Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 36 (4.5.1893)
- Date
- 1893-05-04
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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683 er doch, daß er auch nicht die geringsten Beweise für irgend eine seiner vielen gewagten Behauptungen vorzulegen hatte. Die zwölf Centner Dokumente, mit denen er vorher in öffentlichen Volksversammlungen wie auch im Reichstage geprahlt hatte, waren nämlich auf wenige Aktenfasctkel und auf ein Convolut loser Papierblätter, Zeitungsausschnitte u. s. w. zusammengeschmolzen, die, obwohl von einem ehrenwerthen Bureaudiener zusammengestohlen, doch ganz und gar nichts bewiesen. Ahlwardt selbst hatte offenbar sein „Material" gar nicht gelesen und wenn er es dennoch gethan, so ist einzig und allein die Unverfrorenheit bewundernswerth, mit der er es wagte, auf Grund dieser völlig werthlosen Makulatur so schwerwiegende Beschuldigungen vorzubringen. Ueber die Einzelheiten der Commtsfionsverhandlungen brauche ich den Lesern keinen Bericht zu erstatten. Jedermann kennt fie heute; jeder weiß, in welcher beschämenden Weise Ahlwardt bei diesem feierlichen Anlaß als Lügner, Verleumder und Ehrabschneider allseitig erkannt und traktirt wurde, so daß er zu guter Letzt nach Schulbubenart den weitern Prügeln sich durch die Flucht entzog. Der Abgeordnete Dr. Lieber sprach sogar von einem moralischen und physischen Ekel, den die Person des Abg. Ahlwardt ihm nach den Ergebnissen der Commissions-Verhandlungen einflöße. Selbst die antisemitischen Commissionsmitglieder mußten anerkennen, daß Ahlwardt völlig beweislos seine Beschuldigungen ausgesprochen hat. Nach alle dem ist es kaum befremdlich, daß schon vorher in offener Reichstagsverhandlung Ahlwardt sich die weniger parlamentarische als deutliche und drastische Bezeichnung „Schuft" mußte gefallen lassen. Auch diese Titulatur findet ihre nachträgliche Begründung durch das Ergebniß der Commisstonsverhandlungen. Ahlwardt aber, der öffentlich Gebranntmarkte, erklärt noch heute Jedem, der es hören will, daß er ein deutscher Mann fei, der für Ideale kämpfe und streite, während die Commissionsmitglteder, die mit so seltener Einmüthigkeit die Ruchlosigkeit seines Vorgehens verurtheilten, aus Judenknechten und Judengenoffen beständen, die gar nicht das Recht hätten, in die verleumderische Thätigkeitssphäre eines freien germanischen Mannes etnzugretfen. Und er findet wirklich noch immer Leute, die ihn für einen anständigen Politiker halten. Wer dem allem nicht eine humoristische Seite abzugewinnen vermag, dem fehlt jeglicher Sinn für den wahren, unverfälschten Humor, dessen Entwickelung im Uebrigen die gegenwärtige bitterernste Zeit keineswegs günstig ist. ZeitrrugSirachrichte« und ßkorrespoudeaze«. Deutschland. Mainz. Anläßlich des Aufsatzes „Zur jü* dischen „Seelsorge" in Württemberg" find uns mehrere Zuschriften zugegangen, aus welchen erfichtlich ist, daß seine Anregung die erwünschte Beachtung gefunden hat. Bon einer Seite wird der Vorschlag gemacht, die Israelitische Religionsgesellschaft in Stuttgart solle die Bewegung in die Hand nehmen, um die angedeutete Besserung der dortigen jüdischen Verhältnisse anzubahnen. Wir glauben in der That, daß die Stuttgarter Religionsgesellschaft der ganzen Lage der Dinge gemäß, den Kern zu bilden geeignet ist, um den fich alle einschlägigen Bestrebungen am besten gruppiren. Die Männer, die an ihrer Spitze stehen und besonders das geistige Oberhaupt derselben, Herr Prediger und Lehrer Abraham, bieten durch ihr bisheriges mannhaftes Auftreten und Wirken für unsere heilige Sache die beste Garantte dafür, daß der sichtliche Beistand Gottes, dessen sie fich bisher erfreuten, auch für diesen Schritt ihnen hilfreich zur Seite stehen wird. Wir rufen daher jedem einzelnen der treuen Kämpfer für unsere in Württemberg so schwer bedrohten höchsten Anliegen aus vollem Herzen pm pow zu. Mögen sie sich nicht durch die momentane Uebermacht der Gegner und nicht durch die geringe Zahl der Gesinnungsgenossen entmuthigen lassen! Der endliche Sieg gehört denen, die auf der Sette Gottes und seines verrathenen Heiligthums stehen. ."inö rw irnnw *^yso "jrviwn rrni □ Berlin, 1. Mat. Nachdem die „Kreuzzeitung" und andere Organe des „verschämten Antisemitismus" vergeblich versuchten, den Ahlwardt von ihren Rockschößen abzuschütteln, thut nun auch die „Staatsbürgerzeitung", die bis zuletzt mit ihm durch Dick und Dünn gegangen ist und sogar Sammlungen für den Biedermann veranstaltet hat, ein gleiches. Sie handelt, wie verlautet, diesmal weniger unter dem Einfluß irgend einer Anstandsregung, als aus geschäftlichen Rücksichten. Ein bekannter Großkaufmann, der an der Spitze seiner Branche ein her zieht, soll ihr die Wahl gestellt haben zwischen Ahlwardt und seinen Inseraten. Da die Inserate des Mannes ganze Seiten füllen, während Ahlwardt's Freunde diesem bisher stets die durchlöcherten Taschen füllen mußten, und da außerdem Dr. Bachter laut eigenem Geständniß sogar für jüdische Inserate eine kleine Schwäche hatte, so konnte natürlich von einer Qual der Wahl in diesem Falle nicht die Rede sein. Israelitische Kiuderheilftatte Königs dorff Jaftrzemb. Die in dem altbewährten Sool-