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Der Israelit · 1893-05-11 · Heft 38 (11.5.1893) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 38 (11.5.1893)
Date
1893-05-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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719 sich tragen, führt den Juden zum Studium der Medizin. Anatomie und Physiologie. Zu den Pflichten der Leviten gehört der Gesang und die Instrumentalmusik, die thatsächlich eine Virtuosität erreichten, von der uns geradezu Wunderbares berichtet wird. Diese Anordnung führt zur Kenntniß und Vertiefung in Gesang und die Wtffenschaft der Musik. Die gebotene Vertheilung des heiligen Landes, die Bestimmung der Erubim mußten zur Kenntniß der Geometrie, Stereometrie und Mathematik führen. Das Verbot verschiedene Pflanzengattungen gemischt zu säen — — und die daran sich knüpfenden Bestimmungen, in wiefern die Nähe oder Entfernung der einzelnen Gattung dieselben gegenseitig beeinträchtigen — zu npu» — führt zum eingehenden Studium der Botanik. Zu welcher, fast alle menschliche Wirksamkeit und Handfertigkeit umfassenden, gründlichen Kenntniß führt nur das eine Werkverbot des Sabbat mit seinen 39 verschiedenen Thätigkeiten. Wie zeigen sich unsere großen, vielseitigen Weisen bei jeder einzelnen dieser Werkthätigkeiten als gründliche, umfassende Sach- und Fachkenner, sie mögen die Manipulation des Webens oder des Färbens, sie mögen landwtrthschaftliche oder naturwissenschaftliche Probleme zum Gegenstand haben. Alle diese Wissenschaften, in welcher der menschliche Geist seine größten Triumphe feiert, imponiren uns als die gigantischen Bergesriesen durch ihre Höhe und ihren unermeßlichen Umfang, während die einzelnen Bestimmungen unseres Lebensgesetzes, -wa und nstö, hdn und iroo klein und verschwindend im Vergleich mit jenen Bestrebungen erscheinen! Und sie sind das Haar, an welchem jene Berge hängen, welche alle Höhen und Tiefen menschlichen Wissens und noch vieles mehr in sich schließen! Welche grenzenlose Achtsamkeit muß das Studium erfordern, das alles Wissen und Können in solcher Weise in sich schließt. Und dieses Studium der Thora zieht den Juden nicht ab von der Welt, ihren Entdeckungen und ihren Erfindungen, ihren neuen Errungenschaften; es drängt ihn geradezu alles sich anzueignen, alles zu studiren und zu prüfen, und daran den Maßstab des Gottesgesetzes zu legen. Die Thora verbietet z. B. jede Art von Zins. Dieses Verbot nöthigt den Juden, das Verhältniß der Obligationen, Wechsel, Staatspapiere zu kennen, um danach zu beurtheilen, ob und in weit der Verkehr mit ihnen jenes Verbot berührt. Die Electrizität feiert ihre Triumphe. Das jüdische Religionsgesetz nöthigt seine Bekenner sich mit dieser Erfindung vertraut zu machen, um zu wissen, ob die Benutzung elektrischer Einrichtungen unter das Verbot der Feuerzeugung an Sabbat fällt, ob das elektrische Licht den Anforderungen entspricht, die das Gesetz an das Sabbatlicht stellt, ob es dafür verwendet werden kann oder nicht. So gibt es thatsächlich keinen Fortschritt, keine Erfindung des menschlichen Geistes, die nicht mittelbar oder unmittelbar das Leben der Juden berührt, mit den Anforderungen der Thora in Verbindung steht. Darf Jemand am Rofch-Haschonoh durch das Telephon den Schofar hören, der verhindert ist, diese Mtzwo in Gemeinsamkeit mit den Anderen zu erfüllen? Diese Frage wird Memand beantworten können, der sich nicht ganz sorgfältig über Einrichtung und Wesen des Telephon informirt hat und damit die einschlägigen Gesetzesbestimmungen vergleicht. Diese kurzen Andeutungen dürsten genügen, um die Achtsamkeit zu begründen, welche das Studium der Thora erfordert. Daraus ergibt sich aber auch die große Verantwortung für jedes Außerachtlassen dieser Achtsamkeit für die Thatsache, daß pni r6iy Tio^n rw, daß hier jede Fahrlässigkeit als geflissentliche Sünde angerechnet wird. Wenn ein Ingenieur eine Brücke, ein Haus baut und läßt sich dabei eine Vergeßlichkeit oder einen Jrrthum zu Schulden kommen, so zweifelt Niemand daran, daß derselbe für den ganzen Schaden aufkommen muß, den er angestiftet hat. Und hier sollte es anders sein? Jeder Jrrthum kann entschuldbar und verzeihlich sein, der Jrrthum, der aus Vernachlässigung der Achtsamkeit entspringt, die wir der Thora schulden, kann auf diese Nachsicht nicht rechnen. Es lag ja in unserer Hand, diesem Jrrthum vorzubeugen und achtsam zu sein, wo wir lässig und leichtsinnig waren. Rabbi Jehuda erklärt dies selbst an anderer Stelle: N'2^1 üj/ffB “in p N-nrr '2-> tmn rojuw D'DDn Dytffö Dp? “in Diwan apjp pun Dp Diwon npy’ n%2hi nunn nr6 wvi nn io!» nt.t un jm um nujw □.“& iffju nun» ♦int nViy “no^n naatw -inr „Sage meinem Volke sein Verbrechen und dem Hause Jakobs sein Vergehen. Mein Volk: das find die Thoragelehrten, ihnen werden Jrrthümer wie vorsätzliches Unrecht angerechnet. — Das Haus Jakobs: das sind die Unwissenden, ihnen wird das vorsätzliche Unrecht wie Jrrthum angesehen." Das ist's, was Rabbi Jehuda lehrte: Sei achtsam im Lernen, denn der Jrrthum im Lernen gilt als vorsätzliche Sünde. (Fortsetzung folgt.)

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