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Der Israelit · 1893-05-11 · Heft 38 (11.5.1893) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 38 (11.5.1893)
Date
1893-05-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
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7L2 dann kann Königsberg uns freilich nicht viel Einbuße zufügen, aber immerhin werden unzählige Verbindungen gerissen sein, die sich nur allmählich wieder zusammenknüpfen lassen. Riga. Eine für viele jüdische Familien, welche den Strandort Dubbeln zum Sommeraufenhalt zu wählen gewohnt sind, bedeutsame Maßregel steht bevor, da, wie der „Düna-Ztg." von administrativer Seite mitgethetlt wird, die Berechtigung zum Aufenthalte in Dubbeln für Juden während der bevorstehenden Sommersaison bedeutend eingeschränkt werden soll. Durch Wilna reisen fast 300 Personen täglich, um nach Nordamerika zu gehen; die meisten sind bemittelt und mit Reisekosten versehen. Aus Jagur, Gouvernement Podolien, wird verschiedenen Zeitungen gemeldet, daß viele jüdische Familien die Stadt zu verlassen beschlossen haben, um nach Amerika zu übersiedeln. Ihr einziges Ziel ist, dort mit Ackerbau sich zu beschäftigen, und zu diesem Zwecke haben sie einen rüchltgen Landwirth nach Amerika geschickt, damit er Land zur Anlegung einer Kolonie ankaufe. Asien. Bokhara, im April. Unser Emir hat bekanntlich vor Kurzem in Petersburg geweilt, um sich dort seinem Schutzherrn, dem Czaren, vorzustellen. Während seiner Anwesenheit nun in dieser Stadt traf hier über London die telegraphische Meldung ein, daß ein Berliner Blatt meldete, unser Emir habe sein Land für fünf Mill. Rubel an Rußland verkauft, und werde er daher gar nicht mehr hieher zurückkehren, sondern von Petersburg aus nach der Krim gehen, um dort seinen bleibenden Wohnsitz zu nehmen. Unter den Juden hier entstand ob dieser Nachricht eine große Aufregung, da es ihnen unter den jetzigen Umständen nicht genehm wäre, unter die Herrschaft Rußlands zu kom men, denn dieses würde sicherlich die Abgaben bedeutend erhöhen und unserem Oberrabbiner die Gerichtsbarkeit über seine Glaubensgenossen nehmen. Wie groß war daher deren Freude, als sie hörten, daß die Meldung des Berliner Blattes ganz unbegründet sei, und daß der Emir in den nächsten Tagen schon wieder in seiner Hauptstadt eintreffen werde. Sie beschlossen daher, demselben bei seiner Ankunft hier einen festlichen Empfang zu bereiten. Fast alle Juden hier waren auf den Beinen, als der Emir, gefolgt von seinen Ministern, vom Bahnhofe hier in die Stadt fuhr und tönten ihm aus Tausenden von jüdischen Kehlen freudige Bewillkommnungsgrüße entgegen. Nun weilt unser Emir wieder in unserer Mitte und wir brauchen nicht zu fürchten, daß wir Russen sein werden. In früheren Jahrhunderten hat es in Bokhara viele jüdische Krieger gegeben — einer Sage zufolge sollen einst bei der Verteidigung Samarkands zweitausendvierhundert Kohanim gefallen sein — dieselben bildeten aber stets eigene Regimenter, so daß sie auch unter den Waffen ihre religiösen Pflichten gehörig erfüllen und auch die Speisegesetze strenge befolgen konnten. Feuilleton. > Die drei Kronen. < Von H. Berger. (Alle Rechte Vorbehalten.) (Fortsetzung.) VIII. Im Hause Benjamin's ging alles seinen gewohnten Gang. Nachdem Jona sich entfernt hatte, war Rahel mit ihrem Vater in den Garten gegangen. Während sie eine leichte Arbeit verrichtete, plauderte sie mit dem Vater, der im bequemen Sessel in der Laube saß. „So ist der Lauf der Welt", sprach er; „zuerst quält man sich mit den Kindern, bangt und sorgt um sie und wenn sie groß und erwachsen sind, verlassen sie die Eltern; sie stehen im Alter wie in der Jugend wieder allein da." „Nun, Väterchen," versetzte Rahel, „wenn ich mich einmal verheirathe, so gehst Du mit mir. Du sollst in Deinen alten Tagen nicht allein sein." Benjamin lächelte und sprach: „Ich danke Dir für Deinen guten Willen, mein Kind. Das hängt aber nicht von Dir allein ab. Da hat Dein künftiger Mann auch ein Wörtchen mitzusprechen." „Gewiß, Vater", entgegnete Rahel; „aber das erste Wort in dieser Sache habe ich zu sprechen und das werde ich sprechen, ehe ich mich verlobe und das wird die Frage sein: Willst Du mit mir auch mein Väterchen in's Haus nehmen, denn ohne meinen Vater bin ich nicht zu haben." „Das wird Manchen zurückschrecken, meine Rahel." — „So laß ich Jeden laufen, der nicht für mein Väterchen ein behagliches Plätzchen im Hause hat, auf dem er seinen Lebensabend glücklich und sorgenfrei verleben kann. Aber ich weiß es im Voraus; der, dem ich mich verlobe, hat Dich ebenso lieb wie ich und ist glücklich, wenn Du bei ihm leben magst." „Nun, nun, das sollte kein Grund sein, eine sonst annehmbare Parthie abzulehnen. Ich könnte ja bei einem Deiner Brüder —"

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