Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 36 (4.5.1893)
- Date
- 1893-05-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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erhalten, das Lebensziel eines jeden Einzelnen bildet, wir', uns hier gesagt, daß wir sie ganz in derselben Weise auf jeden unserer Schüler übertragen müffen. Weil der Ehrtrteb ein so mächtiger Sporn für jeden Schüler ist, liegt gerade beim gewissenhaften, eifrigen Lehrer die Gefahr nahe, durch Kränkung oder doch Versagung der Ehre den Lerneifer zu wecken. R. Elieser aber empfiehlt nicht durch Verkürzung, sondern durch Erzeugung von Ehre den Eifer des Schülers zu heben. Als klassisches Beispiel wird in jro 'bn ma«, Cap. 27, auf das Verhältniß „unseres Lehrers" Moscheh zu seinem Schüler Jehoschua verwiesen, mit dem Hinweis, daß davon jeder die Norm für den Verkehr zwischen Lehrer und Schüler entlehnen solle. Nicht wähle mir, „wähle uns Männer", hatte Moscheh zu Jehoschua (II. B. M., C. 17, 9) gesprochen und ihn damit sich selber vollkommen gleichgestellt, obwohl doch Moscheh Lehrer und Jehoschua Schüler war. nv^>' 11*31 1D33 vby aDN 1123 NITIP VJD ins d»*w ins jrnrv^ 1280 1ZD1 n»öo di« ^3 by *)« miea irwwyw iv^v uV ina xbx id*3 nb 'b .iTD^n vusnni Dl «1.1» 'S (Fortsetzung folgt.) Die Vorgänge in Kolin- Prag, im April. Die antisemitischen Ausschreitungen, welche in Kolin ihren Anfang genommen und leider nicht blos in der nächsten Umgebung dieser Elbestadt, sondern auch in anderen czechischen Ortschaften des Landes Nachahmung gefunden haben, boten dem Club der deutschen Landtagsabgeordneten Veranlassung, der Regierung die weitgreifendsten Maßnahmen zum Schutze der persönlichen Sicherheit sowie der Sicherheit des Eigenthums der Mitbürger jüdischer Confession dringend an's Herz zu legen. Die Interpellation der Abgeordneten Alexander Richter und Genossen hat folgenden Wortlaut: „Euere Excellenz! In der Stadt Kolin ereignete sich vor Kurzem eine Judenverfolgung. Unter dem Einfluß eines finsteren, in unserer Zeit kaum noch begreiflichen Aberglaubens und in unmittelbarer Folge einer Verdächtigung, welche durch alle amtlichen Erhebungen als Verleumdung erwiesen ist, wurden die dortselbst ansässigen jüdischen Bewohner beschimpft und auf so gefährliche Art in ihrer persönlichen Sicherheit, wie in ihrem Besitze bedroht und geschädigt, daß das Aufgebot von Militärgewalt zu ihrem Schutze verfügt werden mußte. Nach übereinstimmenden Berichten ist ein vollkommen friedlicher Zustand bis zur Stunde nicht hergestellt, und für die Zukunft die weitere Bedrohung der in Kolin und Umgebung lebenden Juden nicht ausgeschloffen. — In Erwägung, daß dieser Fall einer Judenverfolgung — der erste, der seit langen Jahren das öffentliche Leben in Böhmen befleckt — das tiefste Bedauern aller Rechtlichfühlenden erregt und weite Kreise der Bevölkerung in Beunruhigung versetzt, - in Erwägung, daß dieses traurige Vorkommniß notorisch im Zusammenhänge mit einer seit Langem betriebenen Hetze steht, welche zum Haffe gegen eine gesetzlich anerkannte Religionsgenoffenschaft aufreizt, — in Erwägung, daß Wohlergehen und Ehre des Landes es erheischen, der Ausbreitung des Uebels entgegenzutreten und der Wiederholung eines Rechts- und Friedensbruches, wie er sich in Kolin ereignete, vorzubeugen, — stellen die Unterzeichneten an Euere Excellenz die Frage: Gedenkt die Regierung im Hinblick auf^diesen tief bedauerlichen Ausbruch künstlich aufgestachelter Leidenschaften den Ursachen solcher Ausschreitungen fortan die schärfste Aufmerksamkeit zuzuwenden? — Gedenkt sie die ihr gesetzlich zu Gebote stehenden Machtmittel auf die zutage getretene verwerfliche Bewegung in vollem Maße anzuwenden? — Beabsichtigt sie insbesondere, der in Wort und Schrift, in Versammlungen, in Zeitungen und an anderen öffentlichen Stellen betriebenen Verhetzung und Aufreizung mit aller Strenge entgegenzutreten — und gedenkt sie überhaupt alle Vorkehrungen zu treffen, um das Land künftighin vor ähnlichen Ausschreitungen zu bewahren und den Mitbürgern jüdischer Confession die volle Sicherheit zurückzugeben?" Schon aus den ersten Berichten über die Ausschreitungen in Kolin war zu entnehmen, daß Se. Excellenz der Herr Statthalter Graf Thun den bedaue-lichen Vorfällen in Kolin die volle Aufmerksamkeit zugewendet, sich bei dem Abg. Dr. Sil eingehend informirt und dem Ansuchen der Gemeindevetretung um militärischen Schutz in der promptesten Weise willfahrt hat. Am 19. d. M. unterbreitete eine Deputation des Koliner Stadtrathes, bestehend aus den Herren Bürgermeister Cayvin und I Turnau, Sr. Excellenz die Bitte, daß die militärische Besatzung, welche seit dem 13. d. M. in Folge der Ausschreitungen bequartiert ist, vermindert, dagegen aber der Gendarmerieposten auf einen Stand von mindestens 12 Mann erhöht werde. Dieses Ansuchen wurde mit der Befürchtung begründet, die Staatsverwaltung könnte von der Koliner Stadtgemeinde die Deckung des Aufwandes für die Besatzung verlangen, obwohl das Militär über Auftrag der Staatsbehörde entsendet worden sei und dem Staate die Pflicht zufalle, die Ordnung dort aufrecht zu erhalten, wo sich die Mittel der autonomen Verwaltung unzureichend erweisen. Der Statthalter zeigte sich über alle Vorfälle wohl unterrichtet, insbesondere über die Entstehungsursache der Ausschreitungen, welche nach seinen Informationen seit längerer Zeit vorbereitet waren, empfing die Deputation sehr freundlich und verlangte eine Druckschrift der Stadtvertretung mit den entsprechenden Anträgen. Der Entwurf dieser Druckschrift wurde vorgestern in einer außerordentlichen Sitzung der Koliner Gemeindevertretung, welche auch in einer Resolution ihr tiefstes Bedauern über die vorgekommenen Unruhen aussprach, genehmigt. Die Regierung wird ersucht, in Kolin mit Rücksicht auf die localen Verhältnisse, welche erhöhte Sicherheitsvorkehrungen erheischen, eine ständige MilitärbesatzunZ in dem kleinsten Ausmaße, welches die militärischen Verhältnisse gestatten, zu belaffen. Aus Kolin, Kuttenberg und Umgebung werden noch immer Ausschreitungen gemeldet, wenn dieselben auch nicht jenen Umfang annehmen, als in den ersten Tagen der Bewegung. So entstand in Kuttenberg vorgestern um 9 Uhr Abends ein großer Menschenauflauf in Folge eines von Kolin aus verbreiteten Hetzliedes, welches unter Verhöhnung der Juden die Koliner Vorfälle besingt. Gassenbuben und Lehrlinge verfolgten unter Absingung dieses Liedes die Bediensteten des Handelsmannes Adolph Abeles, und binnen Kurzem war die Menge auf dreihundert Köpfe angewachsen. Es gelang den Verfolgten zu entkommen und in dem Wagenknecht'fchen Geschäfte Schutz zu finden, die Polizei zerstreute die Menge und geleitete die Verfolgten in ihre Wohnungen. — Aus Zandov bei Kohljanowitz wird über Ausschreitungen berichtet, die sich vor dem Hause des Kaufmannes Alfred Weinberg daselbst abgespielt haben. Das Haus sei von der angeiammelten Menge mit Steinen bombardirt worden, und ein Stein sei sogar in die Wiege des zweijährigen Kindes Weinberg's geflogen. Hiebei seien drei junge Leute ertappt, verhaftet und dem Kreisgerichte in Kuttenberg eingeliefert