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Der Israelit · 1893-05-08 · Heft 37 (8.5.1893) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 37 (8.5.1893)
Date
1893-05-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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705 rische Rabbiner Konferenz gewesen, welche an diesen Tagen in der altberühmten Kehillah Fürth versammelt gewesen ist. Es gibt in Bayern 24 Rabbiner und einen Rabbinatssubstituten. Von diesen waren erschienen: Adler, Kitzingen. Bamberger, Kissingen. Cohn, Jchenhausen. Cohn, Burgkundstadt. Eckstein, Bamberg. Kußnitzky, Bayreuth. Meyer, Regensburg. Neubürger, Fürth. Perles, München. Wittelshöfer, Floß. Ziemlich, Nürnberg. Ferner waren durch Vollmacht vertreten: Groß, Augsburg (vertreten durch Perles). Grünbaum, Ansbach (v. d. Neubürger). Löwenmeyer, Sulzbürg (v. d. Meyer.) Meyer, Zweibrücken (v. d. Ziemlich.) Salvendi, Dürkheim (v. d. Cohn, Jchenyausen.) Werner, Burgebrach (v. d. Eckstein), so daß im Ganzen 17 Rabbiner vertreten waren. Die Uebrigen fast alle mit der Tendenz der Versammlung einverstanden, waren wegen Amtshandlungen oder anderweitig verhindert uud entschuldigt. Als Ehrengäste waren anwesend: Der Vorstand d. isr. Cultusgemeinde Fürth, nämlich die Herren Büchenbacher, Justizrath Gunzenhäuser, Hermann I. Holzinger, Löffler und der Vorstand der israel. Cultusgemeinde Nürnberg, Herr Justizrath Josephthal, am 2. Tage der Versammlung auch Dr. Königshöfer, Fürth. Als Vertreter des isr. Lehrervereins für Bayern, dessen Interessen von einigen Punkten der Tagesordnung berührt wurden, war der Vorstand desselben, Herr Lehrer Goldstetn aus Maßbach, zugezogcn worden Der Alterpräsident Mittelshöfer-Floß eröffnete die Versammlung mit einer Huldigung für S. Kgl. Hoheit den Prinz-Regenten, wobei sich die ganze Versammlung von ihren Sitzen erhebt und mit Begeisterung in das dreifache Hoch einftimmt. Wittelshöfer wird zum Ehrenpräsidenten und Neubürger, da Perles noch nicht anwesend ist. zum stellvertretenden, Bamberger zum zweiten Präsidenten, Eck stein und Meyer zu Schriftführern gewählt. Herr Justizrath Gunzenhäuser begrüßt mit warmen Worten die Versammelten Namens der Cultusgemeinde Fürth. Hierauf wurde in die Verhandlungen ein getreten, wobei auch Herr Justizrath Josephthal und Herr Holzinger wiederholt in beredten von Liebe und Interesse für das Judenthum durchglühten Worten sich an der Debatte betheiligten, die sich über verschiedene Punkte von allgemeinem jüdischen Interesse, über Fragen der Schule und des Religionsunterrichtes, Altersversorgung der Rabbiner und Religionslehrer und andere wichtige Fragen erstreckte. Am anderen Tage wurden die Erörterungen unter dem Vorsitze des Herrn Dr. Perles fortgesetzt und zu Ende geführt. Es würde zu weit führen, in diesem kurzen Berichte auf die Verhandlungen im Einzelnen, manche bedeutungsvolle Anträge und Anregungen, und die gefaßten Beschlüsse schon jetzt einzugehen. So viel aber soll hier bemerkt werden: Die Verhandlungen nahmen einen hocherfreulichen Verlauf, sämmtliche Beschlüsse wurden mit Einstimmigkeit gefaßt, und zeigten, daß ein reiches Feld gemeinsamer Thätigkeit den bayerischen Rabbinern zur Bearbeitung offen liegt, und daß sich schon bei der ersten Konferenz constatiren ließ, daß „Jeder seinem Genossen beistehen will und zu seinem Bruder spricht: sei stark." Der wichtigste Beschluß war der, jedes Jahr eine solche Konferenz abzuhalten, an welcher sich m. G. H., wie wir hoffen und wünschen, für die Folge alle Kollegen betheiligen werden. Zur Geschäftsführung wurde ein Konferenzausschuß, bestehend aus den Herren Perles, Bamberger-Kisstngen, Cohn- Jchenhausen, Neubürger und als Stellvertretern Ziemlich und Meyer einstimmig gewählt. Nach den Danksagungen für das vorbereitende Komite und den Präsidenten schloß letzterer die Konferenz wie sie begonnen: mit einem begeisterten dreifachen Hoch auf den Prinz-Regenten. Nürnberg, 2. Mai. Das Schöffengericht verurtheilte den hiesigen Antisemitenführer zu zweitägiger Haft, weil er seine Ankündigung über eine von ihm verfaßte antisemitische Broschüre unerlaubter Weise auf der Straße vertheilen ließ. Aschaffenburg. Der Synagogenbau dahier geht seinem Abschlüsse entgegen. Wie ich im Erfahrung gebracht, soll ein jüdischer Bürger in New- Uork, der von hier gebürtig ist, beabsichtigen, nach der vollständigen Fertigstellung der Synagoge, der hiesigen isr. Gemeinde eine Spende von M. 50000 zuzuwenden, nachdem er seitens des hiesigen Distriktsrabbinats die Bestätigung, daß die Synagoge in allen Theilen nach altjüdischem Ritus eingerichtet ist, erhalten haben wird. Oest er.-Ungar. Monarchie. Innsbruck, 26. April. In allen österreichischen Alpenländern, Steiermark. Kärnten, Tirol und Salzburg, die noch um die Mitte dieses Jahrhunderts den Juden fast gänzlich verschlossen waren, finden sich heute schon jüdische Gemeinden oder Ansiedelungen, die daselbst vortrefflich gedeihen und sich auch die Gunst und die Achtung der Bevölkerung zu erwerben wissen. Selbst im strengkatholischen Tirol, das sich noch vor dreißig Jahren der Einwanderung der Protestanten aufs Energischste widersetzte, damit die Glaubenseinheit des Landes nicht gestört werde, gibt es heute schon zwei kleine jüdische Ansiedelungen, hier und in dem bekannten Kurorte Meran, die zwar noch klein sind, aber doch den Keim von zukünftigen Gemeinden in sich tragen.

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