Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 42 (25.5.1893)
- Date
- 1893-05-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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wrt'jrsJ&t'i'Z'+xri'&ft* *t’ - .y-W/" - .^MMWWMz>>HMWWD 7SÜ feindlichkeit verlangen: gehorcht die Gemeinde nicht, so wird sie aufgelöst. Mehrere Gemeinden müssen eine höhere Organisation haben, welche sie gegenüber der Behörde vertritt, doch darf das Oberhaupt kein Ausländer oder ausländische Behörde sein und darf die Kirche von einer ausländischen Person oder Behörde nicht abhängcn. Die Regierung wacht über die ordentliche Gebarung und die Einhaltung der Statuten. Wer konfessionslos ist, muß zuvor seine Rückstände bei der Confession beglichen haben. Auch die Confessionslosen wie die Fremden dürfen sich zu gemeinsamen Religionsübungen vereinigen. Rußland. Warschau, 5. Mai. Die Verfügung, daß Juden im Warschauer Gerichtsbezirk als vereidigte Rechtsanwälte nicht mehr zugelassen werden dürfen, hat nunmehr die Bestätigung erhalten. Reval. (In den aus Weisung.) Dem „Rig. Tagebl." wird von hier geschrieben: Schon seit den letzten 6—7 Jahren ist die Anzahl der in Reval lebenden Juden, welche sich seit dem Beginn der letzten Blüthezett des hiesigen Handels in den siebziger Jahren nach Eröffnung der Baltischen Eisenbahn in größerer Menge hierher gezogen und einen gewissen Wohlstand erlangt hatten, allmählich mehr und mehr zurückgegangen, so daß, wenn es hoch kommt, nur noch etwa 100 bis 150 Familien sich hier aufhalten. Jetzt haben wieder in der letzten Woche 45 Familien durch die Polizei infolge der schärferen Anwendung der bestehenden Verordnungen Ausweisungsbefehle erhalten, da ihnen das Recht zum Aufenthalt Hierselbst abgesprochen worden; noch zwei weitere Ausweisungen von derartigen Familien sollen demnächst nach gewissen Pausen folgen, so daß wohl nicht in ferner Zeit nur noch die wenigen, seit Alters hier angcschriebencn Familien, sowie einige, deren Familienhäupter als Kanfleute erster Gilde oder Inhaber gelehrter Grade zum Aufenthalte berechtigt sind, hiernach bleiben dürften. Türkei. Jaffa. Etwa 30 russische jüdische Familien sind vorige Woche per Schiff hier angelangt, wurden aber von der Polizei abgewiesen und nach Alexandrien zurückgeschickt. Möchten doch unsere Glaubensgenoffen in Rußland bedenken, daß ihre Niederlassung in Palästina gegenwärtig verboten ist und sich daher das Schicksal der gewaltsamen Zurückweisung und damit Unglück und Elend ersparen. Amerika. Washington, 15. Mai. Das Staatsdepartement hat dem zum Generalkonsul in Wien ernannten Herrn Max Judd mitgetheilt, daß er keinerlei ihm ungünstige Mittheilung von der österreichischen Regierung erhalten habe, und man glaubte auch nicht, daß dieselbe einen Widerspruch gegen die Ernennung erheben werde. Herr Judd wird nun wahrscheinlich nach Wien abretsen. Vermischtes. < Prag, 9. Mai. In der gestrigen Sitzung des böhmischen Landtages bezeichnete der jungczechische jüdische Abgeordnete Jnwald den Wiener Antisemiten Schneider als den Urheber der Koliner Ausschreitungen. Der antisemitische Jungczeche Schild erwiederte, die Ursache der dortigen Ausschreitungen sei das herausfordernde Deutschreden der Juden. (Sl nach werden die Juden in Oesterreich ihres Deutschthums wegen und in Deutschland als „Nichtdeutsche" verfolgt. Feuilleton. > Die drei Kronen. < Von H. Berger. (Alle Rechte Vorbehalten.) (Fortsetzung.) Noch immer setzte der junge Mann seine Wanderung durch das Zimmer fort. Seine dunklen Angen leuchteten, seine Lippen zuckten, seine Brust arbeitete schwer. Da klopfte es an die Thüre; er hörte es nicht. Wiederum klopfte es und als noch keine Antwort erfolgte, wurde die Thüre geöffnet und ein kleines Mädchen trat herein. „Herr Curiel," sprach sie, „Mama läßt Sie bitten, einen Augenblick hinüberzukommen; Alfred ist nicht wohl." Noch ehe das Kind ausgesprochen hatte, war der junge Mann auf dem Wege zur Mutter der Kleinen. Es war ein kleines, halbdunkles Zimmer, in welches er eintrat, dürftig möblirt, doch herrschte peinliche Ordnung und Reinlichkeit in jeder Ecke. Auf einer gepolsterten Bank saß eine noch junge, sehr hübsche Frau. Ein kleiner Knabe von ungefähr vier Jahren saß auf ihrem Schoße und lehnte sein Köpfchen müd? an die Brust der Mutter. Seine Augen glänzten im Fieber und seine Händchen zuckten nervös hin und her. Als der junge Mann eintrat, flog es wie Sonnenschein über sein hübsches Gesicht und sein heißes Händchen streckte sich ihm entgegen. „Ah, Herr Curiel," begann die Mutter, „entschuldigen Sie, wenn ich Sie bemüht habe. Mein Alfred ist plötzlich ganz unwohl geworden." „Bitte recht sehr", entgegnete Curiel nähertretend. Er nahm das Händchen des Knaben und fragte ihn: „Et, ei, was fehlt Dir denn, mein Junge? Wo thut's denn weh?"