Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 37 (8.5.1893)
- Date
- 1893-05-08
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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711 nicht neben den von der Sozialdemokratie politisch vergifteten Arbeitermassen dem Antisemitismus die demagogische Verhetzung des mittleren Burger- und Bauernstandes gelingt. Wird dieser gleichfalls in eine blindwüthige politische Opposition hincingeveischt, so entstehen für unser öffentlichstes Leben die erntesten (Gefahren. Auch die sächsische Negierung, die bisher der antisemitischen Demagogie gegenüber eine sehr vorsichtige Stellung eingenounnen hat, wird sich dieses nicht verhehlen können." In Preußen giebt cs bekanntlich sogar Landräthe, die in öffentlichen Volksversammlungen nach berüchtigten Mustern treiben. Hamburg, 4. Mai. Gestern wurde, wie Ihnen bereits telegraphisch gemeldet, in Altona unter Betheiligung fast aller Wahlberechtigten Herr Rabbiner Dr. Deutsch ans Burgpreppach (Bauern) zum Oberrabbiner gewählt. Man kann der Wahlcommission die Anerkennung nicht vorenthalten, daß sie es verstanden hatte der Gemeinde drei durchaus würdige und geeignete Kandidaten zur engeren Wahl zu präsentiren und wie ein jeder dieser drei Herren es verstanden hatte, bei seiner Vorstellung, Wahlpredigt und talmudischem Vortrage vollen Beifall bei der Gemeinde zu finden. Dadurch aber war der Gemeinde die Wahl um so schwieriger gemacht worden, zumal verwandtschaftliche und andere Sonderinteressen, die eher hindernd als fördernd wirken, beeinflussend sich geltend machten. Man kann die altehrwürdige Nachbargemeinde Altona zur Wahl beglückwünschen und darf man hoffen, daß cs dem neuerwählten Herrn Oberrabbiner gelingen werde, sein in der Vormitttagsrede jmsDi ymn mit feinem Takt so geistreich entwickeltes Programm zur vollen Geltung und Ausführung zu bringen. Die damalige Rede hatte in der That eine überwältigende Wirkung hervorgcrufen und es wäre zu wünschen, solche als Erinnerung gedruckt erhalten zu können. Vielleicht berichte ich Ihnen nächstens etwas darüber. Die alten gemeinsamen Beziehungen der drei Gemeinden r.T« rv6np Wb», sowie die unmittelbare Nähe Hamburgs hatten selbstverständig. abgesehen von dem allgemeinen jüdischen Interesse, für Hamburg es nicht gleichgiltig erscheinen lassen, wer der demuächstige Oberrabbiner Altona's sein wird und so sah man an den drei Sabbaten viele fromme Pilger gen Altona wandern, der Schwesterin mancher Beziehung Muttergemeinde den pflichtgemäßen Besuch abzustatten und auf dem Heimwege über die gehörten mim debattiren. Stellung zur Wahl ftlbst, ist von Hamburg nicht genommen worden, die Altonaer lieben es nicht, daß man sich in ihre eignen Angelegenheiten irgendwie hineinmische und mögen sie Recht damit haben. Wie es heißt, wird der Amtsantritt des Gewählten gleich nach der regierungsseitigen Bestätigung, an welcher wohl nicht zu zweifeln ist, erfolgen. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Neutra. Die hiesige Talmud-Thoraschule macht erfreuliche Fortschritte; in derselben wird dem Talmudstudium die meiste Zeit gewidmet; in den Nachmittagen wird profanes Wissen gelehrt, so namentlich die ungarische und deutsche Spräche und auf diese Weise wird der Ausspruch unserer Weisen p« *pn ny mm TDbn HD’ in Erfüllung gebracht. Tarnow, 27. April. In der bischöflichen Residenz erschien dieser Tage eine aus den hervorragendsten Mitgliedern zusammengesetzte Abordnung unseres Gemeinderathes, um dem Bischof Ignaz Lobos das Ehrenbürgerdiplom der Stadt in solenner Weise zu überreichen. Als der Bischof bewegt und in schlicht einfacher, dabei aber tief zu Herzen dringender Weise der Abordnung, in welcher sich auch mehrere angesehene jüdische Bürger befanden, seine Dankesgefühle äußerte, apostrophirte er die Letzteren, sich ihnen direct zuwendend, folgendermaßen: „Ich danke insbesondere den Herren Gemeinderälheu jüdischer Confession dafür, daß sie für die Ertheilung dieser Ehre gestimmt, dieses für mich so kostbare Diplom mit unterfertigt haben und zur Ueberreichung bet mir erschienen sind. Es freut mich, an dieser Stelle neuerlich betonen und erklären zu können, daß ich für ein einträchtiges Zusammenleben mit den Mitbürgern mosaischer Konfession stets warm eingetrcten bin und jede Animosität gegen diese unsere gleichberechtigten Laudeskinder, dem erhabenen Gebote der Nächstenliebe entsprechend, entschieden perhorrescire. Ich weiß der Tarnower Judenschaft auch Dank, daß sie bereitwillig dafür stimmte, daß die hiesige Kathedrale aus dem Gcmeindesäckel restaurirt werde. Die israelitischen Mitbürger mögen immer von meinen wohlwollenden Gesinnungen überzeugt sein." Der Bischof drückte zum Abschiede jedem der Gemeinderäthe die Hand. Rumänien. Bukarest, 6. April. Dem Parlamente ist eine von einer Anzahl bereits naturalisirter Israeliten verfaßte Petition gegen den vom Abgeordneten Joau N. Lahovai y eiugebrachten Antrag zugegangen, uach welchem nur den minderjährigen Kindern ueuaufgenommener Staatsbürger rumänischer Nationalität die staatsbürgerlichen Rechte ohne weitere Bewerbungsformalitäten zuerkannt werden sollen. Joan N. Lahovary hatte früher diesen Antrag in allgemein gehaltener Form cingebracht, in-