Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 37 (8.5.1893)
- Date
- 1893-05-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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703 alle für die Trauer geltenden Anordnungen einen Thetl des Todestages oder desjenigen Tages, an welchem man Kunde davon erhält. — Erwähnt man seinen Lehrer in den ersten zwölf Monaten seines Hinscheidens, so füge man seinem Namen die Worte bei: ddpo mos w, Ich will eine Sühne für sein Hinscheiden werden. — Alle diese Bestimmungen gelten nur für den eigentlichen Lehrer, d. h. denjenigen, dem man den größten Theil seines Wissens verdankt, sei es in der Schrift, der Mischna oder der Gemara. — Haben Vater und Lehrer einen Gegenstand verloren, so geht bei der Aufsuchung der Lehrer dem Vater voran. Tragen Vater und Lehrer eine Last, so nehme man zuerst die des Lehrers und dann erst die des Vaters ab. Befinden sich Vater und Lehrer in Gefangenschaft, so löse man zuerst den Lehrer und dann den Vater aus. Ist der Vater selber ein Talmid Chacham, so löse man zuerst den Vater und dann den Lehrer aus." Diese dem Lehrer gegenüber gebotene ungewöhnliche Rücksicht erreicht ihren Höhepunkt durch die Mahnung unserer Mischna, dem Lehrer diesen Tribut der Ehrfurcht mit demselben Ernst zu zollen, mit dem wir Gott selber unsere Ehrfurcht bezeigen. D'D» X“)1DD *p*l tniDl. Es erscheint auf den ersten Blick kühn, wenn unsere großen Weisen in diesem und in anderen Aussprüchen.die Ehrfurcht vor Gott mit der Ehrfurcht vor einem Menschen, auch wenn er noch so ausgezeichnet ist durch Kenntniß der Thora, in eine Parallele stellen. Wir lassen aus der Fülle solcher Aussprüchen hier einen solchen besonders drastischen folgen. Eine Boraitha berichtet von Schimeon und nach anderen von Nechemja aus Emaus, daß er alle jene Stellen der Thora erklärt habe, in welchen das Object nicht durch bloße Nennung des Gegenstandes, sondern durch Hinzufügung des Partikel nx ausgedrückt wird, nx ist ein »m, eine Bezeichnung, welche den Gegenstand in erweitertem Umfange erscheinen läßt. So würde z. B. rnewa pxn D’Dtpn 'x x-d nur eine Schöpfung von Himmel und Erde an und für sich ausdrücken; nx pxn nxi q’dkm schließt noch alle Himmelskörper und alle Erzeugnisse der Erde ein. pxi px td würde die Verehrung von Vater und Mutter nur auf sie beschränken, fax nxi px nx erweitert diese Verehrung auf alle diejenigen, welche in gewissem Sinne die Kriterien von Vater und Mutter ebenfalls besitzen, und daher auch auf die den Eltern schuldige Ehre Anspruch haben z. B. auf Stiefvater und Stiefmutter. Als er an die Stelle kam x-vn 's '-i nx „Gott, deinen Gott sollst du fürchten" (V. B. M., C. VI, V. 13) hielt er inne, denn das nx kann naturgemäß hier nichts hinzufügen, dem dieselbe Ehrfurcht wie Gott entgegen zu bringen wäre. Da sprachen seine Schüler zu ihm: Sollten nun wirklich alle deine übrigen Erklärungen des nx hinfällig sein, weil es hier unmöglich eine Erweiterung zuläßt? Er antwortete: Den Lohn, den ich erhalte für alle übrigen Erklärungen, erhalte ich auch dafür, daß ich sie hier unterlasse, und so nichts neben Gott anerkenne, dem göttliche Ehrfurcht gebührt. Da kam Rabbi Akiba und lehrte: x-rn 'x '“i nx Gott deinen Gott sollst du fürchten, dieses nx fügt die Talmide Chachamim für die gleiche Ehrfurcht ein, als die Gott zu zollende. (Talmud Pesachim fol. 22.) Der Sinn dieser und ähnlicher Stellen spricht sich in der wörtlichen Auffassung der Worte xiivi xnoD *p-> aus. Die Ehrfurcht vor dem Lehrer ist gleich der Ehrfurcht vor Gott. So wie wir den Körper als Träger des Geistes achten, wie der Soldat den König im Rock des Königs ehrt, so ehren und fürchten wir Gott in der Ehrfurcht, die wir für diejenigen bekunden, welche uns das geistige Auge geöffnet haben, um Gottes Walten zu schauen und seinen Willen zu erkennen und ihn zu befolgen. Mit der Ehrfurcht unserer Lehrer stellen wir neben Gott keinen anderen Gegenstand der Verehrung, die Furcht vor dem Lehrer ist die Furcht vor Gott, pp'n xnmxn pp pnn pp'n-i no *d Was unsere Lehrer angeordnet, haben sie im Sinne und Geiste Gottes und seines Wortes angeordnet. Wir dienen Gott, indem wir ihren Weisungen folgen. Wir dürfen daher die von ihnen getroffenen Anordnungen auf Gott selber zurückführen. Wie der Richter, ein Urtheil „Im Namen des Königs" verkünden darf, weil er vom König eingesetzt und bestätigt ist, obwohl ein unmittelbarer Ausspruch des Königs selbst für das vorliegende Urtheil nicht erfolgt ist, so sagen wir auch von den pam niso, von den Anordnungen unserer Lehrer, iran vnsma ump w, daß Gott sie uns befohlen und sie mit derselben heiligenden Kraft ausgestattet hat, die seinen unmittelbaren Aussprüchen innewohnt, nni' pum nun onsio nm onn .nun nano „Nicht als Nebenbuhler, als Freunde stehen die Worte unserer Lehrer neben den Worten der Thora, und sind Israel noch theuerr als die Worte der Thora (Talmud Jeruschalmt Berachoth Perek I.) Ein Blick auf die Verirrungen unserer Tage zeigt die Bedeutsamkeit dessen, was uns unsere Lehrer sind und was wir ihnen schulden, in ganz unverkennbarer Weise. Als der weitschichtige Abfall von Gott und seinem Gesetze, dem wir heute allenthalben in erschreckender Weise begegnen, noch in seinen Anfangsftadien sich bewegte, gab er vor,