Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 38 (11.5.1893)
- Date
- 1893-05-11
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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726 seine technischen Studien und erhielt auch an der dortigen Ingenieurschule 1885 sein Diplom, es war dieses ein solches mit Vorzug, als Architekt. Herr Muggia hat schon an drei solchen Concursen theilgenommen und ging überall als Sieger ans dem Wettkampfe hervor. So betheiligte er sich 1887 an dem Coucurse der Stadt Bologna zum Bau eines Theaters füe 3000 Zuschauer, 1888 am Coucurse eben derselben Stadt zur Anlegung eines großen Platzes und jetzt wieder an dem Coucurse zum Bau eines Tempels in unserer Stadt, Nach dem Bauplane des Herrn Muggia wird unser neuer Tempel viele Aehnlichkeit mit dem salomonischen Tempel» so wie er in dem Buche der Könige und in den Chroniken beschrieben ist, haben. So wird der Tempel eine von einer Laterne gekrönte Kuppel besitzen, die rechts und links von einem Thurme flankirt sein wird. Ich will hier bemerken, daß der Kuppelbau schon bei den assy rischen und babylonischen Architekten im Gebrauche war und nicht erst von den christlichen Architekten erfunden wurde. Zum besseren Verständniß Ihrer geehrten Leser lege ich hier sogleich einen Abriß von dem Tempel bei, wie er nun hier nach den Plänen des Herrn Muggia erbaut werden soll. Der Tempel wird zwar gänzlich isolirt dastehen, aber doch von einem Komplexe von Gebäuden umgeben sein, in denen sich die Amtsbureaux der Gemeinde, die Religionsschulen k. 2c. befinden werden. Der eigentliche Tempel ohne seine Nebengebäude wird eine Fläche von 87,400 Quadratmeter bedecken und in drei Schiffe getheilt sein, von denen das mittlere 1400, bie beiden Nebenschiffe dagegen je 700 Meter breit sein werden. Im mittleren Schiffe werden sich vier Säulen erheben, welche die Wölbung tragen werden. Oestlich von der Wölbung wird dann ein Triumphbogen stehen, in dem sich die Bundeslade befinden wird. Die drei Schiffe zusammen werden tausend Andächtige fassen können, die alle von ihren Plätzen aus eine gute Aussicht haben werden. Die Kosten des ganzen Baues dürften sich auf nahezu eine Million Lire belaufen Sobald nun die Cultusgemeinde mit der Stadt wegen Ueberlassung eines geeigneten Bauplatzes einig sein wird, wird mit dem Bau unverzüglich begonnen werden. Mit dem Bau dieses Gotteshauses wird die Stadt Rom, in der einst die heidnische und später wiederum die christliche Baukunst herrliche Denkmäler geschaffen haben, die noch heute die Bewunderung und das Erstaunen der Welt erregen, auch ein Denkmal jüdischer Baukunst erhalten, das ebenfalls großen Beifall finden wird. Aus der antisemitischen Arena. □ Berlin, ». Mat. Ich habe Ahlwardt zwar keine Vorschriften zu machen, aber einen guten Rath will ich ihm doch ertheileu. Möge er sich in acht nehmen, es droht ihm eine gefährliche Konkurrenz zu erwachsen. Es hat sich ein Manu gefunden, ein Antisemit vom schmutzigsten Wasser, der ihm im Enthüllen bedeutend über ist. Und dieser Mann nimmt ebenfalls nur 20 Pfennige pro Borstellungsabend. Es sollte mich nicht wundern, wenn er demnächst nicht auf 16 Pfennige Entree herunterginge und dadurch seinen Konkurrenten Ahlwardt völlig matt setzte. Der Nacheiferer Ahlwardts heißt Ludwig Schwennhagen. Er ist auch den Lesern des „Israelit" schon längst bekannt, denn seit Jahr und Tag spielt er bereits in der antisemitischen - Bewegung eine merkwürdige Nolle. Doch hat er bisher nicht eigentlich in „Enthüllungen" gemacht, sondern sich vielmehr darauf beschränkt, dem „arischen" Pöbel, der seine Versammlungen besuchte, den Talmud und Schulchan Aruch in mundgerechter Fassung zu verzapfen und ihnen dann und wann, gewissermassen als Zugartikel, einen „Ritualmord" vorzulegen. In diesen beiden Artikeln hat Schwennhagen eine Zeit lang sogar einen ziemlich bedeutenden Geschäftsumsatz erzielt, von dessen Ertrag er so anständig lebte, wie dies überhaupt einem antisemitischen Matador möglich tit. Doch es kann der Frömmste nicht im Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt. Die geschäftlichen Erfolge Schwennhagens und die Reklame, welche in der antisemitischen Presse für ihn gemacht wurde, hatten zur Folge, daß man auf den talentvollen Jüngling aufmerksam wurde und daß neugierige Leute seiner Vergangenheit ein ganz klein wenig nachforschten. Da stellten sich denn gar nette Dinge heraus. Ludwig Schwennhagen war nach einander freireligiöser Sprecher, sozialdemokratischer Agitator, Poltzeispion, Lockspitzel und Auswanderungsagent gewesen. Als freireligiöser Prediger und sozialdemokratischer Agitator hatte er sich innig an die Leute angefreundet, die er später für ein Judasgeld an die Polizei verrieth, und als Auswanderungsagent verlockte er militärpftichtige junge Leute erst zum Auswandern, um sie daun, wenn sie Hamburg oder Bremen erreicht hatten, der Polizeibehörde — natürlich wiederum gegen ein angemessenes Schriftstellerhonorar — zu denunziren. Daher auch der Name Schriftsteller, den der Bursche sich beilegt. Des Weiteren stellte ein gelehrter Schwennhagen-Forscher fest, daß dieser hoffnungsvolle junge Mann, bevor er in die antisemitische Bewegung