Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 43 (29.5.1893)
- Date
- 1893-05-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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813 Broschüre „Schafe im Wolfspelz und Wölfe im Schafspelz", die die heftigsten Angriffe gegen protestantische Geistliche enthält und in Leipzig konfiszirt wurde. Wir können Meyer wirklich dankbar dafür sein, daß er nicht nur gegen die Juden, sondern auch gegen die Protestanten hetzt. Wien, im Mai. Folgende köstliche Persiflage des Antisemitismus, die ich der hier erscheinenden „Neuzeit" entnehme, dürfte auch die Leser des „Israelit" interessiren: Die Hauptstadt Spaniens ist seit einigen Tagen um ein großartiges Gebäude bereichert worden. Es wurde nämlich eine neue prachtvolle Börse eröffnet. Der Saal übertrifft an Größe und Eleganz selbst den Pariser Börsensaal. Das ist eine arische Börse; denn Spanien ist judenfrei. Zwar gibt es unter der christlichen arischen Bevölkerung in Spanien zahlreiche Personen, welche ein jüdisches Aussehen haben, da viel jüdisches Blut dort in christlichen Adern rollt. Confeffionelle Juden aber leben nicht als Bürger auf spanischem Boden. Diese arische Börse soll ganz eigentümlich eingerichtet sein. Da gibt es kein Börsenspiel, keine Agiotage, keine Arbitrage, keine Speculationen & la hausse und k la baisse, keine Börsengerüchte und keine Börsencoups; da herrschte die größte Solidität; da wird niemand übervortheilt, getäuscht und zu unglücklichen Käufen und Verkäufen verleitet. Der große Börsensaal in Madrid hat eine streng kirchliche Grundlage, da wird alles nach den Principien der Kirche und nicht nach den Grundsätzen einer corrupten Volks-Wirthschaft geregelt. Glückliches, beneidenswerthes Spanien! Man findet dort keine Juden im Parquet und in den Logen der Theater; man begegnet ihnen nicht auf den Straßen; man findet sie nicht in den Hotels; da gibt es keinen jüdischen Capitalismus, keine fingirten Ausverkäufe, keine jüdischen Großindustrielle, welche den kleinen Handwerker ruiniren. Spanien ist ein wahres antisemitisches Paradies, ohne semitische Schlange, ohne jüdische Verführungskünste. Im Jahre 1492 wurden die Juden aus Spanien vertrieben und seit damals beginnt die Größe des pyrenäischen Staates. Spanien, in dessen Reiche die Sonne nicht unterging, hat an Glanz zugenommen; sein Ansehen unter den Nationen ist gewachsen; seine Macht hat sich vermehrt; sein Handel blüht; sein Reichthum ist unermeßlich, so daß cs keine Schulden zu machen braucht; seine Bevölkerung ist ordnungsliebend, nicht revolutionär gesinnt, nicht vom Soctalismus und vom Anarchismus angesteckt; sein Wort ist unwiderstehlich; sein Wille in Europa maßgebend. Und den Gipfel dieser Größe hat es nur dadurch erreicht, daß es 1492 sein Territorium von den Juden säuberte. Man muß sich in der That wundern, daß nicht die Antisemiten aus Deutschland und Oesterreich nach Spanien auswandern, um dort eine Luft einzuathmen, die nicht von Juden verpestet ist. An Mitteln zur Reise soll es ihnen nicht fehlen. Alle anständigen Menschen werden dazu beitragen, daß Deutschland und Oesterreich von der Gegenwart der Antisemiten befreit werde. Glückliche Reise. Willkommen in Spanien. Prag. Nachdem die Bemühungen schon oft gescheitert waren und die Möglichkeit eines Rabbiner- Verbandes von den Wenigsten angenommen wurde, gelang es dennoch einem kleinen Kreise jüngerer Rabbiner, die Sache nicht allein wieder aufzunehmen, sondern auch einem gedeihlichen Abschlüsse entgegenzuführen. Mit dem Augenblicke, in welchem es gelang, den Oberrabbiner Dr.Ehrenseld zu überzeugen und für den Plan zu gewinnen, war auch der Erfog gesichert. Dem Aufrufe zur Gründung des Verbandes folgten nahezu alle Rabbiner Böhmens und 22 nahmen The-l an der Berathung, welche denn auch am 1. Mai im Sitzungssaale des jüd. Rathhauses stattgefunden hat. Die Berathung nahm unter dem Vorsitze des Herrn Oberrabbiners Dr. Ehrenfeld einen sehr würdigen Verlauf und nach siebenstündiger Besprechung wurden die Statuten behufs ihrer Unterbreitung der h. k. k. Statthalterei seftgestellt. Aus denselben heben wir die folgenden Paragraphen hervor: § 2. Zweck des „Rabbiner-Verbandes": 1. Hebung des religiösen Sinnes; 2. Wahrung der Ehre des Judenthums; 3. Förderung der jüdischen Wissenschaft; 4 die Gründung und Förderung solcher Anstalten anzustreben, welche den religiösen und humanitären Bedürfnissen der Judenheit in Böhmen Rechnung tragen; 5. Wahrung der Würde und der Interessen des Rabbinerstandes; 6. Gründung einer Pensionscasse zur Unterstützung von Wittwen und Waisen nach Rabbinern in Böhmen. § 3. Der Verband sucht seinen Zweck zu erreichen: 1 durch Hebung des Religionsunterrichtes, Pflege der jüd. Literatur, Veranstaltung öffentlicher Vorträge und Abwehr öffentlicher Entstellungen des Judenthums; 2. durch Austausch von Erfahrungen in der Amtsthätigkeit. Von besonderer Wichtigkeit und beachtenswerth für alle Gemeinden Böhmens ist § 9: Außerordentliche Mitglieder können Eultusgemeinden, jüdische Vereine und Korporationen sein, welche mindestens einen Jahresbeitrag von 20 Gulden entrichten. Die außerordentlichen Mitglieder haben in allen Humanitären Fragen mitberathende und mttbeschließende Stimme. Amerika. Chicago. Difflcile est satyram non scribere. Dieses alte Wort kam mir so recht zum Bewußtsein, als ich jüngst in der New-Aorker Staatszeitung die Nachricht las, daß am 28. August in dem Kongreß der Religionen das Judenthum an