Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 36 (4.5.1893)
- Date
- 1893-05-04
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2446951-2448315-2448350--36296-2484316- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
699 (besuch darüber an die Eroßherzoglichc Landesregierung, worin er unter Berufung auf die gutachtlichen Aeußcrungen der bedeutendsten Autoritäten der Aaturwissenfchaft mit 'Nachdruck betonte, dag das Schächten der Thiere, wie es bei den Juden gebandhabt uürd, die leichteste Arr der Tlffenödmug, fern von jeder Thierguälerei, fei. EShaltnichrs; auf da-? Gesuch erfolgte ein abschlägiger Bescheid. Aber unser Landrabbiner beruhigte sich nicht dabei, sondern wagte einen zweiten energischen Versuch. (5t erbat sich eine Audienz bei Sr. König!. Hoheit dem Ervßherzoge, in weicherer nach einem sachlich eingehenden Vortrag das (besuch darüber nochmals überreichte. Unser o-roßherzvg, ein hochherziger, wirklich vorurtheilc-sreier Regent, hörre aufmerksam Alles an und versprach daraus, diese Angelegenheit nochmal-? zu prüfen, (nsagte huldvoll : „Man möge diese Verordnung als leine feindliche Aktion gegen die Anhänger des jüdischen (Maudens ausehen: mir sind alle Landc-?angchörigen, zu welcher Religion sie sich auch bekennen, lieb und iverth!" Ser Laudesrabluner wurde srenndlichst entlassen und nahm die Hoffnung ans einen guten Erfolg mit. Derselbe traf auch ein. Am 11. ix M. erhielten wir die Antwort, ein Reskript von der Landesregierung, das; ans Antrag des Bandcsrabbiners die jüdisch-rituelle Schlachrweise der Schlachtthierc, das Schächten, fortan, wie früher, gestattet ist und von der Verordnung, betreffend da« Betäuben der Schlachtthierc, dispensirt werde. Besonderer Sank gebürt unserem Vandesrabbiner, der es verstanden, nicht blos eine Real-Eneuklopädie für Bibel und Talmud zu schreiben, sondern auch praktisch für das Jndenthum einzutreten. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Oesterreich. russische Juden kamen durch Brünn, die über Hamburg nach der Eolonie des Barons Hirsch in Südamerika auswandern wollen. Lemberg, 21. April. Im April vorigen Jahres kam es in Rarajow bei Brzczaup in T-olge der aufreizenden Predigten der Redemptoristeu-Miffiouäre zu einem Iusauuuenstoße zwischen den Bauern und den jüdischen Ortsbewohnern, bei welchem die Verkaufsbuden der Huden zerschlagen und die Henster der Hudenhänser zertrümmert wurden. Wegen dieser Ereeste hatten sich gestern 3«! Bauern und vier jüdische Bewohner Narajvws vor dem .Preisgerichte in Brzezann zu verantworten, 'Nach Einvernahme von 110 Zeugen wurden die Angeklagten der öffentlichen Ruhestörung schuldig erkannt und zu Arreststrasen in der Dauer von einem Tage bis zu drei 'Monaten verurtheilt. M a r o c c o. Tetuair, 21. April. Ans Tetnan ''Marokko, wird gemeldet, daß ein Korps berittener 'Mauren absichtlich und ohne Erund einen .Hauserk Inden überrannt und einen zu Tode getreten habe, während viele Andere schwer verwundet worden seien. In Tetnan herrsche infolge dessen unter den Inden große Bestürzung und diese meiden die Straße. Nachdem der spanische Konsul eingeschritten, sei die Ordnung wieder hergestellt worden. vermischtes. Berlin, 24. Avril. Bei Gelegenheit der Volkszählung am 1. Tecember 1890 hat im preußischen Staate zum erneu Male eine allgemeine Ausnahme der „Muttersprache" der Bevölkerung stattgefunden. bei welcher diese für jede einzelne am Zählungstage im Staatsgebiete anwesende Person festgestellt wurde. Wir bringen das Haupiergebniß der Muttersprache für das preußische Staatsgebiet mit Bezug aus die jüdische Bevölkerung. Am l. Dezember 1891 hatten in Preußen als Muttersprache die Juden: deutsch 365,857, lirtauisch 95, polnisch 2969, masurisch 190, kassubisch 11, wendisch 9, mährisch 53, tschechisch 123, wallonisch 7, holländisch 741, friesisch 83, dänisch, norwegisch 66, russisch 856, englisch 659, französisch 142, schwedisch 24, italienisch 19, spanisch 14, portugiesisch 15, andere Sprachen 626, zusammen 372,059. Hiernach hat die jüdische Bevölkerung ihrem Sprachverbältnisse nach folgenden Prozentsatz, wenn man den Antheil von je 100,000 Personen berechnet: deutsch $8,198, sonnige germanische 423, litrauische 26, slawische 1182, romanische 58, gemischte und andere >68. Berlin. Die Allgemeine (Evangelisch - (lutherische Kirchenzeitung schreibt: „England nimmt sich der Judenmission mehr als andere Länder an. In Galiläa und Nordpalästina sind zur Zeit 35 englische Judenmissionen thätig. In London ist im November v. I. ein neues Missionshaus eröffnet worden, dessen Kosten im Betrage von 180,000 Mk. schon am Einweihungstage gedeckt waren. Dagegen geht die seit fünfzig Jahren bestehende Londoner Judenmiffionsgesellschaft zurück: sie hat ihre Stationen Breslau und Frankfurt einzieben müssen, während die Berliner jetzt von Pastor Becker «früher in Breslau) Verwalter wird. In Lesterreich-Ungarn ist Rabbiner (!) Lichtenstein getauft und in den Dienst der englischen Mission getreten. In Rumänien, besonders in Galatz, nnrkt die norwegische Judenmiffion. In Jassy ist unter den 5«',000 Juden gleichfalls ein Missionär thätig. In Jernsalein hat die Londoner Gesellschaft eine Mädchenschule für Inden, in Jaffa die schottische Miffiongesellschaft ein Spital eröffnet. In Kischenew (Bessarabien) scheint die von Rablnowitsch geleitete Bewegung zurückzugehen. In New-'Iork entfaltet die christliche Judeilllüssioll viel Eifer; sie hat ein Heim für bedrängte Israeliten gegründet, und das Gerücht spricht von einer beabsichtigten „Christus-Synagoge" mit 3«>ov Sitzplätzen. Die Londoner Gesellschaft hat im letzten Jahre 180 getauft, die New-Zorker 35, die Britische 25, die Berliner 12. Berlin. Der hebräische Literaturverein (Mekize Nirdaminl' hat im Jahre 1892 folgende Schriften herausgegeben und an seine Mitglieder versandt: 1» Responsen R. Meir Rothenburgs, zweite Lieferung, zugleich Schluß. 2) Mischna-Commentar Maimonides, 7. Lieferung, zugleich Schluß. 3) Machsor Vitry, 4. Lieferung. , Im künftigen Jahrgange wird der Schluß erfolgen können.» 4) Leser Ehasidim, nach der Handschrift in Parma, 2. Lieferung. 5) Ausführliches Register zu den Hilchot Gedvlot «Geschenk des Comentators.) 6) Hebräische Prosodie des Immanuel Frances. (Geschenk des Verfassers.) Für den 9. Jahrgang sind außer den sortzusetzenden Schriften nvch nachstehende Werke in's Auge gefaßt: i) Saadia Gaons unedirte Schriften, 2 Theit. 2) Jona ibu Gannachs hebräisches Wörterbuch nach der Handschrift in der Vaticana. 3) Sammelband mit wichtigen handschriftlichen Materialen. 4) Midrasch Bereschith Rabba nach Handschrinen, von Dr. Tevdor kritisch bearbeitet. 5> rviNip nruc von Jechiel di Pisa, bearbeitet von Tr. D. Kaufmann. 6, Eine Fortsetzung des Diwan Jehuda ha Levi's, worüber noch Unterhandlungen schweben. Allerdings hängt es von der Zahl der Mitglieder und der pünktlichen Einsendung des Jahresbeitrages mit Zehn Mark ab, wieviel hiervon bereits im neuen Jahrgange erscheinen wird. Mannheim. Der Verein zur Förderung des Handwerkes und der technischen Berussarten unter den Israeliten des Großherzogthums Baden. 'Abtheilung Mannheim.) hat