Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 44 (1.6.1893)
- Date
- 1893-06-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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830 den und nach der Schwere der Börse, die sie in der Tasche tragen. Wüßten sie selbst, wie klein und niedrig ihr Herr und Meister drinnen in seinem Empfangssaale über alle diese lächerlichen Aeußerlichkeiten denkt, sie würden doch bei ihrer kindischen Art der Menschenschätzung verbleiben, denn sie finden ihre Rechnung dabei. Sie haben ja ein sehr greifbares Interesse daran, ihre Umgebung glauben zu machen, von ihrer Rangirung in der Vorhalle hänge alles ab. Mit der Zeit glauben Leute dieses Schlags denn auch wirklich, was sie anderen so lange plausibel gemacht haben, die Bedeutung und Würde des Menschen gehe in dem schwarzen Frack und der tadellos weißen Weste und Binde auf, die sie für die Audienz angelegt haben. Dort kauert in der Ecke ein zerbrechlicher Invalide, des Königs Rock, den er trägt, ist zerrissen, die Fahne, die er gerettet hat, trägt er in der verstümmelten Hand. Eine so wenig hoffähige Erscheinung gehört nach dem Schätzungsvermögen von Lakaien, weit hinter die besternten Höflinge und Exzellenzen, welche die ersten Reihen füllen. Und doch denkt der Invalide in seinem schlichten, wackeren Herzen anders darüber. Nicht gegen die kostbarsten Gewänder möchte er seine zerschossene Uniform vertauschen, sein geretteter Fahnenfetzen wäre ihm nicht für alle Schätze der Erde feil. Er weiß, wenn erst die Stunde kommt, die ihn vor seinen König ruft, dann ist das. was der Schwarm der Höflinge geringschätzig belächelt, seine höchste Auszeichnung, die herrlichste Siegestrophäe, die für den redlichen Kampf zeugt, welchen er im Dienste seines Herrn und Meisters ausgefochten hat. Ist diese Zeitlichkeit nur die Vorhalle der Ewigkeit, dann sind die Würden und Ehren, welche die Schlechten in dieser Vorhalle sich errafft und erlistet haben, ihre lautesten Ankläger vor dem unbestechlichen Richter, dessen Auge nicht von den Sternen geblendet wird, die auf der Brust glänzen, sondern dessen Blick auf das Herz schaut, das unter dieser Brust schlägt. Der Rock der Seele ist der Körper des Menschen und wenn dieses Seelen-Kleid durch Leiden und Entbehrung, durch Krankheit und Kummer gelitten und die Spuren des harten Kampfes gegen Geschick und Leidenschaft an sich trägt, dann sind diese Spuren, welche unsere Vorzimmer-Weisheit Achsel zuckend von sich weist, die herrlichsten Trophäen, die beredtesten Anwälte vor dem allmächtigen Richter der Wahrheit, wenn erst der Tag des Gerichts gekommen ist. Diese Welt ist, wenn sie nur die Vorhalle der Ewigkeit ist, nicht die Welt des Lohns und der Strafe. Sie ist die Welt der That, nicht die Welt der Vergeltung, xyb NDby wa rinrv Der Lohn der geübten Pflichtthat erfolgt nicht in dieser Welt. M'N "pss '3JK 3’rOT ’ND p M17>' Ol 1DN dHi GtwyV ovn iarwy^ nnwyb nrn onwj6 .par Dvn „Rabbi Jehoschua ben Levt lehrte: Was ist der Sinn der Worte: „Meine Gebote, die ich Dir heute zu erfüllen gebiete? „Heute sind sie zu erfüllen und nicht morgen find sie zu erfüllen, heute sind sie zu erfüllen, aber nicht heute ist der Lohn dafür zu erheben". (Talmud Traktat Erubtn fol. 22.) „Wer sich am Rüsttag zum Sabbat bemüht hat, hat am Sabbat zu essen; wer sich am Rüsttag zum Sabbat nicht bemüht hat, woher sollte der am Sabbat essen?" (Talmud Traktat Aboda farah fol. 2.) „In der Schule Rabbi Jakob, — des Autors unseres vorliegenden Spruches — wurde gelehrt: Es giebt nicht eine einzige Mtzwa in der Thora, der eine Lohnverheißung beigegeben ist, ohne daß die Wiederbelebung der Todten davon abhängig wäre. (D. h. die bloße Ankündigung eines Lohnes hat ein Leben nach dieser Zeitlichkeit zur unerläßlichen Voraussetzung.) So steht es bei der Elternehre geschrieben: Damit sich deine Tage verlängern und damit du lange lebst, und bei dem Vogelnest (d. i. das Gebot beim Auffinden einer auf ihren Jungen ruhenden Vogelmutter, diese zu nehmen und jene frei zu lassen) steht geschrieben, damit du lange lebst und es dir gut geht. — Sagt nun der Vater, steige in die Höhe und hole mir junge Tauben und der Sohn steigt empor, gibt die Mutter frei, nimmt die Jungen, geht zurück und fällt todt herunter, wo ist dessen langes Leben, wo bleibt das ihm verheißene Gute? „Daß deine Tage lange dauern", kann daher nur einen Sinn haben für jene Welt von unbegrenzt langer Dauer, „daß es dir gut geht", kann nur für eine Welt verstanden werden, in der alles gut ist." (Talmud Chulin, fol. 142.) Diese Welt ist eben nur die Vorhalle jener kommenden, ewigen. Sie ist der Vorbereitung bestimmt, um in den Palast eintreten zu dürfen und dort Gottes Herrlichkeit selber zu schauen. Zeitungsnachrichten und Correspoudeuzeu. Deutschland. Frankfurt a. M. In der jüngsten Generalversammlung des hiesigen Thierschutzvereins, welche im Parterresaal des Palais-Restaurant stattfand, wurde auch das Schächten in der Discussion gestreift. Der Vorsitzende Herr Direktor Labes bemängelte nämlich die Fassung des Thterschutzparagraphen im Strafgesetzbuch. Danach wird nur derjenige bestraft, „der öffentlich oder in Aergerniß erregen-