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Der Israelit · 1893-06-01 · Heft 44 (1.6.1893) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 44 (1.6.1893)
Date
1893-06-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXIV. Jahrgang. M 44. Der Israelit Ein Kenlrat-Grgan für das orthodoxe IudenLhum. Begründet von Dr. Lehma«« in Mainz. Donnerstag, den 1. Juni 5653 (1893). Leitender Artikel. Sprüche der Water. Viertes Buch. LXXI. Mainz, 30. Mai. »jdd Tninc^ non n*n a^yn ->oi» apy’ »an Dnn» na nnrnsa *pxy ]pnn ndh obiy Utabbi Jakob lehrte: Diese Welt gleicht einer Vorhalle vor der kommen' den Welt, bereite dich in der.Vorhalle vor, damit du in den Pallast eintreten kannst. Die ungleiche Vertheilnng der Lebensgüter, von welchen die bisherigen Vätersprüche handelten, gewinnt und verliert von ihrem Auffälligen und Räthselhaften je nach der Stellung, die man dazu nimmt. Die vorhergehende Mischna legt uns durch die Mahnung, ausnahmlos jedem Menschen mit Ehrerbietung entgegenzukommen, die Erwägung nahe, daß der Mensch, dem wir vielleicht nach unserer Auffassung den Zoll der Achtung und Anerkennung versagen zu dürfen glauben, erst recht einen begründeten Anspruch darauf hat, weil wir kein unfehlbares Urtheil über Andere fällen können. Auch die äußere soziale Stellung ist dafür so wenig entscheidend, daß es unter Umständen geboten sein kann, lieber der letzte als der erste, lieber der Schweif des Löwen, als das Haupt bei den Füchsen zu sein. Was uns aber vollständig jede Möglichkeit benimmt, die Art und Weise zu begreifen und gar zu kritisiren, nach welcher Gottes weise Allmacht die Güter der Erde vertheilt, das ist der Umstand, daß unser beschränkter Blick nicht über die irdische Zeitlichkeit hinausreicht. — Was nach den siebenzig und achtzig Jahren folgt, die uns im günstigsten Falle zugemessen sind, das wissen wir nicht, das vermögen wir nicht einmal zu ahnen. Daß unser Dasein mit dieser Spanne Zeit aber nicht zu Ende sein kann, das muß sich jeder Einsichtige selber sagen. Wir hängen aber mit so vielen Banden und Fäden an dieser irdischen Welt, daß wir leicht geneigt sind zu glauben, es müßte in ihr alles ausgeglichen werden, in ihr, die mit ihren wenigen Jahrzehnten kaum einen Tropfen in dem endlosen Meere der Ewigkeit repräsenttrt. Und doch ist diese Welt nur die Vorhalle der künftigen. Vor der Wahrheit, welche aus diesem Bilde spricht, zerfließen alle Räthsel des Lebens. — Sie sagt uns: Diese Welt ist viel zu eng und viel zu klein für eine volle Vergeltung des in ihr geübten Guten und Schlechten. Ist die ganze Zeitlichkeit nur die zur Ewigkeit führende Einleitung und Vorstufe, dann trägt alles was sich daselbst vollzieht diesen Charakter. Im Antichambre walten Lakaien, im Audienzsaal herrscht die Majestät. Wenn sich in diesem Vorzimmer, Würdige und Unwürdige, die höchsten Würdenträger und selbstsüchtige Streber drängen, wenn es diesen gelungen ist sich mit den Bedientenseelen, die hier herrschen, so zu stellen, daß sie in den vorderen Reihen stehen, während jene im Bewußtsein ihres inneren Werthes, bescheiden zurückstehen und es verschmähen mit jenen hier um einen besseren Platz zu ringen, wer wollte sich darüber wundern. Für jeden kommt die Stunde der Audienz vor dem König aller Könige. Alles Vordrängen nützt nichts, alles Zurückstehen hinderts nicht, daß in dem Augenblick, wenn der eine oder andere gerufen wird, sich ihm die Pforten öffnen, um die Frucht seiner Thaten zu empfangen. An der Schwelle, welche die Vorhalle von dem Empfangssaal scheidet, hört der Einfluß der Lakaien- Kreaturen auf. Bis dahin herrscht er und zwar oft in sehr furchtbarer Weise. Die Bedientenseelen mustern die große Zahl der in dieser Vorhalle sich Bewegenden nach ihrer Toilette, nach ihrer Frisur, nach der Anzahl von Ringen, die sie an den Hän -

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