Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 44 (1.6.1893)
- Date
- 1893-06-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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834 Beruf vorbereitet. Von den dem Verein zngegangenen Gaben ist vor Allem die Rothschild'sche Spende von Mk. 10,000 zu erwähnen. Im Ganzen betrugen die Geschenke und Legate Mk. 20,128, die Mngliederbeiträge Mk. 4656, die Ausgaben Mk. 20,985. Berlin. Der Verein „Freunde der Taubstummen — Jedide-Jlmim" in Neu-Weißensee bei Berlin zählt gegenwärtig 3 Ehrenmitglieder, 76 immerwährende Mitglieder und 2096 Mitgleder mit einem jährlichen Beitrag. Außerdem fließen ihm jährlich 1500 Mk. aus Kapitalstiftungen zu. Ein Gönner hat ein Kapital von 1000 Mk. gestiftet, welches zur Unterstützung von aus der Anstalt entlassenen Zöglingen dienen soll. Für 7 Zöglinge zahlten die Eltern Pensionsbeträge (300—600 Mk.), für 10 Zöglinge Eltern, Gememden, Kommunen, Vereine und einzelne Wohlthäter Zuschüsse (100 —400 Mk.), während 4 Zöglinge vollständige Freistellen innehaben. Die 26 Zöglinge werden von drei Lehrern und einer Erzieherin in drei Klassen unterrichtet. Rödelheim, am 41. Tag des Omer. Zu einer Gedächtnißfeier hatten sich am letzten Sonntag Nachmittag eine große Anzahl hiesiger Gemeindemitglieder, sowie mehrere Herren aus Frankfurt a. M. auf dem allen jüdischen Friedhofe eingefunden, und noch selten dürfte dieser ehrwürdige Todtenhof seit dem Jahre 1848, wo er geschlossen wurde, eine solche Anzahl von Besuchern aufzuweisen gehabt haben, als am genannten Tage. Galt es doch einem Manne zu Ehren, der, obgleich ihn bereits 61 Jahre der Mutterschoß der Erde birgt, dennoch heute in Aller Gedächtniß lebt — dem berühmten Wolf Heidenheim -"LT, dem von einer Anzahl Verehrern, namentlich in Frankfurt a. M, ein neuer Leichenstein, nachdem der alte dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen, gestiftet wurde, und bei welcher Gelegenheit Herr Rabbiner Dr. Horowitz aus Frankfurt eine längere Rede hielt. Derselbe schilderte eingehend, mit passenden Midraschstellen verknüpft, das Leben und Wirken Heidenheims, wie seine hervorragenden Kenntnisse auf dem Gebiete der jüdischen Literatur und Grammatik bahnbrechend für die jüdische Gelehrtenwelt gewesen sind und er es dennoch nicht verschmähte als Gelehrter selbst Hand anzulegen, um seine Werke zu drucken, und indem er das Talmudwort rVDDDitf rDNu,D ntnj iT?y3 dn zur Wahrheit machte, um das Jahr 1800 die noch heute bestehende Rodelheimer hebräische Buchdruckerei begründete. Aber nicht allein als jüdischer Gelehrter, sondern auch als Vertreter der sozialen Bildung ist uns Heidenheim bekannt geworden, denn er stand damals bei der Frankfurter christlichen Geistlichkeit in hohem Ansehen und war der Vermittler zwischen dieser und den Frankfurter Rabbinen. Herr Dr. Horowitz übergab alsdann den neuen Grabstein unserer Gemeinde, als Zeichen der Dankbarkeit gegen diesen großen Tobten. Der Grabstein, den ein aus Granit bestehender Untersatz trägt, ist in gewölbter Form ein aus Syenit gefertigtes, des Todten würdiges Denkmal mit sinnreicher Inschrift versehen. Herr Dr. Horowitz hat sich um diese Angelegenheit die meisten Verdienste erworben, indem er durch Sammlung die nöthigen Mittel hierzu beschaffte. Ich glaube deßhalb im Rechte zu sein, wenn ich Namens unserer Gemeinde Herrn Dr. Horowitz ’"j für sein rastloses und uneigennütziges Bestreben auch an dieser Stelle den innigsten Dank ausspreche. — Jahrzehnte sind dahin gerauscht seitdem Wolf Heidenheim P"t nicht mehr unter den Lebenden weilt und in glänzender Weise hat sich an ihm bewährt das alte jüdische Weisheitswort rD“D} p’ia -DT, denn als Segen wird er sich erweisen für alle Diejenigen, die da lernen von seinem Leben und leben nach seiner Lehre. Hch. Hammel. Geilenkirchen. Seit dem 1. Mai d. I. fungire ich hier als Lehrer in einer Gemeinde mit nahezu 40 jüd. Familien und kann schon mit Freuden berichten, daß hier unter allen Eonfesstonen Friede und Eintracht herrscht, wovon sich manches rheinländische Städtchen ein Beispiel nehmen sollte. Am 20. d. Mt. tagte hier eine große Versammlung, welche von 500 Personen besucht war. Freiherr v. Cynatten, Landlagsabgeordneter, sagte am Schlüsse einer Rede ungefähr folgendes: „Es sei nun die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß noch im letzten Augenblicke mehrere Kandidaten auf der Bildfläche erscheinen würden, so vielleicht ein Antisemit. Redner wendet sich dann mit Entschiedenheit gegen den Antisemitismus. Die Centrumspartei, die selbst so sehr unter Ausnahmegesetzen gelitten, würde nie und nimmer für den Antisemitismus, das Scheusal unserer Zeit stimmen. Der hierorts bestehende confessionelle Friede solle nie gestört werden. (Lebhaftes Bravo.) G. Frohmann, Lehrer. Westerburg, 29. Mai. Heute bin ich in der glücklichen Lage, Ihnen mit einer erfreulichen Nachricht dienen zu können. Wenige Wochen vor der letzten Reichstagswahl (1890) erschien in unserem romantisch gelegenen Städtchen der Hetzapostel Dr. Bockel, und hielt im Fuckert'schen Saale eine seiner oft wiedergekauten Brandreden. Von den in der damaligen Wahlschlacht, aus welcher der freisinnige Kandidat gleich im ersten Wahlgange mit einer großen Majorität hervorging, und bei welcher Gelegentheit mehr als 20000 Stimmen abgegeben wurden, fielen auf den Antisemit Zimmermann — sage und schreibe — 114 Stimmen. Gestern nun erschien Hierselbst abermals ein antisemitischer Weltverbesserer, lediglich in der Absicht, uns auch diesesmal seinen längst abgestandenen Kohl aufzuwärmen, doch hatte er die Rechnung ohne die Wirthe, welche ihm einmüthig ihre Säle verweigerten, und ohne unseren humanen Herrn Bürgermeister (Hotelbesitzer „zum Löwen") gemacht. Nun suchte der Wanderprediger von unserem braven Bürgermeister, Heinrich Ferger, welcher keine konfessionellen Unterschiede kennt, die Erlaubniß, seinen Vortrag im Freien halten zu dürfen, zu erlangen, aber auch dieses wurde ihm rundweg abgeschlagen. Ueber die erfolglose Reise und die schnöde Behandlung sichtlich ergrimmt, richtete der Antisemit, dessen berühmten Namen ich nicht zu erfahren vermochte, an unfern Bürgermeister die schamlose Frage: „Ist denn hier alles verjudet?" Aus diese Worte hin soll ihm denn der Bürgermeister gehörig den Standpunkt klar gemacht und mit Entrüstung den Rücken zugekehrt haben. Vivat 8egueut68. Feuilleton. > Die drei Kronen, Von H. Berger. (Alle Rechte Vorbehalten.) (Fortsetzung.) Der Postbote brachte soeben Curtel zwet Briefe. Der eine war von einer Lederfabrik, bet der er sich um die Stelle eines Directors beworben hatte. Man verlangte persönliche Vorstellung und machte Schwierigkeiten hinsichtlich des Arbeitend am Sabbat, obschon die Fabrik in jüdischen Händen war. Der andere Brief war von Rahel, seiner Verlobten. Zitternd öffnete er das Couvert und bedächtig las er Wort für Wort: „Mein lieber Max! Ich werde meinem Versprechen, Dir nur einmal im Jahre zu schreiben, untreu, denn die Er-