Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 36 (4.5.1893)
- Date
- 1893-05-04
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
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700 1890 92 7 Knaben in die Lehre gebracht und weitere 8 mit Geld unterstützt. Die Königl. israelitische Oberkirchenbehörde für Württemberg har Pohlmanns Schrift „Das Judenthuin und fein Recht" an alle Gemeinden des Landes unentgeltlich vertheilen lassen. Jehuda Eaffntto, der Ehasan und Prediger der Portugiesischen Gemeinde in Hamburg, ist am Freitag den i<>. d. M. in seinem 8'>. Lebensjahre gestorben Eaffntto war ein großer Sprachkenner: er soll 12 — 14 lebende Sprachen beherrscht haben. Als 18 jähriger Jüngling kam er aus seiner Vaterstadt Amsterdam nach Hamburg und wurde später als Chasan und Prediger angestellt und als solcher sehr be liebt und gespäht. Außerdem war er als vereideter Translator bei den Hamburger Behörden thäkig. Paderborn, Nach dem dreiunddrcißigsten Jahresbericht über die israelitische Waisen-Erziehnngs-Änstalt für Knaben und Mädchen aus Westfalen und Rheinland zu Paderborn, wurde das Waisenhaus von 62 Zöglingen besucht, davon 34 Waisen aus Westfalen und 28 aus Rheinland. Entlassen wurden 8 Knaben und 8 Mädchen; ausgenommen wurden in Waisen. Tie Einnahme betrugen 40,279 Mk. von denen 32,1 Ol Mk. verausgabt wurden Wangen (Baden), 24. April. Vorigen Donnerstag fand in Gailingen unter großer Teilnahme von Ruh und Fern die Beerdigung von Frau Fanny Gut statt Mancher Leser des „Israelit" wird mit Wehmuth ihrer gedenken Denn die Wohnstätte der Verblichenen wurde in ihrem früheren Aufenthaltsorte St Gallen von gesetzestreuen Glaubensgenossen s. Z. gerne ausgesucht, wo sie als wahrhaft fromme Prieüerin des Hauses waltete. Unbemittelten war zu jeder Zeit diese gastfreundliche Stätte geöffnet. Manche haben daselbst Labung für den Körper, Trost und Aufmunterung für die Seele gefunden. Für das Wohl der ihrigen war der Verstorbenen kein Opfer zu schwer und kein Mittel zu groß. Mit Recht konnte der Herr Rabbiner am Schlüsse seiner Rede sagen: „Mit ihr tvurde ein Stück echt jüdischen Lebens und Slrebcns zu Grabe getragen." 4. Um die in der Versammlung des deutschen Vereins in Dransfeld, von der ich Ihnen neulich berichtete, sowie überhaupt in sämmtliehen vom deutschen Verein in Südhannover bisher veranstalteten Versammlungen erlittenen Niederlagen wieder gut zu machen, batten die Antisemiten von Münden und Umgegend aus den 30. April eine große Versammlung nach Dransfeld bei Güttingen einberufen. Es waren zu derselben von obigem Verein eine große Zahl Gesinnungsgenossen aus Mündnt und Umgebung nntgebrachl worden, während von Dransfeld und Umgebung nur wenige vorhanden waren, die mit den Antisemiten gemeinsame Sache machten. Nachdem man den antisemit scheu Redner Dr. Tesdorpf aus Leipzig etwa 2 Stunden ohne Störung hatte sprechen lasten, versuchten die Antisemile - den zunächst als Gegenredner auitretendkn Dr. Jakob aus Güttingen durch Lärmen und Zwischenrufe zu unterbrechen. Als nach diesem Redner der Redakteur Weigl aus Berlin den Ausfällen des antisemitischen Redners in ebenso sachlicher, als zündender Erwiederung entgegentrat, und die Antisemiten eine neue Niederlage schon kommen sahen, schrieen sie den Redner durch Toben und Lärmen nieder und, da ihre Zahl die der gesitteten Elemente überwog, auch der Vorsitzende, der jede Unterbrechung der antisemitischen Redner mit sofortiger Ausweisung aus dem Saale bedroht hatte, gegenüber dem Lärmen eine erhebliche Energielosigkeit an den Tag legte, so gelang es schließlich den Redner zu überschreien. Es mußie daher die Versammlung aufgelöst werden. Auch dieser Vorfall liefert wiederum einen neuen Beitrag zur Erkeuntniß der Kampfesweise der Antisemiten. Bozen. Tie „Bozener Ztg." meldet: Am 14. v. Ri. wurde von Meran der wegen Verbrechens des Diebstahles angeklagte Schalome Riisrahee von Jerusalem, welch e sich heule vor dein Schwurgerichte wegen des zum Schaderl seines Dienstgebers Juda verübten Jnmelendiebstahles zu verantworten bat, in die hiesige Frohnieüe eingeliefert. Derselbe ist nur der chaldäischen-hebräischen Sprache kundig, weshalb ein Dolmetsch in der Person des Secrerärs der Künigswarter-Stisning in Meran, Dr. Marc. Vogel, beigezogen werden mußte. Anderseits aber ist auch zur Vernehmung >ps Beschädigten, Judah, der nur englisch spricht, ein Dolmetsch noibwendig gewesen, als tvelcher der Magi-- ftratssecretär in Meran, Herr Falke fungirte. Misrahee weigerte sich bisher in der Untersuchungshaft in Meran, andere als rituell znbereitete, also sogenannte koschere Speisen zu zu nehmen, welchem Umstande seine Glaubensgenossen in Meran dadurch Rechnung trugen, daß sie ihm ans einem dortigen israelitischen Kosthause die Kost zusandrcn. Der Angeklagte wurde ans Grund des einstimmigen die Schuld verneinenden Wahrspruches der Geschworenen von der Anklage wegen Verbrechens des Diebstahles freigesprochen. Die Folge davon war seine sofortige Versetzung aus freien Fuß, und jubelnd wurde Misrahe von seinen Glaubensgenossen in Empfang genommen- Ter interessanten Verhandlung wohnte ein zahlreiches Publicum bis zum Schluffe bei, das den Verlauf des Prozesses mir großer Aufmerksamkeit verfolgte und bei Verkündigung des Urtbeils einzelne Bravos verlauten ließ, was vom Herrn Vorsitzenden sofort gerügt wurde. Damit man sich einen Begriff von der Strenggläubigkett der zur Verhandlung erschienenen Zeugen, des Senator Liebschitz aus Riga und seiner Gattin, welche die weite Reise von Mentone hieher nicht gescheut hatten, um ihren Glaubensgenossen durch ihre Anssage zu entlasten, machen könne, sei milgetbeilt, daß dieselben den ganzen Tag ohne Speise aushielten und sich nur mit einem Syphan begnügten, weil man hier keine rituell zubereiteten Speisen bekam. Ebenso verschmähte der Dolmetsch Dr. Marcus Vogel jede Nahrung, und kehrte nüchtern nach Meran zurück. Misrahee hatte sich während seines Verweilens in der hiesigen Frobnfeste mit Eaffee, Btitter und Honig ernährt, und oblag fast den ganzen Tag, angethan mit den Gebe'.riemen uns dem Gebetmantel religiösen Bedungen. Ein furchtbarer Massenmord ist in Mogilcw im Homeischrn .sireife verübt worden. Eine Israelitin, deren siebzehnjähriger Sohn und drei Töchter voll >3, 8 und 7 Jahren, sowie ein Arbeiter des benachbarten Gutsbesitzers, der die Nacht im Hause der Frau aut deren Bitte zubrackne, sind ermordet, Nur die älteste >4 jährige Tosttter zeigte noch schwache Lebenszeichen, obgleich an ihrem Aufkommen gezweifelt wird. Die gräßliche Mordthai ist mit einem Beil begangen wordeit. Tie Mörder sind trotz ene>gischer Nachforschungen der Polizei noch nicht entdeckt worden. Olffenburg. Punkt 7 der Erklärung des Vorstandes des irnioo Mitglieder zählenden „Badischen Bauern-Vereins" gegenüber dem „Bunde des Landwirthe" hat auch für Ihre Leser Interesse. Derselbe har folgenden Wortlaut: Auf dem Grunde unserer Statuten halten wir jede Art von Parteipolitik von der Thätigkeit unseres Vereins ausgeschlossen; wir sind daher auch nicht in der Lage, auf dir Wahlen irgend welchen Einfluß auszuüben; am Allerwenigsten aber können wir uns an Bestrebungen betheiligen, welche dahin zielen, die verfassuugsgemäß gewährleisteten Rechte der Krone oder einer Kategorie von Staatsbürgern zu beeinträchtigen. Verantwortliche Rcdaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Truck und Verlag der Joh. Wirth'scheu Hofbnchdrnckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz.