Darauf ließ er ihnen sagen, sie würden bereuen, ihn so behandelt zu haben. Bald genug verwirklichte er seine Drohung. Er arbeitete ein Edikt aus — scheinbar zur Bildung und Erziehung der Juden im bayrischen Königreich. Das Edikt sollte u. A. dafür Sorge treffen, daß Juden sich Handwerken oder dem Ackerbau widmen, Niederlassung und Verehelichung sollte ihnen nur nach Maßgabe des Edicts gestattet sein. Maximilian Unterzeichnete ohne Bedenken das Edict. welches als das Edict von 1811 traurige Berühmtheit bei den bayrischen Juden erlangt hat.

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