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Der Israelit · 1893-05-04 · Heft 36 (4.5.1893) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 36 (4.5.1893)
Date
1893-05-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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674 man geneigt, diese Rücksichten außer Acht ehen zu lassen und die äußeren Formen der Achtun und Ehrerbietung zu vernachlässigen, deren gewissenhafte Beachtung gerade dem alltäglichen Lebensverkehr einen solchen Reiz verleihen, während ihre Mißachtung so oft zur Klippe wird, an der die besten Beziehungen Schaden leiden. Es ist dies im gewöhnlichen Umgang so häufig, daß familiär und rücksichtslos fast Synonime in unserer Umgangssprache geworden sind. Um eine d'd» db6 h'djd vor diesem Schaden zu schützen, empfiehlt unsere Mischna die gewissenhafte, peinliche Rücksichtnahme auf die Ehre, welche ihre Mitglieder sich gegenseitig schulden. Wenn jedes höhere, selbstlose Streben die Genossen zu einer v'2» ob6 jto» macht, so steht die Beschäftigung mit der Thora obenan unter allen Bindemitteln, welche verwandte, gleichgesinnte Geister frei und leicht und freudig binden. Denn die Thora ist der Lebensnerv, die Seele, der geistige Mittelpunkt, der alle Theile des jüdischen Volkskörpers zusammenhält. vn Dpjr r6np n»HD ntvo vb ms min .^xi»' ’Ddv im Dy ’»mi FpNnnu 'jbo „Das Gesetz, zu welchem uns Moscheh verpflichtete, ist das Erbgut der Gemeinde Jakobs; als es in Jeschurun König wurde, als um es die Häupter des Volkes sich sammelten, waren ein Ganzes die Stämme Israels." (V. B. M. 33, B. 4, 5-) — Als die Thora noch nicht Israel übergeben war, als sie ihm erst gereicht werden sollte und das Volk sich zu seiner Entgegennahme um den Sinai schaarte, bewährte sie bereits ihre verbrüdernde Kraftt. ^3m in« 2^3 ,inN trio .171.1 iju Dt? im .npi^noi niDijnro nnnn ^>3 im» Indem es nicht heißt die Kinder Israels, sondern Israel lagerte gegenüber dem Berge (II. B. M., 19, 3) so liegt in dieser Einheit, die Einmüthigkeit.der Gesinnung ausgesprochen, welche die Lagerstellen sonst oft schwer vermissen ließ. — In Israel gibt es keinen, soll es keinen geben, der nicht Schüler oder Lehrer oder beides zugleich ist. Lehrern oder Schülern die Beachtung oder Schonung der gegenseitigen Ehre anempfehlen, heißt sie daher allen Mitgliedern des Hauses Israels ans Herz legen; und wie ist diese Mahnung beherzigt worden, und wie hart und bitter hat sich ihre Vernachlässigung gerächt! Es sind hier drei Kategorien von Ehre genannt, die eigene Ehre, die Ehre des Schülers und die des Genossen, und zwei Kategorien von Ehrfurcht, die gegen den Lehrer und die gegen Gott. — Zwischen Ehre (1133) und Furcht (miid) wird sonst scharf unterschieden. Wenn daher hier gesagt wird, die Ehre deines Genossen, soll dir theuer wie die Furcht vor dem Lehrer sein, so liegt schon darin ausgesprochen, daß der Sinn unserer Mischna nicht sein könne, es solle allen hier aufgeführten Kategorien die gleiche Ehre oder Ehrfurcht entgegengebracht werden, was auch aus inneren Gründen undenkbar wäre, da sonst die jedem Schüler zu erweisende Ehre der Gott schuldigen Ehrfurcht gleichkäme. Vielmehr soll hier nahe gelegt werden, daß die Ehre, die dem Schüler zukommt, denselben Anspruch auf Beachtung hat als die Ehre, die wir uns selbst schulden u. s. w. 11371 T33 mm» 1DM vb : n"D11 2»3 ^M12» »112) (.1313 3in3^ M1123 *p1^> 1M17I M11D3 Die erste Anforderung Rabbi Eleasar's ben Schamua lautet nun: „Die Ehre de in es Schülers sei dir theuer wie die Detnige." Das Verlangen nach Ehre d. h. nach der günstigen Meinung anderer über unseren Werth, besitzt wohl ein jeder von Hause aus. Es ist dies einer der edelsten Triebe, wenn er nicht in Ehrsucht ausartet. In diesem Sinne sagt der Weise: (Sprüche Sal., Cap. 22, V. 1) 371121 1232 31 i»yo 0» iro: 312 p „Vorzüglicher ist der Name als großer Reichthum und mehr als Silber und Gold ist gute Gunst." — Vollgenuß des Lebens — ist durch Reichthum und Kraft, ist selbst durch Weisheit nicht gegeben, wenn die Ehre fehlt, welche allem Besitz erst Werth und Weihe gibt. Reichthum ist für die meisten ja deßhalb erstrebenswerth, weil sein Besitzer in der Achtung der Welt steigt, und die Bürde der Armuth bekommt unerträgliche Wucht, wenn neben ihr die Ehre gefährdet ist. Der Mensch beredet sich nichts verloren zu haben, wenn er die gute Meinung von sich nur noch gerettet hat. Dem Besseren und Edleren schmeckt Brod und Wasser süß, wenn er vor der Welt den Schein der Wohlhabenheit noch erhalten hat. Zumal da wo das Gefühl für Ehre die Grenzen überschreitet und sich in Ruhmsucht verwandelt, ist es der schwersten und blutigsten Opfer fähig. Die Ehre ist die im allgemeinen Urtheil anerkannte Würde, und wer leichthin auf die öffentliche Meinung verzichtet, bietet keine Bürgschaften mehr für redliche Gesinnungen und bedroht allen sittlichen Bestand. Die Entehrung, welche mit der Strafe eines Verbrechens sich verbindet, thut weher als die Strafe selbst. Diesen Anforderungen der eigenen Ehre Rücksicht zu tragen, dazu bedarf es in der Regel nicht erst besonderer Mahnung. Sie ist etwas allen Menschen gemeinsam theueres, worauf daher jeder von selbst bedacht ist. Wie stark entwickelt dieser Ehrbegriff aber gerade in den Reihen des jüdischen Stammes ist, das braucht keinem seiner Angehörigen erst gesagt zu werden. Unserer Zeit erst blieb es Vorbehalten, auch diese glänzende Sette des jü-

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