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Der Israelit · 1893-06-01 · Heft 44 (1.6.1893) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 44 (1.6.1893)
Date
1893-06-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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832 ihm unter dem 29. April d. I. folgenden Brief zugehen lassen: Sehr geehrter Herr! Als alter Parlamentarier habe ich mich jederzeit zu unserem verfassungsmäßigen Grundsatz bekannt: „Die Freiheit des religiösen Bekenntnisses, der Vereinigung zu Religionsgesellschaften und der gemeinsamen Religionsübung wird gewährleistet. Der Genuß der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte ist unabhängig von dem religiösen Bekenntnisse." Zu diesem Grundsatz der heutigen civilistrten Nationen bekenne ich mich noch und halte mich verpflichtet, dafür einzutreten, wo er verletzt wird. Seit einem halben Jahrhundert in richterlichem Beruf thätig, halte ich es für meine Pflicht, für das verletzte Recht des schwächeren Theiles einzutreten, sobald ich dazu veranlaßt bin, insbesondere auch in der Presse und im politischen Leben der Wahrheit und dem Recht zur Geltung zu verhelfen gegen vorsätzliche Entstellung und Verleumdung. AIS alter Politiker habe ich die Erfahrung gemacht, daß der Appell an den gemeinen Sinn der Menge zum Zwecke des Stimmenfangs nur kurzlebige Erfolge erzielt, welche in keinem Verhältniß stehen zu den nachhaltigen Verlusten der Partei, die sich zu solchen Verbrüderungen verleiten läßt. Dies sind die Nächstliegenden Gründe, aus denen ich dem Vereine zur Abwehr des Antisemitismus beigetreten bin und darin mitwirke, so weit es meine Kräfte erlauben. Genehmigen Sie die Versicherung ausgezeichneter Hochachtung, mit welcher ich mich empfehle Ihr ergebener R. v. Gneist. Breslau. Fürstbischof Dr. Kopp dahier hat sich, nach der Brest. Morgen-Ztg., gegen den Antisemitismus gegenüber dem Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde in Friedeck ausgesprochen. Auf den Dank des Vorstandes, daß er für den konfessionellen Frieden eingetreten sei, äußerte er sich sehr abfällig über die antisemitische Bewegung und bemerkte, man müßte allseitig dahin wirken, diese Bewegung, die hie und da in leidenschaftlicher Weise auftrete, einzudämmen und die Verschiedenheiten überall auszugleichen, um den erwünschten Frieden zu erreichen. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 25. Mai. Bei dem hiesigen Bethaus- Vereine „Beth Israel" nach polnisch jüdischem Ritus, ist für die im Bau begriffene, vor den d»n->u v'v' noch fertig zu stellende neue Synagoge die Rabbiner- und Maggidftelle zu besetzen. Von den zahlreichen Bewerbern um diese Stelle ist Herr Rabbiner Moritz Lipschitz yts'w&b ntwo mo 2in aus Kobersdoif (Ungarn) zu einem Probevortrag zugelassen worden und hat derselbe am ersten Tage Schowuoth in dem in allen seinen Räumen überfüllten alten Betlocale des Vereines „Beth Israel" in der Antonsgasse eine Proberede abgehalten, welche ungetheilten Beifall bet der andächtig lauschenden Versammlung gefunden und von großer Wirkung auf dieselbe war. Der uns karg zugemessene Raum gestattet uns nicht auch nur eine Skizzirung dieser ausgezeichneten, vom echt jüdischen Geiste getragenen Derascha, in welcher die geistreiche Auslegung der verschiedenen Midraschim enthalten war, wiederzugeben und beschränken wir uns nur auf die Citirung des gut gewählten Textwortes (2. L. B. Kap. 20) -ir» new nyoiwi uoy nrtN, welches der Redner auf seinen Namen nvo anspielend und seine Berufung zum Probevortrag gut anwendete. Am zweiten Tage Schowuoth hielt Herr Rabbiner Lipschitz einen talmudtschen Vortrag ^mm n’jjids nam niD»m, in welchem er in höchst scharfsinniger Weise und unter großem Beifall der zahlreich erschienenen min \n und Talmudkenner seine min ’&mn entwickelte. Der Beifall, den Herr Rabbiner M. Lipschitz mit seinen beiden Probevorträgen erzielte, läßt erwarten, daß die vom Vorstande zu treffende Wahl auf ihn fallen wird, womit auch den Wünschen der Mehrzahl der Mitglieder des Bethausvereines „Beth Israels" entsprochen würde. H. Lö .... r. Prag, im Mai. Sie haben in einer der jüngsten Nummern Ihres geschätzten Blattes über die min'3 jnu Feier berichtet, welche die hiesige p"n anläßlich der 100. Wiederkehr des Sterbetages dieses pw veranstaltete. Gestatten Sie mir, heute Ihnen über eine II. Feier zu berichten, welche seitens dieses tonangebenden und durch sein humanitäres Wirken mustergültigen Vereines anläßlich der Eröffnung der Zeremonienhalle am neuen Friedhofe zu Olschan (Zizkov) veranstaltet wurde. — Es war Sonntag am 28. Jjar, m Ein herrlicher Maientag ließ Tausende hinausziehen in Gottes freie Natur. Aber anstatt wie sonst irgend einen beliebten Ausflugsort aufzusuchen, bildete heute der eine Stunde vor der Stadt gelegene neue Friedhof das Ziel der wanderlustigen Menge. Eine große Anzahl Wagen brachte außerdem die geladenen Ehrengäste, unter welchen wir die Vertreter der Hauptstadt Prag, (Magistratsrath Maly) den Regierungsvertreter, den Bürgermeister von Zizkov, die Rabbiner Prags und der Vorstädte, die Repräsentanten der Prager Cultusgemeinde mit deren Vorsitzenden Dr. A. Rosenbacher und Dr. L. Bendiener, den Vertreter der Böhm. Landesjudenschaft Dr. M. Lichtenstern, den Vorstand des jüd. Centralvereines Herrn S. Mauthner und Dr. F. Duschenes, Landtagsabgeordneter Dr. Josef Zalud, Schriftsteller S. Kohn und viele andere mehr bemerktem Zunächst betrat der Obmann der p"n Herr David Lieben die Kanzel, um im kurzen Abriß die Geschichte des neuen Friedhofes zu entwickeln. Hiebei gab Redner in sehr geistreicher Weise eine Erklärung der Inschriften, die die neue Halle zieren, zum Besten, wobei sich David Lieben ebenso als gewandter Redner wie auch als geistreicher

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