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Der Israelit · 1893-05-08 · Heft 37 (8.5.1893) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 37 (8.5.1893)
Date
1893-05-08
Page
– (sequence 12)
Language
German
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712 dem er überhaupt für die minderjährigen Kinder aller neuen Staatsbürger die Zuerkennung des Bürgerrechts verlangte. Daß diese allgemeine Fassung nicht blos die richtigere, sondern auch die der rumänischen Konstitution allein entsprechende war, weist die erwähnte Petition durch Anführung eines Absatzes des Artikels 10 der Verfassung nach, laut welcher im rumänischen Staate kein Klassenunterschied besteht und alle Rumänen vor dem Gesetze gleich sein sollen. Die spätere beschränktere Fassung des Antrages Lahovary hat nun aber einen solchen Klassenunterschied und eine solche inkonstitutionelle Ungleichheit herausgeklügelt, indem sie solchen neuen Staatsbürgern, welche rumänischer Nationalität sind, ein Recht bezüglich der Bürgerrechtansprüche ihrer Kinder zuerkannte, an welchem die Kinder anderer neuer Staatsbürger keinen Antheil haben sollen. Daß diese Beschränkung in erster Linie gegen die naturalisirten Juden gerichtet ist, bedarf keines Nachweises. Doch kehrt sich dieselbe auch gegen die naturalisirten Deutschen, deren Zahl in den letzten Jahren in einer Weise zugenommen hat, daß es sich wohl der Mühe verlohnt, auch in ihrem Jnteresie auf die durch den beschränkten Antrag Joan N. Lahnvarys angestrebte verfassungswidrige Ausschließung der Kinder neuer rumänischer Staatsbürger nichtrumänischer Nationalität vom Mitgenusse des ihren Eltern zuerkannten Bürgerrechtes aufmerksam zu machen. Bulgarien. Sofia. Das Hochzeitsgeschenk, welches die Juden Bulgariens dem Fürsten Ferdinand überreicht haben, besteht in einem prächtigen Album, welches mit Brillanten, Rubinen und Smaragden geschmückt ist. Der Werth desselben beläuft sich auf fl. 130,060. Rußland. Petersburg, 2. Mai. Es ist ein Gesetz promulgirt worden, welches die Lehrthätigkett der Melammeds (jüdischen Talmudlehrer) von Zeugnissen abhängig macht, welche von der Lokalschulbehörde zu diesem Zweck auf ein Jahr verabfolgt werden. Italien. Livorno. In Florenz ist Frau Sophia Modigliani, Mutter des bekannten jüdischen Orientreisenden, Elias Modigliani, gestorben. Letzterer befindet sich jetzt auf einer wissenschaftlichen Tour durch den indischen Archipel, um daselbst botanische und zoologische Studien zu machen. Herr Modigliani ist ein würdiger Gefährte seines Landsmannes und Glaubensgenossen, des Ingenieurs Luzzatti, der gegenwärtig das hinterindische Reich Siam bereist und sich auch bei dem dortigen Herrscher, König Chrom Luang, in Vertrauen gesetzt hat. Ein anonym bleiben wollender Mäcen hier hat unserem Rabbiner Banhamozeg den ehrenvollen Antrag gemacht, gegen eine entsprechende monatliche Belohnung öffentliche Vorträge über die Sprache, Literatur und Geschichte des jüdischen Volkes halten zu wollen. Rabbiner Banhamozeg hat diesen Antrag auch angenommen und auch sogleich mit diesen Vorlesungen begonnen, die sich nun eines täglich größer werdenden Zuspruches erfreuen. > Vermischtes. < Berlin, 27. April. Eine sehr treffende Würdigung hat in einer großen Versammlung der liberalen Wähler in München der bekannte Schriftsteller Vecchioni dem Antisemitismus zu Theil werden lassen. Er sagte unter dem Beifall seiner Zuhörer: „Wir fordern Sie und unsere Gesinnungsgenoffen auf, der antisemitschen Hetze mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten. Wie eine Seuche droht die Wiederbelebung des mittelalterlichen Wahnes die Verhältniffe \u vergiften, die in Staat und Gemeinde, in Gesellschaft und Familie, Christen und Juden auf dem Boden der Gleichberechtigung und Toleranz verbunden haben. Fanatismus, Bosheit und die Sucht im öffentlichen Leben eine Rolle zu spielen, haben diese Seuche in neuerer Zeit auch nach München verschleppt; wir wollen ihrer weiteren Verbreitung entgegentreten, damit der öffentliche Friede und die Ehre unserer Vaterstadt gewahrt bleiben. Die Judenhetze ist eine Beleidigung des Christenthums, denn dieses hat seine Wurzel im Judenthum. Noch heute beginnt der erste Leseunterricht unserer Kinder mit den Erzählungen aus dem Leben der jüdischen Patriarchen. Die Judenhetze ist ein schmähliches Armuthszeugniß, das die Veranstalter den Christen ausstellen. Nach der Volkszählung von 1890 bilden die Juden nur 11/7 Procent der ganzen deutschen Bevölkerung und die 99 Procent Christen sollen so arm an Intelligenz und Thatkraft sein, daß nur eine Rechtsloserklärung der Juden sie vor dem Untergange retten kann?! Die Judenhetze ist das Ergebniß sinnloser, aber auch aussichtsloser Scandalsucht. Kein vernünftiger und besonnener Mann wird glauben, daß die Regierung des deutschen Reichs, daß die Regierung eines Einzelstaates, daß irgend eine anständige politische Partei jemals auch nur den Versuch machen wird, die Forderungen der Antisemiten zu verwirklichen. Die Judenhetze ist endlich ein Flecken auf dem blanken Ehrenschild der deutschen Nation. Der Redner erinnerte hierbei an die Worte Kaiser Friedrich's: „Ich mißbillige die antisemitischen Bestrebungen auf das entschiedenste und verwerfe sie. Was mein Gefühl dabei am meisten verletzt, ist die Hineintragung dieser Tendenzen in die Schulen und Hörsäle. Ich vermag es nicht zu fassen, wie Männer, die auf geistiger Höhe stehen sollten, sich zum Träger und Hilfsmittel einer in ihren Voraussetzungen und Zielen gleich verwerflichen Agitation hergeben können." Die Antisemiten riefen vor Kurzem in Lyon Unruhen vor der Synagoge hervor, wobei es zu Zusammenstößen kam. 34 Verhaftungen wurden vorgenommen. Der „Ostasiatische Lloyd" in Schanghaienthält in 3 Nummern einen ausführlichen und sehr gründlichen Artikel gegen Rohling und Justus, der schon durch den Umstand von besonderem Interesse ist, als er zeigt, daß die Christen in China zu ihrer eigenen Sicherheit den Talmud und die rabbinische Litteratur vertheidigen müssen. Der Verfasser

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