Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 38 (11.5.1893)
- Date
- 1893-05-11
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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DWWWWWWWSM? ’«• »i-. -■ ' 727 ekntrat, obwohl er damals bereits verheirathet war, Beziehungen zu einer jüdischen Erzieherin anknüpfte, die sich schon in Bälde sehr intim gestalteten. Die junge Dame wußte natürlich. nicht, das; Ehren- Schwennbagcn Nicktjilde und verheirathet war; auch war dieser zartfühlend genug, ihr davon keine Mittheilnng zu machen. Mit Hülfe dieses Mädchens, welches die nothwendigen Geldmittel und vor allen Dingen einen unbescholtenen Namen bergab, über den damals Schwennhagen schon längst nicht mehr verfügte, begründete er ein journalistisches Korrespondenzbureau. Das Unternehmen ließ sich gut an und Schwennhagen versprach — als verheiratheter Mann und Bater von zwei Kindern — seiner Mitarbeiterin die Ehe. Mit der Zeit aber wurde das Verhältniß ihm lästig. Er sann auf Mittel und Wege, um sich von dem Mädchen frei zu machen — da entdeckte er denn mit einem Male sein antisemitisches Herz. Da er zu gleicher Zeit eine Stelle in der Redaktion der „Kreuzzeitung" erhielt, brach er mit derjenigen, die er bisher „Braut" genannt hatte und schrieb ihr einen Bncf. worin er mittheilte, daß er sie unmöglich heirathen könne, weil sie — Jüdin sei. Die Edelsten der Nation, welche der „Kreuzzcitung" das Gepräge ererbter Geistlosigkeit auf drücken, die Nachfahren der alten Stegreifrittcr, fühlten sich selbstverständlich mächtig htugezogen zu Ludwig Schwennhagen, dem modernen Schnapvhahn, der sich gar trufflich darauf verstand, den Leuten aus dem Stegreif die allertollsten Geschichten über die Juden und ihre angeblichen Rasseneigenthümlichkeiten, über ihre Unmoral und ihre sonstige Nichtsnutzigkeit zu erzählen. Daß der hoffnungsvolle junge Mann eine Redakteurstclle bei dem konservativen Blatte bekleidete, verlieh ihm wiederum ein gewaltiges Ansehen, unter den Antisemiten. Von da an trat er auch in der Agitation mehr und mehr in den Vordergrund. Er war der Verfasser der gefälschten Talmudauszüge, er war es auch, der im Verein mit dem ebenso ehrenwerthen GeschäftsEhristen Paulus Meyer, einem schlecht getauften Juden, die Lüge von dem Blutritual der Juden in der unverschäm testen Weise öffentlich kolportirte. Er wurde deshalb öffentlich „Lügner", „Verleumder" und „Ehrabschneider" genannt und aufgefordert, gegen denjenigen, der ihni diese ehrenden Bezeichnungen beilegte, die Verleumdung? klage anzustrengen — er sammelte auch zu diesem Zwecke mehrere hundert Mark, da er sich angeblich darauf freute, vor Gericht den Beweis dafür zu erbringen, daß thatsächlich die Juden des Christenblutes zu ihren Osterbroten bedürften, geklagt aber hat er nicht. Der Lügner, der Verleumder und der Ehrabschneider bleiben also auf ihm sitzen. Auch in einem andern Falle noch hat Ehren- Schwennhageu nicht geklagt. Der Prediger Lion Wolf in Fürstenwalde hat nach einer gemeinen Hetzrede, die Schwennhagen in Fürstenwalde gehalicn, den vorhin umrißweise beschriebenen Lebenslauf dieses neuesten Vertreters arischer Moral in der Zeitung veröffentlicht und wiederum erklärte Schwennhagen, daß er sein Recht vor Gericht suchen werde. Er muß aber doch an der Unparteilichkeit der„verjudeten" Rechtsprechung ernste Zweifel hegen; denn Herr Lion Wolf wartet noch immer vergebens auf die Klage Zustellung. Dagegen soll die „Kreuzzeitung" mittlerweile dem Schwennhagen den Stuhl vor die Thür gesetzt haben, auch mußte er unlängst in öffentlicher Versammlung erklären, daß er sich von dem Antisemitismus zurückziehe. Er fügte damals hinzu, daß er dies deßhalb thue, weil diese Bewegung ihm zur Zeit völlig aussichtslos erscheine. Und nun taucht dieser viel genannte Mann wieder auf und errichtet auf dem antisemitischen Jahrmarkt eine Euthüllungsbude gleich Ahlwardt. Dabei ist er in jeder Hinsicht leistungsfähiger als dieser. Ahlwardt „enthüllte", daß die deutsche Nation durch Juden und Judengenossen um hunderte von Millionen betrogen worden sei, Schwennhagen aber thut's unter Milliarden und aber Milliarden nicht. Die Rede, die er dieser Tage in einer Versammlung des deutschffozialcn antisemitischen Vereins Berlin-WZteu gehalten hat, ist durch die Presse veröffentlicht worden; ich brauche also auf ihren Inhalt hier nicht näher einzugeheu. Mit Schwennhagen verglichen ist Ahlwardt nur ein Stümper; denn Schwennhagen gibt sich n'cht mit Kleinigkeiten ab. Er geht gleich aufs ganze und „beweist" seine Behauptungen, indem er sie in Form eines gedruckten Flugblattes den Versamnilungsbeiuchern mir nach Hause gibt. Da Schwennhagen auch den Finanzminister Miguel des Diebstahls en gros beschuldigt hat, wird er wohl denrnächst eine erbauliche Rolle als Anklagebanguier zu spielen haben. Daß er bereits in den achtziger Jahren in Frankfurt a. M. wegen Zechprellerei verurtheilt worden ist, wird ihm dabei wesentlich zu statten kommen. Es ist immer gut, wenn ein Mann von der politischen Bedeutung Schwennhagen's auf der Anklagebank einige Lokalkenntnisse besitzt. Zeitungsnachrichten und Correspoudeuzeu. Deutschland. Wrefchen, 13. Mai. (Auswanderung. Israelitischer Armenunterftützungsvercin.) Mit dem Be-