Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 38 (11.5.1893)
- Date
- 1893-05-11
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448315-2448352--36327-2484349- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
gtnn der günstigen Jahreszeit beginnt hier wieder die stärkere Auswanderung namentlich unter dem Landvolke. Ganz erloschen ist sie hier auch im schwersten Winter nicht, trotzdem die meisten der nach Amerika Ausgewanderten doch so schlimme Erfahrungen gemacht haben. — Auf Anregung einiger Gemeindemitglieder wurde s. Z. in der hiesigen israelitischen Gemeinde ein Armenunterstützungsverein behufs Beseitigung der Hausbettele: gegründet, die zumal in unserer Grenzstadt in allzu häufiger regelmäßiger Wiederkehr seitens würdiger und unwürdiger Bittsteller aus den benachbarten russisch-polnischen Distrikten geübt wurde. Abgesehen davon, daß solche professionsmäßige Hausbettelei entwürdigend und entsittlichend auf die Empfänger der Gaben wirkt, führt dieselbe durch häufig vorkommende Verhaftung der Bettler zu mancherlei Unzuträgltchkeiten. Die Mitglieder des Vereins zahlen einen regelmäßigen freiwilligen Beitrag zur Vereinskasse, aus welcher die Armen nach Prüfung ihrer Bedürftigkeit und Würdigkeit unterstützt werden. Das Vereinsstatut macht es den Mitgliedern zur Pflicht, den einzelnen Bittstellern selbst keine Geldspende zu verabreichen, dieselben vielmehr an den Vorstand zu verweisen, wohingegen es Jedem freigestellt ist, nach seinem Ermessen den Armen besondere Gaben durch Vermittelung des Vereiusvorstandes zu verabreichen. Der Verein, welcher gegenwärtig 85 Mitglieder mit einem Monatsbeitrage von ca. 100 Mark zählt, hielt vor Kurzem seine Generalversammlung ab. Aus dem von dem Vorsitzenden erstatteten ausführlichen Bericht über die Thätigkeit des Vereins war zu ersehen, daß derselbe auch im abgelaufenen Rechnungsjahre eine überaus segensreiche Wirksamkeit entfaltet hat. Es sind Unterstützungen von zusammen etwa 1500 Mark verabfolgt worden. Der Verein erfreut sich in der Gemeinde allseitiger Sympathieen. Oester.-Ungar. Monarchie. Budapest, 4. Mai. Eine Deputation der Landesvertretung der orthodoxen Inden sprach heute beim Cultusminister Grafen Albin Csaky vor, um ihm für die äußerst liberale und gerechte Motivirung zu der Vorlage über die Rezeption der Juden ihren Dank auszusprechen. Im Namen der Deputation, die aus den Mitgliedern der orthodoxen Durchführungs Kommission und zahlreichen Oberrabbtnen bestand, richtete der Abauj Szantocr Oberrabbiner Leopold Lipsitz eine Ansprache an den Minister, in welcher er dem erhebenden Bewußtsein Ausdruck gab darüber, daß der Leiter der Culrusverwaltung sein höchstes Bestreben der Förderung der kulturellen Interessen widmete und frei von jedem Vorurtheile, sich von reinem Liberalismus leiten läßt. Die jüdische Konfession hat keine hierarchischen Bestrebungen und will nur, daß ihre Autonomie nicht als Stufenleiter für die Machtinteressen Einzelner, sondern zum Wähle der Glaubeusgemeinden dienen solle, und düse Interessen möge der Minister auch in Zukunft vertheidigen. Minister Graf Csaky antwortete hierauf nach „Zzid. Hir.“ Folgendes: Meine geehrten Herren! Empfangen Sie meinen Dank für Ihr Liebenswürdiges Erscheinen. Mein Bestreben war stets dahin gerichtet, gerecht zu sein. Ich pflege mich nicht zu übereilen, sondern überlege das, was ich verspreche, vorher wohlweislich, und wenn ich mich entschlossen habe, etwas zu thun, was ich meiner besten Ueberzeugung nach für richtig halte, kann man mich darin nicht wankend machen. Seien Sie überzeugt, daß ich so wie bisher auch in Hinkunft gerecht und billig sein werde. Sie haben der Pflicht gegen das Vaterland stets in jeder Hinsicht tadellos entsprochen und bin ich überzeugt, daß Sie in Hinkunft auch Gelegenheit haben werden, Ihrem Pflichtgefühle gegen das Vaterland noch in gesteigertem Maße Ausdruck zu geben. Empfangen Sie nochmals meinen Dank für Ihr liebenswürdiges Erscheinen. (Begeisterte Eljenrufe.) Vermischtes. < Landsberg a. d. W., 4. Mai. In Woldenberg im Reichstags-Wahlkreise Arnswalde-Friedeberg hat der antisemitische Verein den Reichstags-Abgeordneten Ahlwardt aufgefordert, sein Reichstagsmandat niederzulegen. (Die „Staatsbürgers." bezeichnet diese Nachricht als unwahr. Red.) _W Anzeigen. _ Für den folgenden Theil ist die Redaetion nicht verantwortlich. *11 S.&D.LttWENTHALSilberwaaren Frankfurt a. M., Zeit 25, Israel. Cultusgegenstände. 1075