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Der Israelit · 1893-05-11 · Heft 38 (11.5.1893) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 38 (11.5.1893)
Date
1893-05-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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721 leider nicht. Im Uebrigen hatte der Herr die Güte, sehr scharf mit den Nationalliberalen und dem Fortschritt ins Gericht zn gehen und besonders das Verhalten dieser Parteien in der Judenfrage zu verurtheilen; die Nationalliberalen verdienten nach seiner Erklärung überhaupt nicht mehr zu bestehen. Eine Kommission von drei Männern soll ein Programm ausarbeiten, ans das wir ganz besonders gespannt sind. (Herr Astfalck ist derselbe, der jüngst einige antisemitischen Broschüren herausgegeben und eine Vorrede dazu schrieb, in der er sagte, daß er ein Judenfreund sei. Mau kann sich demnach einen Begriff von der Thätigkeit dieses H^rrn, der im Privatleben, so viel wir wissen, Schiffsagent ist, machen Red. d. „Jsr.") Oesterr. - Unga r. Monarchie. Trieft, 1. Mai. Daß man auch in unserer dem materiellen Erwerb so ergebenen Handels- und Hafenstadt nun paio (die Thora unter Israel verbreiten) kann, davon hat der hier lebende nominelle Oberrabbincr Vittorio Castiglioni einen deutlichen Beweis geliefert. Derselbe hat nämlich schon vor Jahren zu Fromm und Nutzen der italienisch-israelitischen Jugend den Plan gefaßt, die ruttra mo nm (sechs Tractate d r Mischna) ins Italienische zu übertragen, und schritt er auch bald an die Ausführung seines frommen Vorhabens. Nun ist der erste Band dieser Arbeit, welcher den Tractat Berachot umfaßt, erschienen. Die Uebersetzung wird als eine allgemein gelungene geschildert. Der Autor hat seiner vortrefflichen Arbeit auch eine rivipri (Einleitung) in italienischer Sprache beigegeben. Eine Menge von Anmerkungen, die sich unter dem Texte befinden, werden das Studium dieses Buches sehr erleichtern. Tropparr, 1. Mat. Gestern Abends wurden in der Bahnhofstraße Juden von Antisemiten angerempelt und beschimpft, worauf ein blutiger Kampf entstand. Der Beamte Belak, ein Jude, wurde zur Erde geworfen und mit Faustschlägen so tractirt, daß er aus Mund und Nase blutete. Es kam zu einem großen Menschenauflauf. Ehe die Polizei kam, entrann der Attentäter; während er in der Stadt gesucht wurde, war er nach Wien abgereist. Er soll ein bekannter antisemitischer Buchhändler aus Wien fein, welcher anläßlich des vorgestrigen antisemitischen Bürgerfestes hier weilte. Nachts fand ein Zusammenstoß zwischen Antisemiten und Offizieren statt, wobei Letztere sich gezwungen sahen, den Säbel zu ziehen. Ein Buchhalter Namens Neuß er wurde verwundet. Beide Excesse find betrübende Folgen des Bürgerfestes, bei welchem der Haß gegen die Inden gepredigt wurde. Kuttenberg, l. Mai. Die Verhandlung gegen jene neunzehn Personen, welche wegen der Koltner Judenexcesse vor dem Kuttenberger Kreisgerichte angeklagt waren, wurde gestern beendet. Sämmtliche Angeklagte wurden schuldig gesprochen, und zwar wurden verurtheilt: Sechs Personen wegen des Verbrechens der öffentlichen Gewaltthätigkeit, wegen des Vergehens des Auflaufes und einer auch wegen boshafter Beschädigung fremden Eigcnthums zu schweren Kerkerstcafen in der Dauer von einem bis zu zehn Monaten. Die andern dreizehn Angeklagten wurden wegen Auflaufes, darunter einer auch wegen Wachebeleidigung zu Arreststrafen von fünf Wochen bis drei Tagen verurtheilt. Bulgarien. Sofia. Herr Rabbiner Dr. Grünhut in Jungbunzlau (Böhmen) wurde zum Oberrabbiner Don Bulgarien erwählt. Palästina. Jerusalem. Ein britischer Konsularbeamter schreibt von hier, daß die der Einwanderung von Juden in Palästina in den Weg gelegten Hindernisse andanern. Im übrigen seien die Schätzungen der in Palästina lebenden Juden stark übertrieben. In Jerusalem lebten nicht mehr als 25—30,000 Juden und tn ganz Palästina nicht mehr als wie 43000, während bisher die Zahl irrthümlich mit 100—150,000 angenommen wurde. Rußland. St. Petersburg, im Mai. Die antisemitische „Petersburger Ztg." ist genöthigt Folgendes zu schreiben: Unserem Libauer Handel steht allem Anschein nach ein schwerer Schlag bevor, denn, wie es heißt, sollen etwa zwei Drittel der hier ansässigen Hebräer im Laufe des Jahres Libau verlassen müssen. Auf den jüdischen Päffen sind einstweilen bereits die bezüglichen Vermerke gemacht worden, doch liegt eine offizielle Verfügung tn dieser Angelegenheit in der „Kurl. Gouv.-Ztg." noch nicht vor. Hoffentlich werden die Ausweisungen nicht so plötzlich und einschneidend gehandhabt werden. So unangenehme Konkurrenten die Juden vielfach auch sind, so haben sie sich doch in unserem Handel meist in rühriger und umsichtiger Weise bethätigt und wenn heute ein paar hundert jüdische Kommissionäre Libau verlassen müssen, so kann man mit Bestimmtheit darauf rechnen, daß sie alle schon wenige Tage später in Königsberg sitzen und die Fäden ihrer mannigfaltigen Beziehungen dorthin zu dirigiren suchen, wobei ihnen der in Aussicht stehende russisch deutsche Handelsvertrag die besten Dienste leisten würde. Kommt der Vertrag nicht zu Stande,

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