Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1893-05-25 · Heft 42 (25.5.1893) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 42 (25.5.1893)
Date
1893-05-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2448315-2448355--36398-2484423
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

788 Zeit«ngS«achrichteu ttttb Correfpoudeuze«. Deutschland. Frankfurt a. M. Die Frankfurter Zeitung berichtet: Unser 8-Gerichts-Referent theill eine in der heutigen Sitzung des Frankfurter Schöffengerichts gefällte Entscheidung über den Milchverkauf am Sonntag mit. Ein Milchhändler mit einer Kundschaft von 30—40 Abnehmern befindet sich am Sonntag nicht immer in der Lage, durch seine Leute vor Ablauf der erlaubten Zeit (S1/» Uhr) Alles besorgen zu lassen. Sie überschreiten die Frist bisweilen um eine halbe oder ganze Stunde. Ein solcher Händler erhebt heute Einwand gegen einen amtsrichterlichen Strafbefehl, der auf M. 5 lautet. „Es ist mir nicht um die paar Mark," erklärt er. „Aber ich bin ein Jude und verkaufe am Samstag keine Milch. Nun will ich durchaus nicht haben, daß meine christlichen Mitbürger glauben sollen, daß ich den gesetzlichen Schutz des Sonntags nicht respekttre. Nur darum habe ich Berufung eingelegt." Er erklärt ferner, daß er seinen Leuten ausdrücklich und streng verboten habe, am Sonntag nach 8lj2 Uhr sich noch mit Milch auf der Straße sehen zu lassen. Wenn sie nicht bis dahin mit dem Absatz der Milch fertig seien, so sollten sie zur gehörigen Zeit den Vertrieb abbrechen. Das Gericht glaubt aber aus den Zeugenangaben entnehmen zu können, daß es dem Angeklagten mit dem Verbot nicht so ganz Ernst gewesen und daß er niemals mit Strenge gegen einen der Säumigen eingeschritten sei, zumal er am Samstag nicht arbeite. Es bleibt daher bet der Strafe, -pp wnp» onnue tyi Frankfurt a M., 24. Mai. Am nntc vor mjna» wurde der neuerbaute Hörsaal der Israel. Religionsgesellschaft in Benutzung genommen und eine kleine Feier damit verbunden. In diesem Saale sollen von nun an die sabbatlichen Lehrvorträge des Herrn Rabbiner Dr. Breuer »"j abgehalten werden. Bis jetzt fanden solche in. dem Gemeindehause und zwar in drei geräumigen in einander gehenden Zimmern statt. Das Gemeindehaus ist das erste von der Religionsgesellschaft erworbene Immobil und fand in demselben s. Z. zunächst der Gottesdienst statt. Als eine Synagoge erbaut und der Gottesdienst in dieselbe verlegt war, wurde das Gemeindehaus als Schulhaus für die Realschule benutzt. Diese Schule, welche mit 3 Elasten und 87 Schülern und Schülerinnen eröffnet wurde, vergrößerte sich so rasch, daß das Gemeindehaus nicht mehr ausreichte, es mußte deßhalb das Nachbarhaus angekauft und mit dem bestehenden Gebäude vereinigt werden. Allein auch diese neue Erwerbung reichte mit der Zeit nicht mehr aus, es wurde für die Realschule ein neues Schulhaus erbaut, welches man Ende 81 bezog. Die frei gewordenen Lokalitäten im Gemeindehaus wurden der neu gegründeten Volksschule eingeräumt. Nach zehn Jahren waren solche auch für diese zu enge geworden, und auch für diese wurde ein neues Schulhaus nothwendig. Die dadurch abermals frei gewordenen Räume wurden der mw, vielen nnan, Lehrvereinen und vor Allem den Lehrvorträgen des Herrn Rabbiner gewidmet, bis sie für diesen Zweck abermals zu klein wurden. Trotzdem die Hitze fast unerträglich geworden, war der Andrang zu diesen Vorträgen so stark, daß die Leute aufs engste standen nnd Viele keinen Einlaß finden konnten. Es war demnach die Errichtung dieses Gebäudes ein dringendes Bedürfniß. Als ein glücklicher Umstand muß es betrachtet werden, daß das Haus neben der Synagoge einen großen Garten besaß, so daß nach Erwerbung dieses Grundstücks das Saalgebäude in unmittelbarer Nähe der Synagoge und von deren Vorsaal aus zugänglich, errichtet werden konnte. In die unteren Räume des Gebäudes wurde die Mazzothbackanstalt verlegt, es wurden auch für diese große und geeignete Räumlichkeiten gewonnen, wie sie vielleicht keine ähnliche Anstalt besitzt. So dient das Gebäude mannigfachen religiösen Zwecken. Der Saal hat eine Länge von 15, eine Breite von 11 Meter und dürfte sich den anderen hiesigen öffentlichen Sälen würdig an die Seite stellen lassen. Nicht, daß derselbe sehr reich geschmückt und darin ein großer Luxus entwickelt sei, nein, durch eine edle und geschmackvolle Einfachheit, durch einen stylvollen Ernst wirkt derselbe mächtig auf den Besucher und was die Hauptsache ist, die Akustik ist eine vorzügliche. Im Saal selbst sind bei ausreichenden Gängen 250 Stühle ausgestellt, auf der Empore werden noch 50 bis 60 Platz finden. Bei der Feier, die bald nach Beendigung des Morgengottesdienstes stattfand, war der Saal dicht gefüllt, das Synagogencomite hatte die Handhabung der Ordnung übernommen. Als das Publikum beisammen war, wurde der Herr Rabbiner vom Vorstände eingeführt, worauf Vorsänger und Chor non »a — nn ^>ip ansttmmten. Dann hielt ein Vorstandsmitglied eine Ansprache, worin er allen denen, die sich um den Bau verdient gemacht hatten, besonders dem Gönner, der durch eine größere Schenkung den Erwerb des Hauses ermöglicht hatte, den Dank der Religionsgesellschaft mit warmen Worten aussprach. Sodann begann Chasan und Chor n'an raun yw -hotd worauf die Rede des Herrn Rabbiner folgte, die zu scizziren der Raum nicht genügt, die aber eine allgemeine Begeisterung erweckte. Darauf folgte der Schlußgesang ranpa m^>n.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.