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Der Israelit · 1893-05-08 · Heft 37 (8.5.1893) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 37 (8.5.1893)
Date
1893-05-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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707 am festesten zusammenkittet; sie wissen es und beuten es aus! So möge das Verhängniß seinen Lauf haben! Mir ahnt Böses, Karl, aber es ist meine Pflicht, mit Dir zu tragen, was Dich trifft und ich will nicht zögern. Nur traurig bin ich, tief traurig, daß ich das Unheil nahen sehe und nichts zu seiner Abwehr thun kann!" „Set nur getrost! Du bist mein teutsches Weib, auf das ich stolz bin. In unserem Hause sollen die Fremdlinge —" Der Müller wurde unterbrochen. Ein Postbote trat zur Thüre herein und sprach: „Zwei Depeschen, Herr Bastian. Darf ich um Quittung bitten?" Der Müller nahm die Depeschen in Empfang und vollzog die ihm vom Boten dargereichte Quittung. Er war todtenbleich und seine Hand zitterte, als er den Namen schrieb. Der Müller ahnte, daß ihm die Depeschen keine freudige Nachricht brachten und wollte dieselben uneröffnet mit ins Comptoir nehmen, um sie dort zu lesen. Allein ein Blick seiner Frau hielt ihn zurück und langsam löste er das blaue Siegel und schlug das Blatt auseinander. Die Buchstaben tanzten vor seinen Augen und erst allmählich konnte er den Inhalt entziffern. Die Depesche lautete: „Dr. Z. auf unbestimmte Zeit verreist; Antwort bei Zurückkunft." — Der Müller ließ ein Stöhnen hören, als ob er den schlimmsten körperlichen Schmerz erleide. Er fuhr mit der Hand über die Stirne und las und las wieder; es blieb immer und immer dasselbe. Dann riß er die zweite Depesche auf: „Ochsen können erst in 14 Tagen geholt werden; Zahlung, wie verabredet", las er mit halblauter Stimme. Es war so gekommen, wie die Müllerin vorausgesagt hatte. Die neuen Freunde waren jetzt, da er ihrer zum ersten Male bedurfte, nicht zu Hause. Er befand sich in großer Verlegenheit und diese hatte er seinen neuen Freunden zu verdanken. „Was willst Du thun?" fragte die Müllerin gepreßt. „Wie willst Du bis morgen das Geld herbeischaffen?" „Laß mich Nachdenken", entgegnete er und ging gesenkten Hauptes in die Schreibstube. Die Müllerin ging in das Wohnzimmer, um ihre Aufregung vor den Dienstboten zu verbergen. Das Verhängniß war gekommen, rascher als sie geahnt. W e wollte ihr Mann es ermöglichen, in so kurzer Zeit eine solche Summe Geldes herbeizuschaffen? Im Dorf konnte er es nicht bekommen; der Einzige, der es ihm hätte besorgen können, erwartete die Zahlung. — Da ertönte mit wuchtigen Schlägen der Klopfer des Hofthores. Wüthend rissen die Hunde an ihren Ketten und bellten laut auf, als Ebner eintrat und über den Hof dem Hause zuschritt. Ebner war ein weitläufiger Verwandter der Müllerin und sein heutiges Kommen erweckte frohe Hoffnung im Herzen der jungen Frau. Vielleicht hatte er das Geld und konnte es ihrem Manne leihen und so die Schande von ihrem Hause abwenden! Freudig ging sie Ebner in den Hof entgegen und schon von ferne rief sie ihm zu: „Herzlich willkommen, Ebner! Das ist recht, daß Du Dich auch einmal sehen läßt." Ebner trat zu ihr heran, reichte ihr die schwielige Rechte und sprach: „Ich will nur im Vorbeigehen einmal sehen, wie es Dir geht. Ich hatte Geschäfte im Dorf und da ist es mir spät geworden." „Komm' nur herein und Hab' es nicht so eilig", nöthigte ihn die Müllerin in's Zimmer; „mein Mann wird sich auch freuen, Dich zu sehen. Ich will ihn gleich rufen lassen." Ein Knecht sagte dem Müller Bescheid; nach wenigen Augenblicken trat er ins Wohnzimmer und begrüßte Ebner ebenso herzlich, wie es feine Frau gethan. Auch er knüpfte an das Erscheinen Ebner's Hoff-iungen. die dieser nicht erfüllen konnte, und als er sich nach einer halben Stunde entfernte, waren die Müllersleute niedergeschlagener denn zuvor. Bald nachdem Ebner sich entfernt hatte, verließ auch der Müller sein Haus. Er hatte seinen Fuchs vor das leichte Jagdwägelchen spannen laffen und fuhr in scharfem Trabe davon. In der Mühle schlich der Tag traurig dahin. Jeder verrichtete zwar die ihm zugewiesene Arbeit, aber es fehlte die Freudigkeit, welche jede Arbeit versüßt und erleichtert, die Frische, welche die Kraft erhält und die Arbeit fördert, und der Müllerin konnte es kein Vergnügen bereiten, heute ihre Leute bei der Arbeit zu beobachten. Sie hatte auch keine Lust dazu, sondern sie ging wie im Traume einher und erschrack jedesmal, wenn sie angeredet wurde. Würde ihr Mann das Geld erhalten, daß die Ehre ihres Namens gewahrt bleibe? Sie hoffte es, da sie nicht zweifeln durfte. Es war vier Uhr des Nachmittags. Die Müllerin hatte ihr Haus in Ordnung gebracht und da ihr Herz schwer war, zog es sie zum Grabe ihrer Eltern. Dort wollte sie beten, den Eltern ihren Kummer anvertrauen. Ach, es ist gar hart, jene entbehren zu müssen, die uns im Leben am besten verstanden, am Grabe deren Trost und Hoffnung, Kraft und frischen Muth suchen zu müffen, deren Wort uns einst stärkte, deren Blick uns einst tröstete, deren Kuß uns einst beseligte. Stille lag

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