Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 37 (8.5.1893)
- Date
- 1893-05-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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706 Meran verdient hier besonders hervorgehoben zu werden, da auch viele Brustkranke aus Deutschland in demselben zu überwintern Pflegen, und finden sie daher, wenn sie gerade Israeliten sind, dort schon Glaubensgenossen und auch eine jüdische Küche. Rußland. Srrwatti, im April. Am vergangenen Chol- Hamoed hat eine hiesige jüdische Dilettantengesellschaft eine Theatervorstellung gegeben, wobei das bekannte Drama „Judith" zur Aufführung gelangte. Die Vorstellung fand in deutsch-jüdischem Jargone statt, und wohnten derselben zahlreiche Mitglieder unserer Gemeinde mit ihren Frauen und Kindern an. Das Erträgniß der Vorstellung war zwar ausschließlich jüdischen Wohlthätigkeitsvereinen gewidmet, aber nichtsdestoweniger wurden, da dasselbe ein reichliches war, fünfhundert Rubel davon christlichen Wohlthätigkeitsanstalten überlassen. Feuilleton. Die drei Kronen. < Von H. Berger. (Alle Rechte Vorbehalten.) (Fortsetzung.) Der Müller kam eben aus der Mühle und hatte eine Probe Mehl in der Hand, welches er mit dem Mikroskop untersuchen wollte. Als er seine Frau traurig an der Thüre der Küche stehen sah, trat er auf sie zu und sprach: „Unser letzter Weizen gibt aber ein Mehl, Luise, welches von der Concurrenz des Wiener Mehls nichts zu fürchten hat. Ich habe schon lange nicht so schönes und so ergiebiges Material zwischen den Steinen gehabt." „Das freut mich", erwiederte die Müllerin. „Wer hat den Weizen geliefert?" Ohne es zu wollen, halte Louise ihren Mann in Verlegenheit gebracht. Er erröthete bei ihrer Frage und sprach: „Ich weiß es nicht genau; ich glaube, der Jude. Aber, was ist Dir, Louise", fuhr er nähertretend fort, „hast Du geweint?" „Nein" entgegnete sie zögernd; „ich war in der Küche und die Küche ist voller Rauch!" „So lasse doch den Herd fegen", sprach er besorgt; „der Rauch soll Deine schönen Augen nicht verderben." „Der Rauch verdirbt sie nicht", erwiederte sie; der Herd ist erst gestern gefegt worden." „Nun, was fehlt Dir denn?" „Karl, ich bin besorgt, ich fürchte mich vor morgen." „Närrchen", sprach er leichthin, „Du ängstigst Dich ohne Grund. Ich habe heute morgen sofort an Dr. Z. und zum Ueberfluß auch an Metzger R. in F. telegraphirt. Mit der Miltagspost wird von dem einen oder von dem andern Geld da sein und Deine Sorge -wird ins Wasser fallen." „O, möchtest Du Recht haben, Karl, möchte meine Besorgniß unbegründet sein! Karl, Du weißt ja nicht, wie stolz ich auf unseren Namen bin, wie eifersüchtig mein seliger Vater über seiner Ehre gewacht, und wie manches Mal verdankte er es lediglich Benjamin, daß er prompt allen seinen Verpflichtungen Nachkommen konnte. Noch nie hat der Besitzer unserer Mühle um Aufschub gebeten, noch nie stand unser Name auf einem Wechsel. Das letztere ist schon geschehen — das erstere wird noch kommen — Karl, sei nicht eigensinnig. Der alte Benjamin hat Dir nichts zu leide gethan; warum hast Du ihn erzürnt? Laß ab von diesem unseligen, grundlosen Hasse, der aus den Zeiten des finsteren Mittelalters stammt, aus jener Zeit, da es noch Hexen gab und Folterknechte, die bereit waren die Unschuld zu j e d e m Geständniß zu zwingen. Laß andere hassen so viel und wen sie wollen. Folge Du den Lehren unserer Religion, die gebietet, „liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst. „Und selbst wenn er Dein Feind wäre, was doch nicht der Fall ist, selbst dann müßtest Du von diesem Haffe lassen, wenn Du ein wahrer Christ sein willst." „Ich bewundere Deine Bibelkenntnisse", erwiederte der Müller lächelnd, „aber wir sind nicht nur Christen, wir sind auch Deutsche und die Gefahr, die unserem Vaterland und dem Deutschthum droht, suspendirt die Gebote der Bibel." „Ich kann und will mit Dir nicht disputiren, mein Karl. Ich will Dich nur bitten, inftändtgft anflehen, bleibe der Sache fern. Es kann Dir doch nicht so schwer fallen, die innige Bitte Deines Weibes zu erfüllen? Meinethalben, mein Karl, bleibe davon! Rahel, Benjamins Tochter, ist meine einzige Freundin — raube mir diese nicht! Nicht wahr, Du erfüllst meine Bitte." Sie hatte ihren weichen vollen Arm um seinen Nacken gelegt und sah ihm bitt nd in die Augen. Einige Sekunden kämpfte er mit sich selbst, dann machte er sich sanft los und ohne sie anzusehen, sagte er: „Unmöglich, Louise, unmöglich. Meine Ueberzeugung kann ich Dir zu Liebe nicht ändern, und wollte ich auch, ich könnte es nicht. Ich bin gebunden durch Wort und Handschlag." „Du bist gebunden, freilich. Nicht durch Wort und Handschlag — diese könnten widerrufen oder gebrochen werden — durch Deine Unterschrift bist Du jenen verfallen. O, sie sind klug, diese Bauern—fänger! Sie wissen, was die Menschen