Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 44 (1.6.1893)
- Date
- 1893-06-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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833 Exegete vorstellte. Mit einem warmen Danke an alle jene, welche die Brüderschaft bei ihrem schwierigen Werke unterstützten und einem Segen für Sr. Majestät übergab der Redner die Halle der Oeffentlichkeit. Hierauf betrat Sr. Ehrwürden Herr Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld die Kanzel, um die eigentliche Einweihungsrede zu halten. Mit gewohnter Meisterschaft knüpfte der Redner an die Worte seines Vorredners an, und von dem sehr passenden Btbelverse Vyo ybm hw ausgehend, besprach er nun den Zweck des Neubaues und ließ seine ergreifende Betrachtung über die Vergänglichkeit des Menschen in dem Hinweis auf die Unsterblichkeit seines höher» Menschentheils erhebend und tröstend ausklingen. In sinniger Weise gedachte er auch der frommen Frauen, die bei freudigen Anlässen Gelder sammelten, um eine prachtvolle Marmorkanzel der Leichenzeremonien - Halle zu spenden. So innig berühren sich Freud und Leid, Leben und Tod. — Zum Schlüsse sprach noch der Prediger der Neusynagoge, Dr. Tauber, d. Z. Oberrabbiner-Stellvertreter, mit Zugrundlegung des Textes niriDlk naon xb pwn Zwischen den einzelnen Reden sang der verstärkte Männerchor des Tempels einige von Herrn David Rubin eigens zu dieser Feier neu componirte Psalmen. Norwegen. Aus Christiania schreibt Henrik Ibsen an Hermann Bahr: „Ueber den Antisemitismus kann ich nichts sagen, weil die ganze Bewegung mir völlig unverständlich und unbegreiflich ist. Mit recht vielen Grüßen Ihr ganz ergebener Henrik Ibsen." (Bemerkt sei, daß Ibsen den größten Theil seines Lebens in Deutschland verbracht hat. Red.) England. London, 25. Mai. Heute Abend wurde der nvOn über den dahingegangenen ]”*i Rabbi Jacob Rainowitz y» in der Hauptsynagoge (Dukes Place) von dem Chief-Rabbi abgehalten. Die Synagoge war, trotzdem der Gottesdienst an einem Werktage stattfand, dennoch wohlbesetzt, namentlich fanden sich viele Polen schon vor dem Beginne der Feier ein. Fast sämmtliche Prediger der United-Synagogue, sowie der verschiedenen Vereine und der Federation waren anwesend, auch die Damengallerie war ziemlich voll. Dr. Adler sprach deutsch und wußte seine Ausdrucksweise derartig meisterhaft zu gestalten, daß die Rede, sowohl für die Polen und Deutschen, sowie auch für die Engländer, die hebr. kennen, verständlich war. Der Text dy£ -\bn apjn, mit schönen Midraschstellen ausgeschmückt, war für die Gelegenheit passend und die Bemerkung unserer Weisen nv xb apy*, daß Jacob nicht gestorben sei, sondern im Geiste weiter wirke, fand hier treffende Anwendung. (Auch enthalten, wie Dr. Adler en passant bemerkte, diese drei hebräischen Worte 5653 in der Zahl, was uns stets an die Jahreszahl des Ablebens von Jacob erinnert.) Unter Anderem erklärte der Redner eine Stelle im psn \t, welcher am Sabbat vor dem Neumonde gesagt wird. Es wird in diesem Gebete auffallender Weise der Wunsch, daß unser Leben ein n'w nur bv D"n sein möge, zweimal wiederholt, warum dies?*) Beim ersten Male wird betont, daß unser Leben im Allgemeinen aus Gottesfurcht basirt sein möchte, während bei der Wiederholung die Liebe zum Thorastudium mit dem Wunsche, daß dieses Studium nicht zur Schau getragen, sondern aus rein gottesfürchtigem Antriebe gepflogen werde, gepaart wird, — sohin bezieht sich hier der Ausdruck 'n ntn* lediglich auf min nan«. — Zum Schluffe führte der Redner die Stelle des Jalkut im kommenden Wochenabschnitte zum Priestersegen an: □ns ba Dy inNnrai -jnD’jaa di^ und erhob dabei die Friedensliebe des seligen Rabbi Jacob y»r hervor. In erhebender Weise trug alsdann der Oberkantor Revd. Hast das D'vrn bx vor. — Es werden noch in sämmtlichen Nebenfynagogen der Vereine dhddh abgehalten. Sonntag Abend wird Dr. Lerner in der Holländischen Synagoge sprechen. > Vermischtes. Darmstadt Am 1. Mai feierte das Emanuel Fuld'sche Ehepaar das seltene Fest der goldenen Hochzeit Dasselbe wohnte am Sabbat vorher dem Gottesdienste an, welcher sehr stark besucht war und bei welchem der Vorstand, welchem auch Fuld früher angehörte, vollzählig erschienen war. Der Rabbiner nahm in seiner Predigt Bezug auf die Bedeutung dieser seltenen Feier. Am Tage selbst wurden die Fuld'schen Eheleute von allen Schichten der Bevölkerung, Juden wie Christen geehrt. GnnterSblum bei Worms. Unser Ortsvorstand unter Leitung des Bürgermeisters Schätze! ließ auf Ersuchen der isr. Gemeinde, den hügeligen Boden zu einer Erweiterung des isr. Friedhofes planiren, gleichfalls auf Kosten der politischen Gemeinde eine Umfassungsmauer um denselben ziehen und den Eingang mit einem gut gearbeiteten eisernen Thore versehen. Ehre einem solchen Bürgermeister mit seinen Gemeinderäthen! Frankfurt a. M. Der Israelitische Frauenverein veröffentlicht seinen 45. Jahresbericht. Im Jahre 1892 wurden 4 Zöglinge ausgenommen und 6 entlasten, so daß zu Ende des Jahres 26 Zöglinge in der Anstalt waren. Davon besuchen 23 hiesige Bürger- und Volksschulen, 6 werden im Hause und in der Küche für ihren zukünftigen *) In unseren Talmudausgaben (Berachoth 16b) sowie im En Jacob und vielen deutschen Gebetbüchern finden sich die Worte D’D£' ntO’ nur einmal und zwar an zweiter Stelle. Die oben besprochene Lesart haben die Gebetbücher nach polnischem Ritus. Red. d. Israelit.)