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Der Israelit · 1893-05-25 · Heft 42 (25.5.1893) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 42 (25.5.1893)
Date
1893-05-25
Page
– (sequence 20)
Language
German
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806 mud ist dafür Q’oytJ 'Pvv, wozu Raschi bemerkt, das seien die rowa. Aus dieser Stelle geht also hervor, dass sie zur Zeit der Abfassung der Mischna nicht bloss vorhanden gewesen sind, sondern auch deren Kenntnis als etwas Bekanntes stillschweigend vorausgesetzt wurde. Und da Esra der Vorleser der heiligen Schrift war, oder der Vortrag jedenfalls unter seiner Leitung geschah, so würden sie demnach mindestens bis zur Zeit Esra’s zurück datieren. Ein zweiter Hinweis auf die Tonzeichen findet sich ebenfalls im Tractat Megillah Seite 12a. Hier wird zu dem Satze Jesaias 45, 1 1 ü*rrp eine agadische Erklärung gegeben, die nach der Ansicht Raschi’s zu obiger Stelle ihre Begründung in den besonderen, nur hier vorkommenden 4 Tonzeichen findet. Es wird nämlich darauf hingewiesen, dass während das nie anders als mit darauf folgendem gefunden wird,3) hier ein ruio darauf folgt.4 5) Dass beweise, das die Worte lrpfföb und von einander zu trennen seien. Noch ein drittes Zeugnis für das hohe Alter der Tonzeichen findet sich gleichlautend in den Traktaten Chagigah 6b. und Joma 52b., woselbst über den Sinn von Exod. 24, 15 eine Controverse stattfindet, welche Worte hier zu verbinden und zu trennen seien. Die Verschiedenheit der beiden Meinungen beruht, wie der Talmud sich ausdrückt, auf der Verschiedenheit der Tonzeichen. Auch hier lässt Raschi sich weitläufig darüber aus, was für Tonzeichen in dem einen oder andren Falle dazu gehören. Im Traktat Sebachim 115b. wird diese Stelle nur gestreift, aber auch hier unterlässt es Raschi nicht, auf den Unterschied der Tonzeichen hinzuweisen.r’) Aus allem bisher Angeführten geht das negative Resultat hervor, dass sie unmöglich erst in der Periode der Geonim entstanden sein können, so wie das positive, dass sie im Talmud mindestens auf die Zeit Esra’s zurückgeführt werden. Demgemäss könnte also Esra als Verfasser der Tonzeichen gelten, und in der That neigen sich auch einige dieser Ansicht zu. Unterstützt wird diese allenfalls durch die Bezeichnung des Esra hipd mira Tno -ibid „ein tüchtiger Gelehrter in der Lehre des Moscheh“. Das Wort "ibid, welches schon in Sam. II. 8, 17 als Schreiber oder Sekretär vorkommt, erhielt, spä- 3) D. h. kein anderer trennender Accent darf darauf folgen, während ein untergeordneter wohl dazwischen stehen darf. 4) In vielen neueren Bibel-Ausgaben findet sich ein über dem Worte tt’TsS, aber in dem bedeutenden Massoreten-Werk 't£> miö wird auch n'D^i'y nj’O angeführt, und Heidenheim Seite 7 in C'DJltsn 'JSBtS'ö erklärt, gestützt auf alte Manuscripte, diese Lesart für die einzig richtige. 5) In N~pcn na.*l zu Exodus 24, 5 wird die Meinung Rascbi’s in klarer, eingehender Weise von Heidenheim erklärt. I ter die Bedeutung Gelehrter, weil d( s Schreien im Altertum schon einen gewissen Grad von Gelehrsamkeit bezeichnete.6) Aber trotzdem müssen wir auch hiergegen Bedenken erheben. Denn an der bereits angeführten Stelle Traktat Megillah 3a. werden ja die Worte erklärt DT105'“1 worauf Raschi bemerkt O’pDDJ tnh „wie sie getrennt werden“, wo der eine auf hört, der andre anfängt. Dann folgt N*ipD3 wm, mit der Erklärung O’DpLJ ’pDB pn „dieser Ausdruck beziehe sich auf die Tonzeichen“. Beides wird also gleich gestellt und als Anordnung Esra’s uns geschildert. Wenn wir aber darunter verstehen wollten, dass dies Alles als etwas Neues, so zu sagen, von Esra Erfundenes, uns hier vorgeführt wird, so würde dies mit einem Grundsätze, der im praktischen Gesetze seine strenge Durchführung findet, vollständig in Widerspruch gedraten. Der Talmud führt nämlich als Gesetz und Regel an fJN ua*i nffö NpDB xn xpiDB -3 P’pDD nb „wir dürfen die Verse der Tora nie anders einteilen, als Moscheh dies überliefert hat.“ Mit andern Worten, wir dürfen der Tradition, die uns, wie in allem, was die Erklärung des schriftlichen Gesetzes betrifft, so auch in Betreff der bestimmt abgeteilten Verse von Moscheh im Namen Gottes überliefert ist, nie untreu werden. Mit welchem Rechte hätte Esra also dieser durch die Tradition geheiligten und feststehenden Einteilung der Verse entgegen treten dürfen? Wir können demnach seine Anordnung nur so verstehen, wie es im Talmud bei einem ähnlichen Falle, bei den Schlussbuchstaben 'THTT0 erwähnt wird DnD’i nrro DiriDsr „sie sind während der Dauer des babylonischen Exils vergessen worden, und Esra und die zeitgenössischen Weisen haben sie in althergebrachter Weise wieder hergestellt“. Und endlich kommen wir ans Ziel unsrer Beweisführung. Es geht nämlich aus dem bisher Zusammengestellten und Erbrachten hervor, dass die Weisen des Talmud der Einteilung der Tora in Verse, so wie den zu jedem einzelnen Worte gehörenden Tonzeichen das höchste Alter vindiciren; mit andren Worten, dass sie dieselben als wesentlich zum Bibeltext gehörig betrachten und in ihnen einen integrierenden Teil der mündlichen, mit dem schriftlichen Gesetz zugleich überlieferten Lehre erblicken. Man missverstehe uns jedoch nicht! Es soll keineswegs damit gesagt sein, dass die Form der Tonzeichen, wie wir sie jetzt vor uns 6) Siehe Traktat Chulin 9a. Es widerspricht dies nicht der Erklärung des Wortes CHS1D, die wir im ersten Kap. anführten, sondern erklärt nur, warum die ersten Gelehrten von den späteren so genannt wurden, während diese selbst sich aus Bescheidenheit C'DSH H'D?n nennen liessen, wie Sokrates von sich sagte, er sei nur ein Philosoph, „ein Weisheitsfreund“.

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