Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 37 (8.5.1893)
- Date
- 1893-05-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2448315-2448351--36302-2484323- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Emden 1× ep/1044505
OCR text
704 Gott und seine Thora seien auch ihm heilig, er richte sich nur gegen die Rabbinen, gegen unsere Lehrer und ihre Anordnungen. Als man aber diesen Wall niedergerissen hatte, den unsere Lehrer schützend um das Heiligthum der Thora gezogen hatten, war auch diese den Angriffen ihrer Verächter preisgegeben. Wir dürfen daher immer fest überzeugt sein, daß die Geringschätzung unserer Lehrer auch die Geringschätzung dessen bedeutet, dem jene mit ihrer Lehre und ihrem Leben dienten, und daß um ekehrt die wahre Ehrfurcht vor Gott auch zur Ehrfurcht der Weisen, unserer Lehrer, an deren Mund wir hangen, führt. Die Ehrfurcht vor Gott schließt die gegen seine erprobten Lehrer und Diener nicht aus, sondern fordert sie unbedingt; denn die Ehrfurcht vor dem Lehrer fließt aus derselben Quelle, aus welcher auch die Furcht Gottes quillt, d'dip niidd *pn ntid. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspoudenzen. Deutschland. Frankfurt a. M. Dem neunzehnten Jahresbericht der israelitischen Watsenanstalt entnehmen wir folgende Zahlen: Die Knabenabtheilung hat 33 Zöglinge, wovon 2, für die der Besuch hiesiger Schulen als ungeeignet erschien, in Lehre:familien auf dem Lande untergcbracht sind. Zu Ostern vorigen Jahres traten 4 Zöglinge nach beendetem Schulbesuch in hiesige Geschäfte als Lehrlinge ein. Die Schwierigkeiten, die sich bei der Unterbringung in Familien herausstellten, veranlaßten die Verwaltung, die 4 Knaben vorläufig in der Anstalt zu belassen. Die erledigten Zöglingsstellen wurden im Laufe des Jahres wieder besetzt und außerdem noch aus der Umgegend zwei Zöglinge ausgenommen. Die Knabenabtheilung vereinnahmte an Geschenken M. 16,943, an Jahresbeiträgen M. 5377, an Zinsen M. 3560, an Beiträgen für bestimmte Zöglinge M. 1718, aus der Schiff'schen Stiftung M. 1200, dagegen verausgabte sie M. 26,593. Die verschiedenen Stiftungen entwickelten sich finanziell günstig weiter. Die Mädchenabtheilung hatte 19 Zöglinge. Sie nahm ein an Geschenken M. 9960, an Jahresbeiträgen M. 2643, für bestimmte Kinder M. 1390, an Zinsen M. 2780; sie verausgabte M. 15,640. Die Verwaltung der Anstalt ist unverändert geblieben. Berlin, 2. Mai. In der heutigen Sitzung des Reichstags folgte nach anderen Verhandlungen der Bericht der Kommission über den Antrag Ahlwardl. Cuny und Porsch, die ihn erstatten, erklären, daß durch Ahlwardt's Akten seine Beschuldigungen bezüglich des Jnvalidenfonds wie seine allgemeinen Anklagen nicht gerechtfertigt seien, und beantragen, Ahlwardt's Antrag damit für erledigt zu erklären, was auch einstimmig geschehen ist. Memel, 28. April. (Russisch-jüdische Auswanderer.) Die behördliche Verfügung, wonach von heute Nachmittag ab für russisch-jüdische Auswanderer gleichzeitig der Eisenbahnschalter und die deutsche Grenze sich schlossen, hat die natürliche Folge gehabt, daß gestern und heute der Zufluß der Auswanderer nach unserer Stadt ganz kolossale Dimensionen annahm. Befördert wurden, der angegebenen Verfügung gemäß, alle diejenigen, welche sich auf der Liste des hiesigen Comites befanden oder auf Grund von Schrffskarten noch nachträglich die Genehmigung zur Weiterfahrt erhalten hatten. Die Arbeit, die das Comite zu bewältigen hatte, war außerordentlich schwer, die Aufgabe, alle diese Menschen zu befriedigen, wurde jedoch glücklich gelöst. Mit dem heutigen Frühzug verließen über 200 Auswanderer unsere Stadt, die Kinder, die kein Billet zu lösen hatten, nicht mttgerechnet, und heute Nachmittag 3 Uhr wurden in 6 Waggons über 300 Personen, ebenfalls die Kinder nicht einbegriffen, befördert. Die Zahl der beförderten Personen, einschließlich der Kmder, dürfte annähernd 700 gewesen sein. Die meisten der Auswanderer begaben sich zuvörderst nach Bremen oder Rotterdam, um von da nach Amerika zu kommen. Für die Fahrkarten nahm die hiesige Stationskasse allein am heutigen Tage an 10000 Mark ein. Emden. Die Landrabbinerwahl ist neuerdings wieder ein gutes Stück vorwärts gekommen, indem vor der Dreier-Commission von den Bewerbern (ca. 40 Rabbiner aus allen Gegenden Deutschlands und des Auslands haben sich gemeldet,) 10 zur engeren Wahl gestellt worden sind, von welchen wiederum 3 zur Probepredigt berufen werden. München, im April. Wir erhalten folgenden Bericht: Im Mai vorigen Jahres hat Herr Bczirksrabbincr Dr. Mayer aus Zweibrücken in einem bayrischen Blatte eine Anregung zum Zusammenschluß der bayerischen Rabbiner gegeben, über welche dann fast sämmtliche Kollegen sich geäußert haben. *) Diese Erörterungen haben erreicht, was schon früher, zuerst Herr Distriktsrabbiner Dr. Neubürger in Fürth, dann Herr Distriktsrabbiner Wittelshöfer in Floß erstrebt haben, und am 23. und 24. d. M. ist das Resultat in ganz erhebender Weise zu Tage getreten. Soweit wir die Geschichte der bayerischen Juden kennen, ist es die erste baye- *) Eine sehr erschöpfende Besprechung dieser Angelegenheit wurde s. z. von einem bayrischen Rabbiner in Nr. 60 des „Israelit", v. I. 1892 veröffentlicht. Man ging auch unseres Wissens von dem Projecte eines Rabbinerverbandes ab und beschränkte oder begnügte sich mit einer Rabbinerconferenz. Redaction.