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Der Israelit · 1893-06-05 · Heft 45 (5.6.1893) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 45 (5.6.1893)
Date
1893-06-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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852 und erreichte bamit, daß beschlossen wurde, endlich einmal etwas Einheitliches auf diesem Unterrtchtszweige zu erstreben. Hierauf beschloß der Verband die Ueberweisung der zwei Anträge des Herrn Dr. Goldschmidt aus Königshütte an eine Commission. Diese wird einen gemeinsamen Lehrplan in der jüdischen Geschichte und in den Religtonsfächern für die beiden obersten Klaffen der Gymnasien und Realgymnasien aufstellen und die Frage erwägen, in wie weit das Verständniß und die Kenntniß der Bibel in den höheren Schulen durch Bibellesen gefördert werden kann. Ueber das Thema: Was kann der oberschlesische Rabbinerverband gegen die auch in Oberschlesien überhand nehmenden Taufen von Erwachsenen und Kindern thun? referirte HerrDr. Blumenthal-Ratibor. Nach einem mit Beifall aufgenommenen vernichtenden Urtheil dieser ehrlosen, Feigheit verrathenden Bewegung, die ihre Anhänger selbst richte, indem sie übrigens auf mangelhaften Charakter, Mangel an religiösem Fühlen, Mangel an Kenntniß der jüdischen Geschichte schließen ließe, glaubte der Herr Referent betonen zu müssen, der oberschlesische Rabbinerverband könne zu dieser Frage sehr wohl Stellung nehmen. Mit prophetischem Muthe sei das Gewissen der Erwachsenen von der Rednerstätte des Gotteshauses zu stählen, die Jugend sei zu religiöser Begeisterung heranzubilden. Charakterisirend war das Wort: Es fallen nicht nur welke Blätter ab. nein! auch intelligente Elemente gehen dem Judenthume verloren. — HerrDr. Deutsch-Sohrau hatte folgenden Antrag gestellt: „Der Rabbinerverband wolle die oberschlesischen Gemeinden, welche eines Rabbiners entbehren, veranlassen, ihre Schächter zu verpflichten, sich unter die Aufsicht eines Rabbiners zu stellen. Der Rabbiner sei gehalten, die Schächter von Zeit zu Zeit zu prüsen, an die Gemeinden darüber Bericht zu erstatten und seine Wünsche in Betreff des rituellen Schlachtens geltend zu machen." Nach einhelliger Auffassung ist der Vorschlag des Herrn Antragstellers von so eminenter Wichtigkeit, daß man es für nothwendig erachtete, diesen Punkt noch von dem Programme fernzuhalten und vielleicht zunächst Verhandlungen mit dem oberschlesischen Gemeindebunde zu pflegen. Bei dem letzten Gegenstand: „Freie Besprechungen" wurde eine Mitthcilung gemacht, die nicht vorenthalten werden soll. Nach dieser hat der Regierungspräsident Herr von Bitter-Oppeln einer, wegen einer antisemitischen Strömung i m ob er sch le fische nHütt en bezirke, vorsprechenden Gesandtschaft jüdischer Gemeindevorstände erklärt, daß er auf diese schmachvolle Hetze ein wachsames Auge habe und etwaige Ueberschreitungen mit allen ihm erlaubten Mitteln Niederhalten werde. — Kattorvitz. Fast täglich kommen Schaaren russischer Juden hier an, die aus Rußland ausgewiesen und in Preußen nicht ausgenommen werden. Erst nach langwierigen Verhandlungen der beiden Regierungen wird über das Loos der Unglücklichen entschieden, die im hiesigen Polizeigewahrsam internet sind und von der jüdischen Gemeinde rituell verpflegt werden. Myslorvitz. Die Ausweisungen unserer russischen Glaubensgenossen wollen kein Ende nehmen. Ununterbrochen werden die Aermsten, die seit Jahrzehnten in den russischen Grenzflecken gewohnt haben, nach den Ansiedelungsrayon zurückgewtesen, und werden die Regierungsmaßregeln mit grausamer Strenge von den Kosaken ausgeführt. Oberglogau. In der letzten Woche starb Herr Emanuel Steinfeld, ein früheres Mitglied der hies. jüd. Gemeinde, welcher Deutschland und Europa verlassen hatte, als angesehener Deputirter des Parlaments von Victoria (Australien). Ratibor. Vor einigen Tagen haben wir eine edle und fromme Frau zu Grabe getragen; Frau Handel Pinczower wurde im Gotteshause nach dem Muffaphgebete von einem Schlage getroffen und starb an den Folgen desselben. Die Verstorbene, welche seit etwa vier Jahrzehnten Wtttwe gewesen und alle ihre Kinder selbst in min und D'Dtp nNT zu schönsten Erfolgen erzog, war in weiteren Kreisen wegen der Einfachheit ihres Sinnes und der Biederkeit ihres Charakters bekannt. Ein beredtes Zeugniß von der Beliebtheit, deren die Verklärte sich erfreute, legte die große Theilnahme an der Beerdigung ab. Sie war eine ntpn in des Wortes schönster Bedeutung. — Herr Rabb. Dr. Blumenthal hielt am letzten Sonntag in einer hiesigen Wohlthättgkettsvereintgung einen Vortrag über „Berühmte Freundschaften" und schilderte im Besonderen die Freundschaftsbündnisse der jüdischen Vergangenheit. — z. München, 31. Mai. Die hiesigen Klerikalen, gehen, obwohl das Centrnm alle Ausnahmegesetze perhorreszirt, mit den Antisemiten, und die klerikalen Reichstagskandidaten für München I und II haben die Forderungen der Antisemiten, deren Streben vornehmlich auf Ausnahmegesetze htnzielt, angenommen. Um dieses Kuriosum ja recht deutlich zu machen, wird in dem soeben bekannt werdenden Wahlaufruf gesagt: „Wir sind Gegner jedes Ausnahmegesetzes und fordern schon deshalb, daß das . . . Ausnahmegesetz gegen die Jesuiten und sog. verwandte Orden fallen muß." Sonst enthält das Programm, das sich auf den Standpunkt entschiedener

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