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Der Israelit · 1893-05-04 · Heft 36 (4.5.1893) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 36 (4.5.1893)
Date
1893-05-04
Page
– (sequence 8)
Language
German
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680 wie sie ihre Antwort einrichten solle, um den Vater nicht zu kränken. Wäre ihr Herz noch frei gewesen. so hätte sie den Wunsch des Vaters, der aus seinen herzlichen Worten herauszuhören war, wohl erfüllen können, denn sie kannte den Sohn des Freundes ihres Vaters. Aber sie war gebunden; ihre Liebe gehörte einem Manne, dem sie Treue gelobt, der auf ihre Treue baute. Sollte sie ihrem Vater den Grund nennen, der das Nein, das sie zu antworten entschlossen war, gebieterisch erheischte? Würden dann die Kämpfe nicht jetzt schon beginnen, während sie im anderen Falle Ruhe und Frieden genoß? Nein, die Zeit sollte alles bringen und deßhalb sagte sie: „Aber, Väterchen, ich denke ja noch nicht daran, Dich zu verlassen. Ich bin noch sehr jung und will erst die Liebe und Güte, die Du mir stets erweisest, Dir zu vergelten suchen, ehe ich an mich denke. Nein, nein, sage Deinem Freund, daß ich Dich noch lange nicht verlasse, daß er eine Frau für seinen Sohn anderwärts suchen mutz." „Fasse einen solchen Entschluß nicht so rasch, mein Kind; überlege erst —" „Das bedarf nicht erst einer Ueberlegung, Vater, mein Entschluß ist felsenfest." Benjamin sah seine Tochter mit innigem Blicke an, dann drückte er einen Kuß auf ihre Stirn und sprach: „Gott segne Dich für die Liebe, die Du Deinem alten Vater erweisest. Ich kenne Dein Fühlen und Denken und dringe nicht weiter in Dich. Wenn mit Gottes Hilfe der Rechte kommt, wirst Du schon ja saaen." „Ja, Vater," fuhr Rahel innig fort, „wenn der Rechte kommt, werde ich sicher ja sagen." Benjamin verließ den Galten und kehrte zu Jona zurück. Eine halbe Stunde später trennten i sich die Freunde. Jona eilte mißgestimmt durch die Hauptstraße des Dorfes dem Bahnhof zu, während Benjamin glücklich an der Seite seiner Tochter saß und sie zärtlich liebkoste. VII. In der Mühle war seit den zuletzt geschilderten Vorgängen ein böser Geist etngekehrt. Mürrisch und verdrießlich gingen die Ehegatten nebeneinander her, mürrisch und verdrießlich verrichtete daS Gesinde seine Arbeit und da, wo sonst freudiger Gesang erschallte, war jetzt alles stille. Die Müllerin war ärgerlich und selbst dasGeschnatter der Enten und Gänse auf dem Hofe störte sie, so daß sie der Küchenmagd zurief: „Jetzt Hab' tch's aber satt! Man wird von dem Lärm ja ganz toll! Geh' hin und sperre das Vieh ein!" Als die Magd die Küche verlassen hatte, seufzte die Müllerin tief auf. Mit dem Zipfel ihrer blendend weißen Schürze fuhr sie sich über die Augen, um die Thränen abzuwischen, die verratherisch über die rosigen Wangen zu rinnen drohten. Sie fühlt sich sehr unglücklich, seit sie weiß, daß ihr Manu sich verleiten hat lassen, in Wegen zu wandeln, die sie nicht billigen kann. War doch der alte Benjamin von ihren Eltern nicht wie ein Freund, sondern wie ein Bruder behandelt worden; war nicht Rahel, dessen Tochter, ihre einzige Freundin im Dorfe und nun? Nun haßte ihr Mann den erprobten Freund ohne alle Ursache, bloß deßhalb, weil er ein Jude war! Und zum erstenmale war er jeder vernünftigen Vorstellung unzugänglich! — Sie beschloß abermals einen Versuch zu wagen, ihren Mann umzusttmmen und war froh, als sich ihr die Gelegenheit dazu sofort bot. (Fortsetzung folgt.) Der „SfttatUi4' erscheint wöchentlich zweimal, MoniagS und Donnerstags, jedermal in mindestens zwei Bogen. Preis der AahrgangS für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'S Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonniri ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandei j» besiehe« tuet E. $. Strtnacker, Fripsig. Moßptatz 16. — Inserate 2b Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Ran». — Oesterreichische Banknoten laut CourS. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für'S Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Ei«e Rücksendung von au die Redaetiv« ein gesandten Manuscripte« findet nicht statt, «an Kittet deshalb _sich von allen Einsendungen eine Kopie znrückznbehalten. Inhalt <Hauprblatt>: Üeuenbe Ariikel: Sprüche der Bäler. — Die Borgänge tn Kolm. — Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Deutschland: Mainz. Frankfurt a. M. Köln. Berlin. — Sprechsaal. — Feuilleton: Die drei Kronen. Erzählung von H. Berger (Fortsetzung). Inhalt der erste« Beilage: Leitender Ariikel: Aus der antisemitischen Arena. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen : Deutschland: Mainz. Berlin. Königsdorff-Jastrzemb. — Italien: Rom. — Vermischtes. Inhalt der zweiten Beilage: Leitender Artikel: Der Honig in der heiligen Schrift (Schluß). — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Hamburg. Hannover. — Orsterr.-Ungar. Monarchie: Prag. — Rußland: Petersburg. Inhalt der dritten Beilage: Der Gesetzentwurf über die israelit. Religion in Ungarn. — Privat-Telegramm. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Landsberg. Mirow. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Lemberg. — Marocco: Tetuan. — Vermischtes. Pädagogische Beilage. — Extra-Beilage. Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des „JSraelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'fchen Hofkuchdruckerei-Aktien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu vier Beilage«.

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