Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 38 (11.5.1893)
- Date
- 1893-05-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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720 ZeitrrngS«achrichte» tsstb Correspovberrzeu. Deutschland. Mainz. Die Verlagsbuchhandlung von Calman Levi in Paris übersendet uns ein Werk des bekannten Nattonalökonomen Leroy-Beaulieu unter dem Titel „Israel chez les nations“. In der Vorrede sagt Leroy-Beaulieu: „Dieses Buch hat ein Christ und Franzose geschrieben. Frankreich muß seiner Tradition, der Gerechtigkeit und Freiheit treu bleiben, das ist die einzige Größe, der einzige Reichthum, die uns das Waffenglück nicht rauben kann. Der Antisemitismus entspricht weder unseren Prinzipien noch unserem Nationalgeist. Im Antisemitismus findet man alles Mögliche, Altes und Neues, Mittelalterliches neben chimärischem Sozialismus, reaktionäre Instinkte und revolutionäre Leidenschaften. Wir müssen wieder einmal gestehen, daß wir zuviel von der Vernunft erwartet, der Civilisation zu sehr vertraut hatten." Ferner heißt es in der Schrift: „Wenn alle Juden aus Frankreich verbannt, aus Europa verschwunden wären, Frankreich wäre darum doch nicht wohler. Der Antisemitismus täuscht und blendet uns und will uns glauben machen, das Hebel sei außerhalb unseres Körpers. Aber es ist in uns selbst." Leroy-Beaulieu's Buch zeigt weder günstige noch ungünstige Voreingenommenheit gegen die Juden, es behandelt die Judenfrage mit Kälte, aber von hohem Standpunkte. Wir hoffen auf den Inhalt dieses bedeutsamen Werks noch eingehend zurückkommen zu können. Gießen, 6. Mai. Der am 1. Mai verstorbene russische Ftnanzmann, Wirkt. Staatsrath A. Sack, wurde vorgestern auf dem hiesigen städtischen Friedhof beigesetzt. Am Grabe sprach Direktor Dr. Baerwald aus Frankfurt a. M. über die Verdienste des Verstorbenen, der stets der wärmste Fürsprecher unschuldig Verfolgter und der Anwalt seiner hartbedrängten Glaubensgenossen gewesen sei. Biebrich-Mosbach, 8. Mai. Dem Einsender des Artikels in erster Beilage Nummer 34 des „Israelit" diene zur Beruhigung, daß der im Rödelheimer Luach für V'nn gefundene Fehler bereits schon früher von mir entdeckt worden ist. Die Rüge soll doch wohl nicht allein den Herren Verlegern, sondern mehr noch mir, dem Verfasser, gelten, und habe ich daher als Rechtfertigung zu entgegnen: Die im besagten Luach zum Monate Tischri gegebene Anmerkung ist durch die Hand eines unberufenen Correctors entstellt worden und hat eigentlich folgendermaßen zu lauten: „Nach M. E. Z. sind 25 Minuten hinzuzurechnen bei rar wie auch bei nur wie." Uebrigens befindet sich diese Notiz nur in einigen wenigen Ausgaben der ersten Auflage und sind in der zweiten Auflage sämmtlicheZeitangaben im besagten Luach nach Mitteleuropäischer Zeit a u f g e st e l l t. Dr. S. Bär. Berlin, i. Mai. Mit Beginn des Sommersemesters sind sieben Hörer, ausnahmslos Deutsche, in das Rabbiner-Seminar neu eingctreten. Die Anstalt zählt gegenwärtig 53 Schüler, davon 40 Deutsche, 5. Oesterreicher, 7. Ungarn, 1 Holländer. Berlin, 8. Mai. Der Wahlaufruf der neuen „freisinnigen Volksparthei und der süddeutschen Volksparthei", unterzeichnet von Eugen Richter und Friedrich Payer ist erschienen und entnehmen wir demselben folgenden Passus: Der Kampf wird kein leichter sein. Im Dienst unserer politischen Grundsätze müssen wir gewappnet stehen wider die Gegner von Rechts und Links. Alle Bestrebungen, die staatsbürgerlichen Rechte eines Theils der Bevölkerung um der Abstammung, des Bekenntnisses und der politischen Ueberzeugung willen zu beeinträchtigten, werden in gleichem Matze zu bekämpfen sein, wie die Irrlehren, welche in der Beseitigung unserer Gesellschaftsordnung das Heil der Zukunft erblicken. Dessau, 25. April. Herr Dr. Max Freudcnthal aus Breslau ist gestern zum Rabbiner und Prediger der hiesigen Geminde und zum Landesrabbiner von Anhalt einstimmig gewählt worden. Köthen, 30. April. Am Geburtstage unseres Herzogs brachte der „Anhaltsche Staatsanzeiger" wieder viele Ernennungen und Auszeichnungen. Von den höheren Auszeichnungen sind nach unserer Stadt diesmal zwei gekommen, eine Oldensauszeichnung und eine Titelerhöhung — und es hat in antisemitischen Kreisen nicht geringes Aufsehen gemacht, daß beide auch in diesem Jahr an zwei Herren jüd. Confession gefallen sind, als wollte das nene Ministerium hierdurch gleich von vornherein seinen Standpunkt in besonderer Weise kennzeichnen. Leipzig, 12. April. (Teutoburger.) Die „M. N. N." schreiben: Leipzig ist am Sonntag die Wiege einer neuen Partei geworden. Sie nennt sich „Teutoburger Partei", hat aber mit Hermann dem Cherusker sonst nichts zu thun. Sie will vielmehr die Interessen des gewerblichen Mittelstandes vertreten. Der Hauptmacher scheint ein völlig unbekannter Herr Astfalck aus Köln zu sein. In seiner Rede legte er der „Kreuzzeitung" zufolge dar, wie die „Lösung der Judenfrage in ihrer sozialen Bedeutung der Ausgangspunkt für die Festigung des Mittelstandes werden müsse." Was diese dunkle Phrase besagen soll, verräth die „Kreuzzeitung"